Ziele und Projektaktivitäten im Technologiecampus


Das Teilvorhaben Technologiecampus (TC) hat den Aufbau neuartiger und technologieorientierter Kooperationsmodelle mit externen Partnern – sogenannte Joint Labs verantwortet. Laut ursprünglicher Definition wurden Joint Labs hierbei als Kooperationsformate gefasst, die unter Beibehaltung der rechtlichen Eigenständigkeit der Partner eine enge und iterative Zusammenarbeit im Rahmen laufender Projekte und - soweit rechtlich und tatsächlich möglich - die gemeinsame bzw. wechselseitige Nutzung von Räumlichkeiten, Forschungsgeräten oder anderen Ressourcen erlauben (vgl. Hochschulentwicklungsplan der Universität Potsdam, S. 16).

Ausgehend von bereits bestehenden Joint Labs der Universität Potsdam mit Leibniz-Instituten sollten im Rahmen der Inno-UP neue WTT-orientierte Joint Labs, insb. mit Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft im Potsdamer Raum und mit denen der Fraunhofer-Gesellschaft am Standort Potsdam-Golm, angestrebt werden. Thematisch sollten sich neue Joint Labs an Forschungsthemen des Potsdam Science Park orientieren. Es wurde erwartet, dass durch die neuen Joint Labs konkrete Impulse für das regionale Innovationsökosystem entstehen würden und der TC neue, übertragbare Erkenntnisse für den Technologietransfer in Joint Lab-artigen Kooperationsformaten ableiten würde.

Neben dem (1) konkreten Aufbau von mindestens drei neuen Joint Labs – von der Ideenfindung bis zur Betriebsphase – sollten parallel auch (2) allgemeingültige Konzepte für den Aufbau und den Betrieb von Joint Labs entwickelt werden. Das beinhaltete zum einen eine Überführung der Erfahrungen in einen allgemeingültigen Prozesspfad zur Entwicklung von Joint Labs an der Universität Potsdam als auch die wissenschaftlich-fundierte Ableitung allgemeingültiger Rahmenparameter und Erfolgskriterien für Joint Labs. Die Durchführung dieser Vorhaben wurde strategisch von 2018-2020 von Prof. Dr. Hans-Gerd Löhmannsröben (Universität Potsdam, Physikalische Chemie) und ab 2021 von Prof. Hans-Hennig von Grünberg (Transferprofessur an der Universität Potsdam) geleitet und von Dr. Andreas Bergner operativ-fachlich koordiniert.

Wissenschaftler im Labor
Foto: Ernst Kaczynski (Universität Potsdam)

Die an das Teilvorhaben gestellten Aufgaben konnten erfüllt werden. Für die Erstellung eines an der Universität Potsdam allgemeingültigen Konzeptes für Joint Labs erfolgte die Evaluierung bereits etablierter Modelle zur Organisationsgrenzen überschreitenden Zusammenarbeit an anderen Standorten (Kalitzki & Schlappa, 2018).

Davon abgeleitet konnte eine neue Definition für Joint Labs an der Universität Potsdam (Bergner et al. 2021) und ein Schema für den idealtypischen Aufbau von Joint Labs erarbeitet werden (Grafik 1).

Nach diesem Schema wurde der Aufbau der Joint Labs OPAT (Optische Prozessanalysetechnologien) und BioF (Biofunktionale Oberflächen) verfolgt. Das Joint Lab ursprünglich avisierte Joint Lab NanoMat (NanoMaterialien) wurde nach einer ersten Konzeptphase nicht weiterverfolgt. Stattdessen wurde ab 2020 mit dem Aufbau eines vierten Joint Lab Drohnen und Sensorik begonnen. Weiterhin wurden Vorkonzepte für ein mögliches (fünftes) Joint Lab VR/AR (Virtual Reality/Augmented Reality) erstellt.

Wissenschaftler im Labor
Foto: Ernst Kaczynski (Universität Potsdam)

Das Joint Lab OPAT konnte bereits 2019 in seine operative Phase überführt werden, in dem erste konkrete Unternehmenskooperationen starteten (u. a. Firmen BASF, Nordzucker, Herbstreith&Fox). Die Rahmenparameter für eine auch wirtschaftliche Tätigkeit wurden durch ein Rechtsgutachten abgesichert (Empting, 2021).

Prozessbegleitend erfolgte eine intensive Abwägung der intern notwendigen Kooperationsbedingungen (Gerätenutzung, Personalüberlassung etc.) mit der Verwaltung der Universität Potsdam (insb. Dezernat 1 – Planung, Statistik, Forschungsangelegenheiten, D4 – Haushalt und Beschaffung). Ab 2022 waren die Rahmenbedingungen soweit geklärt, dass das Joint Lab OPAT als innoFSPEC-Transferlabor in eine nachhaltig gesicherte Struktur an der Universität Potsdam überführt werden konnte. Das innoFSPEC-Transferlabor ist damit das erste, nicht projektfinanzierte Labor an der Universität Potsdam mit einer dezidierten Transferausrichtung.

Illustration zum einem Workshop eines Joint Labs
Bild: Julia Depis
Grafik 2

 

Auch das Joint Lab BioF führte erste Pilotprojekte mit Unternehmen durch (u. a. Firma Heidolph). Im Joint Lab OPAT erprobte Rahmenparameter und Gelingensfaktoren konnten übernommen werden. Im Joint Lab BioF erfolgte jedoch auch der Test neuer Kooperationsformate mit Unternehmen im Sinne der Open Innovation als „Innovations-Workshops“. Das Portfolio der Transferformate mit Partnern aus der Wirtschaft konnte dadurch ausgeweitet werden (Grafik 2; Bröker et al., 2021).

Das Joint Lab BioF wurde als gemeinsames Angebot zwischen Universität Potsdam und Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP sowie Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie, Institutsteil Bioanalytik und Bioprozesse IZI-BB in das gemeinsame Fraunhofer-Leistungszentrum integriert. Es wird auch über den Projektzeitraum der Innovativen Hochschule hinaus als Kooperationsangebot mit Partnern aus der Wirtschaft fungieren.

Illustration zum einem Workshop eines Joint Labs
Bild: Julia Depis
Grafik 2

Im Joint Lab Drohnen & Sensorik konnte trotz intensiver Unternehmenskontakte (>30 Anbahnungen), die Realisierung einer räumlich fixierten Kooperationsplattform im Sinne eines gemeinsam nutzbaren Experimentierraumes bis dato noch nicht umsetzen. Gleichwohl wurden die Ideen eines Drohnentestlabors umfänglich mit Stakeholdern und potentiellen Partnern diskutiert. Außerdem fand bereits die praktische Demonstration der Kooperationsmöglichkeiten in einem provisorischen Testlabor statt (10/2020). Auf Grundlage der hervorragenden Erfahrungen und des gut etablierten Netzwerks soll die Realisierung des Joint Labs nun im Rahmen des universitären Forschungsschwerpunktes Erdwissenschaften weiterverfolgt werden.

Illustration: Struktur des Joint Lab BioF
Bild: Julia Depis
Grafik 3


Insgesamt hat das Teilprojekt TC den Nachweis erbracht, dass Joint Labs als gemeinsame Experimentier- und Denklabore (Grafik 3) einen sehr wichtigen Beitrag für die Kooperation mit wirtschaftlichen Partnern liefern. Es konnte gezeigt werden, dass das gemeinsame Agieren in Laboren und das kreative Nutzen jeweiliger Ressourcen tatsächlich die notwendige Beschleunigung für Forschung und Entwicklung erzeugen.

Unsere Joint Labs haben den Beweis erbracht, dass ein Überwinden der eigenen Organisationsgrenzen wichtig ist und dass das Austesten und Experimentieren auf Augenhöhe zu neuen Inspirationen und Lösungsansätzen führt. Egal, ob mit fest definierten Partnern, wie dem Fraunhofer IAP oder offen gestaltet, ohne fixe Partnerbindung wie im Joint Lab Drohnen & Sensorik. Wir glauben fest daran, dass Joint Labs uns dabei unterstützen, wichtige Fragen der Praxis schneller zu beantworten und eigene Lösungsideen schneller auf den Weg zu bringen.

Illustration: Struktur des Joint Lab BioF
Bild: Julia Depis
Grafik 3
Pyramide über die Gelingensfaktoren von Joint Labs
Bild: Universität Potsdam
Grafik 4

Die Erkenntnisse und Erfahrungen im Aufbau und Betrieb der Joint Labs haben wir intern und außerhalb der Universität Potsdam mehrfach präsentiert und diskutiert (u. a. Workshops zu Joint Labs 2019, 2020, 2022). Das Teilprojekt TC hat durch seine Arbeiten nicht nur zum Beschreiten neuer Transferpfade an der Universität Potsdam beigetragen, sondern allgemein auch zu einem erweiterten Verständnis von Kooperationsoptionen in gemeinsam nutzbaren Transferräumen (Bergner & Siegling, 2020; Bergner et al., in prep). Es war von großer Bedeutung, aus der praktischen Erfahrung heraus, allgemeingültige Gelingensfaktoren für Joint Labs und ähnlich gestaltete Transferräume abzuleiten. Hierzu gehören neben einer exzellenten fachlichen Expertise und guter, technischer Ausstattung auch die rechtzeitige Klärung der formellen Rahmenbedingungen, die Sicherung der fachlichen Verfügbarkeit der Räume, geschultes Personal und eine professionelle Betreuung aller externen Partner sowie eine gesicherte Grundausstattung für die Durchführung von Anbahnungsprojekten (siehe Grafik 4).

Pyramide über die Gelingensfaktoren von Joint Labs
Bild: Universität Potsdam
Grafik 4

Im Rahmen des Teilprojektes TC wurden mehr als 10 projektbasierte Unternehmenskooperationen und Anbahnungsstudien durchgeführt. Darüber hinaus wurden zwei BMBF-Projekte (1: OKat-SIM: AR-Ansätze in der beruflichen Weiterbildung von Verwaltungsmitarbeitern des Katastrophenschutzes und der Zivilen Sicherheit: Lern- und Problemlösungsprozesse für eine optimierte Katastrophenbewältigung mittels Simulation (2019); 2: ProCuPro - Sensorsysteme für die Prozesskontrolle in der Kupferproduktion: (B) Entwicklung und Validierung spezifischer Lichtstreu- sowie laser-induzierter Breakdown Spektroskopie (LIBS) -Messverfahren, CAN182P2Z1) sowie zwei EU-Projekte eingeworben (1: „NanoPAT: Process Analytical Technologies for Industrial Nanoparticle Production“, H2020, DT-NMBP-08-2019; 2: „BIRDWATCH“, EUSPA-Program, HORIZON-EUSPA-2021-SPACE-02-51). Auch dies hat die Kooperationsverbindungen der Universität Potsdam mit wirtschaftlichen Partnern verbessert und zu einem erhöhten Transfer von Wissen in die Anwendung beigetragen.