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05.12.2016: Vortrag und Podiumsgespräch: Die NS-Justiz in der deutschen Nachkriegszeit – Verdrängung, Kontinuitäten und Aufarbeitung

Montag, 05.12.2016, 19:00 Uhr
Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, Berlin-Mitte

Vortrag: Prof. Manfred Görtemaker, Leiter der Unabhängigen Wissenschaftlichen Kommission beim Bundesministerium der Justiz zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit

Anschließend Podiumsgespräch mit Manfred Görtemaker und Reinhard Strecker, Initiator und Macher der 1959 eröffneten ersten Ausstellung über „Ungesühnte Nazi-Justiz“.

Moderation: Marianne Zepp, Heinrich-Böll-Stiftung

Ende der 50er Jahre waren rund drei Viertel der Mitarbeiter des Bundesjustizministeriums mit einer NS-Vergangenheit belastet. So eines der Ergebnisse der Unabhängigen Wissenschaftlichen Kommission, die das BMJ zur Aufarbeitung der NS-Justiz eingesetzt hat. Nach 1945 habe sich die Justiz praktisch selbst entlastet, so der Leiter der Kommission Manfred Görtemaker.

Zwar stellt die Studie in ihrem Resümee fest, dass die Bundesrepublik zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen sei, die NS-Belastung vieler Juristen habe aber Einfluss auf die Gesetzgebung und auf den Umgang mit der NS-Vergangenheit gehabt.

Die Arbeit der Kommission legt damit auch die unrühmliche Verdrängung des Nationalsozialismus in der Nachkriegszeit offen. Allerdings gehört zu diesem Kapitel der Geschichte der Bundesrepublik auch die Würdigung von Initiativen einiger weniger couragierte Vertreter/innen der Zivilgesellschaft. Zu ihnen zählt Reinhard Strecker. Mitten im Kalten Krieg – im Westen herrschte eine Schlussstrichmentalität, das 3. Reich so schnell wie möglich aus der Erinnerung zu tilgen – stellte Strecker in einer Ausstellung NS-Sondergerichtsakten aus: Ein Skandal.

Auch heute ist das Thema der Aufarbeitung der NS-Justiz in der Bundesrepublik nicht nur von historischem Interesse. Die Frage nach dem Ethos, dem sich Juristen verpflichtet fühlen sollen, ist so aktuell wie eh und je.

Fachkontakt: Dr. Marianne Zepp, Referentin Zeitgeschichte, T 030-28534-234, E zepp@boell.de

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