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Kulturen der Intelligence

  • Laufzeit: Januar 2013–Oktober 2016
  • Bewilligte Mittel: 175.000,– Euro; 234.000,– £

Der zunehmende Nationalismus sowie der gesellschaftliche und technische Wandel veränderten seit dem späten 19. Jahrhundert nicht nur die Formen der Kriegsführung, sondern auch das System der Internationalen Beziehungen grundlegend. Dies initiierte in Europa und den USA einen Prozess der Professionalisierung, Technisierung und Verwissenschaftlichung der militärischen Nachrichtendienste und des von ihnen betriebenen Erfassens, Sammelns und Auswertens von Informationen.

Das Projekt untersucht, wie sich dieser Prozess in Deutschland, Italien, Großbritannien und den USA gestaltete. Dabei wird danach gefragt, inwieweit sich im Zusammenspiel nationaler Geheimdiensttraditionen, jeweiliger kultureller Repräsentationen der Geheimdienste in Literatur und Medien sowie der Praxis nachrichtendienstlicher Arbeit spezifische nationale Intelligence-Kulturen herausbildeten. Unter einer „Kultur der Nachrichtendienste“ werden dabei spezifische Formen der Organisation, Struktur und Zielsetzungen der Dienste, ihrer strategischen, operativen und taktischen Arbeit verstanden, welche in innergesellschaftlichen Diskursen ausgehandelt werden. Die Aktivitäten der Nachrichtendienste werden dabei nicht nur als Produkte militärischer Zwecküberlegungen verstanden. Sie sind vielmehr in den Kontext mit gesellschaftlichen Diskursen zu setzen.

Zum ersten Mal wird danach gefragt, inwiefern und in welchen Bereichen es national übergreifende Muster geheimdienstlicher Diskurse und Praktiken gab, z.B. als Folge transnationaler Interaktion bzw. wechselseitigen Wahrnehmung und „Perzeption“. Damit wird die erste komparative Kulturgeschichte der Nachrichtendienste erarbeitet, die Intelligence in ihre bislang vernachlässigten soziokulturellen Kontexte eingebettet und einem bisher überwiegend von Institutionen- und politikgeschichtlichen Ansätzen geprägten Forschungsfeld neue Impulse verliehen.

In einem ersten Schritt soll von einem Post-Doc und vier Doktoranden primär der öffentliche Diskurs über die Geheimdienste in Deutschland, Großbritannien und den USA untersucht werden. Auf dieser Grundlage werden die Projektleiter in einem zweiten Schritt die Wechselwirkungen von Öffentlichkeit und nachrichtendienstlicher Praxis erarbeiten und überprüfen, inwieweit sich im Zuge der Professionalisierung der Wissensproduktion in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts spezifische Intelligence-Kulturen herausgebildet haben.

Die Untersuchung reicht zeitlich von den Anfängen einer modernen Nachrichtendienststruktur Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, dem Höhe- und Endpunkt einer ersten Entwicklungsphase moderner Nachrichtendienste.

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