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„Bißher hab ich stillgehalten“

Selbstzeugnisse von Angehörigen der franziskanischen Ordensfamilie in Flugschriften aus der Zeit der frühen deutschen Reformation (1517–1530)

Recherche nach einer Quellensorte und Vorarbeiten zu ihrer Kommentierung

Die Bereitstellung von monastischen Selbstzeugnissen aus der Zeit der frühen Reformation in Deutschland und die Beschäftigung mit derartigen Zeugnissen individueller religiöser Bindung machen ein besonderes Forschungsdesiderat aus.

Daher ist es Aufgabe des Vorhabens, in den veröffentlichten Quellen, die die Forschung als „Flugschriften“ anspricht, erstmals systematisch nach Selbstzeugnissen von Nonnen und Mönchen der franziskanischen Ordensfamilie aus dem Zeitraum 1517–1530 zu recherchieren, diese Aussagen als eigenständige Textgruppe herauszuarbeiten und Vorarbeiten zu deren Kommentierung zu leisten.

Die Recherche in den „Flugschriften“ ist begründet in der Tatsache der dazu vorliegenden Editionen – in der Hauptsache der H.-J. Köhlers – sowie inhaltlich und methodisch dadurch bestimmt, nach den Zeit- und Lebensumständen ich-bezogene Aussagen über monastische und religiöse Befindlichkeiten und Bindungsweisen sowie über kritisch selbstbehauptende religiöse Identitätskonstruktionen ihrer monastischen Autorinnen und Autoren ausfindig zu machen.

Das titelgebende Motto des Vorhabens „Bißher hab ich stillgehalten“ entstammt einer bislang als Flugschrift angesprochenen Publikation des Franziskaners und nachmaligen Anhängers Martin Luthers, Dr. Joh. Briesmann (1488–1549), von 1523. Das Beispiel weist der Recherche die Richtung:

Denn Angehörige der franziskanischen Ordensfamilie waren neben den ordensinternen Auseinandersetzungen um Reformen mehr als jede andere Ordensgemeinschaft durch die reformatorischen Auseinandersetzungen herausgefordert und äußerten sich so auch mannigfach individuell über ihre Glaubensbindungen.

Das besondere Anliegen der Recherche in den „Flugschriften“ liegt darin, hier veröffentlichte Selbstzeugnisse einer Gruppe herauszufiltern, deren Mitglieder sich auf unterschiedlichste Weise und aus vielerlei Umständen von den reformatorischen Herausforderungen in ihrer Bindung an diese Gruppe (Orden/Konvent), den katholischen Glauben sowie durch den Anspruch der neuen Lehre Martin Luthers und damit neuen sozialen Lebensformen individuell betroffen sahen und sich eben darüber selbst-beobachtend bis reflektierend meinungsbildend-öffentlich äußerten. Derlei „Flugschriften“ machen solche Selbstzeugnisse dem veröffentlichten Brief ähnlich.

Entsprechend ist über die Beschaffung jeweiliger text- und autorbezogener Basisdaten hinaus eine Kommentierung vorzubereiten, um diese monastischen Selbstzeugnisse nach ihrer Binnenperspektive für Aussagen über zeitspezifische Diskurse der Ordensreformen und monastische Traditionsbrüche, dann auf eine auch mehr-konfessionelle Reichweite „reformatorischer Öffentlichkeit“ bis hin für sozialgeschichtliche Fragen nach hybriden kulturellen Identitätswahrnehmungen und Konstruktionen von Ordensleuten und deren „Vergesellschaftung unter Anwesenden“ der Forschung zu erschließen.

In der Hauptsache ist danach in der durch H.-J. Köhler in den 1980er Jahren auf Microfichen verfügbar gemachten umfangreichsten Sammlung von „Flugschriften“ sowie ergänzend in einzelnen Editionen (Clemen, VD 16 ausgewählt) systematisch nach monastischen Selbstzeugnissen zu recherchieren, die ermittelten Selbstzeugnisse in einer Arbeitsdatei zu separieren und verfügbar zu machen, um danach Vorarbeiten zu ihrer Kommentierung zu leisten. Die Ergebnisse sollen anschließend in geeigneter Form publiziert werden.

Es handelt sich soweit um quellenbezogene Grundlagenarbeiten an der Schnittstelle interdisziplinärer ordens-, reformations-, kirchen-, sozial- und kulturgeschichtlicher Forschung.

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