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CultMedia-Jahrestagung

Herr Dr. Erdmann, Frau Prof. Spörer, Herr Prof. Günther und Herr Prof. Egbert (von links) eröffnen die CultMedia-Jahrestagung.
Herr Prof. Egbert und Herr Prof. Günther (Präsident der Universität Potsdam).

Menschliche Praktiken und Beziehungen in der mediatisierten Welt. Nachhaltigkeit, (künstliche) Intelligenz, Ästhetik und Verantwortung.

Bericht der Jahrestagung 2019 des International Network on Cultural Diversity
(CultMedia)

Potsdam, 09. – 11.09.2019

von Björn Egbert, Julius Erdmann, Katja Würfl und Rebecca Hoch, Universität Potsdam

Digitalisierung ist in der Gesellschaft allgegenwärtig und beeinflusst sowohl das alltägliche, als auch das berufliche Leben. So wird nunmehr von einer mediatisierten Welt gesprochen, welche einerseits zeitliche, räumliche und soziale Aspekte der Vermittlung beinhaltet und andererseits den Stellenwert der digitalen Medien unterstreicht. Die anhaltende Mediatisierung führt zur Transformation von Kommunikation und menschlichen Beziehungen und nimmt auf alle Lebensbereiche Einfluss. Durch diesen Wandel werden unterschiedliche Visionen und Hoffnungen einerseits sowie ebenso unterschiedliche Befürchtungen und Negativ-Szenarien andererseits sichtbar. Die menschliche Kommunikation findet nicht mehr nur persönlich, sondern immer mehr durch die Nutzung digitaler Medien statt. Durch neue Möglichkeiten der Bildgebung kann Digitalität zu neu empfundener Ästhetik führen. Roboter werden durch künstliche Intelligenz auf den sozialen Umgang mit Menschen programmiert. Algorithmen beeinflussen schon jetzt das gesellschaftliche Leben. Auf Nachhaltigkeit und einen verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen (insbesondere der technischen Geräte, wie Smartphones, Tablets etc.) muss an dieser Stelle verwiesen werden, um auch künftig von den medialen Möglichkeiten profitieren zu können.

Diese Herausforderungen und Chancen zu den Themen menschliche Praktiken und Beziehungen, Nachhaltigkeit, (künstliche) Intelligenz, Ästhetik und Verantwortung aufzugreifen und aus Sicht verschiedener Fachdisziplinen in Verbindung zu setzen stand im Mittelpunkt der internationalen CultMedia-Jahrestagung. Zudem wurden Wechselwirkungen analysiert und aktuelle Probleme sowie zugehörige Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt, diskutiert und verschiedenen Disziplinen zugänglich gemacht.

 

Die 22. Tagung des CultMedia-Netzwerkes fand im Zeitraum vom 09. bis 11. September 2019 unter starker internationaler Beteiligung und unter der Schirmherrschaft des Präsidenten der Universität Herrn Prof. Oliver Günther an der Universität Potsdam statt.

Unter dem inhaltlichen Rahmen „Menschliche Praktiken und Beziehungen in der mediatisierten Welt“ wurden in drei thematisch abgegrenzten Sessions Beiträge geboten, diskutiert und neue Erkenntnisse zu folgenden Fragestellungen gewonnen: Wie gestalten sich gegenwärtige menschliche Beziehungen, wie kann künstliche Intelligenz sinnvoll genutzt werden und welche Verantwortung trägt die Gesellschaft in diesem Zusammenhang?

In der Keynote der CultMedia - Jahrestagung widmete sich Frau Prof. Dr. habil. Annely Rothkegel (WaK Polytechnic University, Bukarest, Rumänien) der Thematik der „Kommunikationsarbeit in digitalen Kontexten“. Dabei beschrieb Sie das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine. Frau Prof. Rothkegel unterschied vier Ebenen der Mensch-Maschine-Interaktion: Den (1) Menschen als User, (2) den Menschen als arbeitender Kunde, (3) das System als Partner des Users und (4) das System in der Rolle des Akteurs, während der User passiv und reaktiv bleibt. Anhand von Beispielen für die unterschiedlichen Ebenen ((1) der erweiterte Qualitätsbegriff, (2) Selbstbedienungsläden, (3) künstliche Gesprächspartner in Chats und (4) sozialfähige und möglichst menschenähnliche Roboter) führte Frau Prof. Rothkegel dem interessierten Publikum vor Augen, wie essentiell die Abwägung von technischer und informatorischer Machbarkeit und ethischen Verantwortung bei der Entwicklung von digitalen Medien ist.

 

Session 1: Menschliche Praktiken, Mediatisierung und Nachhaltigkeit / Verantwortung

 

Herr Prof. Dr. Wojewoda (Schlesische Universität Katowice, Polen) stellte die Kommunikation in seinem Beitrag „Verantwortung und die digitale Kommunikationsgesellschaft“ als Wert heraus, der die Meinungsbildung von Gesellschaften beeinflusst. So widmete er sich in seinem Vortrag der Frage, wie der Einzelne im Internet ethisch korrekt agieren kann und stellte globale Grundsätze auf, um einer Verzerrung und Manipulation von Inhalten entgegenzuwirken. Des Weiteren diskutierte er die individuelle Verantwortlichkeit von Akteuren im Internet und deren Medienkompetenz, mit deren Hilfe es nach seiner Ansicht gelingt, verlässliche Informationen von Fake-News zu unterscheiden.

Herr Prof. Dr. Zecha erweiterte den von Herr Prof. Wojewoda aufgegriffenen Aspekt der digitalen Kommunikation um den Beitrag „Freundschaft in der mediatisierten Welt: Eine Seele in zwei Körpern (Aristoteles) oder eine Million thumbs-up (Facebook)?“. So betrachtete er den von Aristoteles begründeten Begriff der Freundschaft und transferierte diesen auf die mediatisierte Praxis. Dabei stellte Herr Prof. Zecha die Freundschaft als Moralthema und Lebensnotwendigkeit heraus. So wurden die Vorteile und Nachteile von Online- und Offline-Freundschaften gegeneinander abgewogen und ein mediatisierter Freundschaftsbegriff erstellt. Dieser schließt einen Online- und Offline-Kontakt, die persönliche Eigenständigkeit und die Bereitschaft der Vergebung zwischen die Individuen ein.

Anschließend referierte Frau Prof. Mocanu (University Bukarest, Rumänien) zu der Thematik „Kann das Internet persönliche Erfahrungen ersetzen?“. Vor dem Hintergrund einer Fallstudie diskutierte sie die Frage, ob Bildungseinrichtungen durch digitale Tools ersetzt werden können/müssen: In einer Fallstudie wurden Lernende betrachtet, die ausschließlich digitale Tools zur Vorbereitung nutzten. Als Ergebnis konnte gezeigt werden, dass diese sich lediglich die Informationen aneigneten, die zum erfolgreichen Bestehen der Prüfung beitrugen Es stellte sich heraus, dass die Lernenden über kein tiefergehendes Verständnis der Thematik verfügten und somit ein unzusammenhängendes und lückenhaftes Wissen aufwiesen. In ihrem Fazit kam Frau Prof. Mocanu zu dem Schluss, dass es eine zentrale Aufgabe von Bildungseinrichtungen sei, die Lernenden auf eine bildungswirksame Nutzung des Internets vorzubereiten.

Im Anschluss referierte Herr Prof. Egbert (Universität Potsdam, Deutschland) in seinem Vortrag „Medieneinsatz in Grundschulen im Kontext von Verantwortungen und Allgemeinbildung“ über die schulische Ausbildung in der Primarstufe. Ausgehend vom allgemeinen Ziel der Entwicklung digitaler Kompetenzen, rückten in Herr Prof. Egberts Beitrag der curriculare Paradigmenwechsel von der Input- zur Outputorientierung und die damit einhergehenden Chancen und zugleich Herausforderungen an Schulen in den Vordergrund. Am Beispiel des Rahmenlehrplans für die Klassenstufen 1-10 des Landes Brandenburg verdeutlichte Herr Egbert einerseits, dass die Medienbildung als Leitkonzept ausgewiesen ist und andererseits, dass Lehrkräfte z.T. mit dem zweckmäßigen Einsatz digitaler Medien im Unterricht überfordert seien, was vermehrt zu einem konzeptlosen Einsatz digitaler Medien im Unterricht führe. Herr Prof. Egbert formulierte in seinem Beitrag Bedingungen, die erfüllt werden müssten, um eine verbesserte Entwicklung der Medienkompetenz von Schülerinnen und Schülern gewährleisten zu können: (1) Verbindliche Vorgaben zur Medienkompetenz in den Curricula, (2) eine Stärkung der inhaltlichen Basis in den Curricula, (3) ein sicherer rechtlicher Rahmen, der Lehrkräften eine umfassende Nutzung digitaler Medien erlaubt, (4) eine fachübergreifend abgestimmte IT-Ausstattung und (5) eine ausreichende Finanzierung digitaler Medien, insbesondere auch Software.

Einem ebenfalls pädagogischen Ansatz widmete sich Herr Schlossnickel (Universität Potsdam, Deutschland) mit seinem Beitrag „Relevanz digitaler Anwendungen in ökonomischen, naturwissenschaftlichen und technischen Unterrichtsfächern“. In diesem reflektierte er kritisch den Einsatz von digitalen Medien im Unterricht innerhalb der sogenannten palliativen Didaktik, in der neue Inhalte lediglich von alten „ummantelt“ werden. Seiner Ansicht nach würden digitale Medien gegenwärtig oftmals nur ergänzend in den Unterricht eingepflegt werden. Er verdeutlichte weiterhin, dass auch die digitale Didaktik an die Eigenschaften und Vorerfahrungen der Schülerinnen und Schüler angepasst werden müsse und entsprechende Unterrichtsmodelle entwickelt und implementiert werden müssten.

 

Session 2: Menschliche Praktiken, Mediatisierung und (künstliche) Intelligenz

 

In ihrem Beitrag „Tippen statt Schreiben - Die Handschrift als Opfer der Digitalisierung“ referierte Frau Scheithauer (Universität Chemnitz, Deutschland, FundaMINT-Stipendiatin) zu der STEP-Studie 2019 (Studie über die Entwicklung, Probleme und Interventionen zum Thema Handschreiben). Die Studie belegt, dass viele Grundschülerinnen und -grundschüler keine lesbare Handschrift aufweisen. Die Hauptursachen dafür sind eine mangelnde Routine im Handschreiben, ungenügende Konzentration und eine mangelhafte Koordination. Die oftmals unleserliche Handschrift von Grundschulkindern hat negative Auswirkungen auf deren Motivation und schulische Leistungen. Zur Förderung der Handschrift gibt es verschiedene Handlungsmöglichkeiten, wie das Einbinden des Schreibens innerhalb von Freizeitaktivitäten, Schreibtraining, die Vorbereitung des Schreibens in Kindertagesstätten sowie die Zusammenarbeit zwischen Kindertagesstätte und Schule, Schreibtraining mithilfe von Ergotherapie, Förderung der Feinmotorik durch Basteln und Kochen und die Motivation durch (Rollen-) Vorbilder. Frau Scheithauer verdeutlichte zudem, dass die Handschrift nicht nur ein Ausdruck der individuellen Persönlichkeit eines jeden Menschen, sondern auch ein Kulturgut sei und sich zudem positiv auf Lernprozesse auswirke. Sie verdeutlichte jedoch auch, dass obwohl sich die Handschrift bei Lernenden im Zuge der Digitalisierung generell verschlechtert habe, digitale Medien mittlerweile Apps bereitstellten, die die Aneignung Handschrift sinnvoll unterstützten, wie z.B. beim Schreiben am Smartboard.

Anschließend an diesen Vortrag ermöglichten Herr Dr. Machtleid und Herr Mracek (Akademie der Wissenschaften und Association of Research Organizations Prag, Tschechische Republik) mit ihrem Vortrag „Position der Tschechischen Republik im Bereich der Entwicklung und Nutzung künstlicher Intelligenz“ einen Einblick in die Forschung zur künstlichen Intelligenz in der Tschechischen Republik. Sie verdeutlichten einerseits die Investitionen und andererseits die Forschungsfelder der Tschechischen Republik zur Entwicklung von künstlichen Intelligenzen.

In seinem Beitrag „Was hätte Karl Marx zu Industrie 4.0 gesagt? Auswirkungen der Digitalisierung auf Produktionsverhältnisse und Produktivkräfte unserer Zeit“ lenkte Herr Hulsch (Universität Chemnitz, Deutschland) sein Augenmerk auf die soziale Perspektive der Digitalisierung. So skizzierte er Parallelen zwischen dem Kapitalismus des 18./19. Jh. und der Industrie 4.0 und verdeutlichte damit einhergehende soziale, ökonomische und ökologische Dilemmasituationen.

Eine eher künstlerische Position zur Digitalisierung nahm Frau Prof. Dr. Bogaczyk-Vormayr (Poznan, Polen) ein. Mit ihrem Beitrag „Bio Art als Wissenstransfer, Kommunikation und ästhetische Erfahrung“ stellte Sie digitalisierte und manipulierte Repräsentationen biologischer Strukturen vor, ließ die Zuschauer so anhand technisch veränderter und produzierter Bilder Stoffwechselprozesse beobachten und die Ästhetik (im Verständnis des sinnlich Wahrnehmbaren) der Bilder erfahren.

 

Session 3: Menschliche Praktiken, Mediatisierung und gesellschaftlicher Wandel

 

Zu Beginn der Session beschrieb Frau Dr. Kainz (Zwettl, Österreich) in ihrem Beitrag „Habitus, Distinktion und soziales Kapital in der Online-Gesellschaft“ unbewusste Praktiken der User im Internet. Sie stellte die Repräsentation individueller Lebensstile im Internet in den Vordergrund ihrer Betrachtungen. Ein ökonomisches Kapital würde durch die Selbstvermarktung angehäuft. Angelehnt an die Gesellschaftstheorie von Bourdieu beschriebt Frau Dr. Kainz Online-Communities als Felder mit eigenen Regeln, die sich stetig veränderten. Im Allgemeinen gestand Frau Dr. Kainz den technischen Fortschritt nicht zu, die Auflösung von Klassen, Segregation und Ausgrenzung zu bewegen. Vielmehr vermutete sie, dass auch hier das Matthäus-Prinzip zum Tragen komme.

Anschließend setzte sich Herr Dr. Erdmann (Universität Potsdam, Deutschland) in seinem Beitrag „Ordnungen und Praktiken der soziotechnischen Aneignung neuer Medien in Zeiten algorithmisierter Kultur“ mit der Frage auseinander, wie sich Menschen Medien aneignen und in ihr Leben integrieren. Dabei betrachtete er die Medienaneignung von digitalen Technologien im Rahmen der Aneignungsforschung der Cultural Studies. Herr Erdmann stellte heraus, dass Medienaneignung hier ein kreatives und produktives Spiel mit den Handlungsmöglichkeiten innerhalb symbolisch-technischer Strukturen sei. Die Grenze dieser Aneignung seien allerdings die algorithmischen Strukturen der Anwendungsoberflächen und -schnittstellen. Diese entziehen sich seines Erachtens einem individuellen Zugriff.

Diverse Anwendungsmöglichkeiten digitaler Medien im Schulgarten im Fach Sachunterricht präsentierte Frau Dr. Hintze (Universität Potsdam, Deutschland) in ihrem Vortrag „Digitale Medien im Sachunterricht. Eine perspektiv-übergreifende Betrachtung von Einsatzmöglichkeiten und fachdidaktischen Grenzen“. So verband sie die digitalen Medien wie beispielsweise eine Pflanzenbestimmungsapp mit der Einordnung und Bestimmung von wichtigen Kräutern im Schulgarten. Auch ein digitales Bodenmessgerät, dass die Feuchte und die Temperatur des Bodens misst, könne zur planvollen Bepflanzung von Beeten mit den Schülerinnen und Schüler verwendet werden.

Herr Dr. Porshnev (Nischni Novgorod, Russland) stellte in seinem Vortrag „Research on privacy and social capital in the Internet in Russia“ eine Studie vor, in der der Zusammenhang zwischen Privatsphärebedenken und dem aktiven Aufbau eines Netzwerks als Ergebnis der Suche nach sozialem Kapitel untersucht wurden. So konnte das Konstrukt des sozialen Kapitals zunächst in Structure, Bonding und Binding unterteilt werden. Soziales Kapital wird nicht von den Sicherheitsbedenken der Nutzer bedingt, jedoch beeinflusst es die Struktur von sozialem Kapital. In der sich anschließenden Diskussion wurde vorgeschlagen, dass zum Erkennen von Fake-News eine Nominal- oder Ordinalskala genutzt werden könnte.

Herr Prof. von Schilling (Hochschule Flensburg, Deutschland) stellte in seinem Beitrag „Neural networks and current developements in machine Translation“ vor, was Machine-learning-basierte Übersetzungsprogramme wie Google und DeepL zu leisten im Stande sind. Dabei stellte er zunächst heraus, wie Translationen-Maschinen von anderen Maschinen lernen. Demzufolge zahlen Organisationen viel, um ihre Übersetzungssysteme mit Translatoren zu trainieren. Des Weiteren stellte er an eindrucksvollen und zum Teil sehr einfachen Beispielen die Grenzen der Translationssysteme heraus.

Im Anschluss diskutierte Frau Prof. Zydek-Bednarcuk (Katowice, Polen) in ihrem Vortrag unter dem Titel „Mobile Applikationen und Interaktionen in neuen Kommunikationsverhalten“ verschiedene Apps, die mittlerweile die Verhaltens- und Kommunikationsmuster ihrer Nutzerinnen und Nutzer beeinflussen. Sie werden damit zu festen Bestandteilen des Soziallebens in weiten Teilen der Bevölkerung. Frau Prof. Zydek-Bednarcuk stellte eine Pyramide der neumedialen Bedürfnisse vor, in der Social-Media die oberste, Arbeit / Effizienz die mittlere und Freizeit und Unterhaltung die unterste Stufe einnehmen. Sie kam zu dem Schluss, dass ein Existieren ohne Apps derzeit unmöglich erscheint. Der Mensch sei somit bereits abhängig von digitalen Medien und werde monetisiert.

In seinem Beitrag „From Print to Digital: The Revolution of Newsmaking in the 21st Century“ gab Herr Dr. Ward (Hochschule Flensburg, Deutschland) einen Überblick über die Entwicklung der Informationsmedien und -kultur im 21. Jahrhundert. So zeichnete er einen Paradigmenwechsel von der reinen Informationsweitergabe hin zu dem Kommentieren von Politikern und Informationen. Der Trend in den Informationsmedien geht dahin, dass die Leser das Geschehen aktiv bewerten können und somit eine Art Teilhabe daran erfahren. In der anschließenden Diskussion kam auf, dass Journalisten eher Geschehnisse bewerten und von diesen verzerrt berichten, als dass sie diese objektiv wiedergeben. Herr Dr. Ward sprach sich dafür aus, dass der Journalismus geschützt werden muss.

Einen philosophischen Aspekt zu den digitalen Medien stellten Herr Dr. Konstantin Keulen und Herr Dr. Kornelius Keulen (Potsdam, Deutschland) in ihrem Beitrag „Das Leib-Seele-Problem in der digitalen Vernetzungsgesellschaft. Die appräsente Präsenz und das omnipräsente Geistige im Internet.“ vor. Dabei thematisierten sie das psychophysische Problem, dass in den digitalen Räumen eine Wirklichkeit mit zwei Identitäten zu finden ist. Sie hielten fest, dass die Begriffe von Leib und Seele im Kontext von digitalen Medien immer problematisch seien werde, da der Mensch die digitale Welt geschaffen hat und diesbezüglich gleichermaßen beunruhigt sei. Der Mensch ist somit Urheber, Entwickler und Leidender seiner eigenen Technik. Bei einer Verknüpfung von Mensch und Digitalisierung gilt es ihres Erachtens, dem Geistigen eine neue Dimension zu schaffen. Indem der User das digitale Medium versteht, damit Erfahrungen macht und sich mit der Technik identifiziert, erlangt er seine Eigenbestimmung zurück und die digitalen Medien erscheinen minder bedrohlich.

Mit seinem Vortrag „IKT und nachhaltige Entwicklung - (k)eine >Harmonie a priori<?!“ gab Herr Prof. Dr. Banse (Berlin, Deutschland) das Schlusswort der CultMedia - Jahrestagung 2019. So betrachtete er ökonomische, technische, soziale und politische Perspektiven des Einsatzes von digitalen Medien. Dem vernetzenden Aspekt von digitalen Medien durch Skype und Co. gestand er eine geringere ökologische Belastung zu als den herkömmlichen Dienstreisen. Weiterhin stellte er einige Schwierigkeiten bei dem Verständnis von nachhaltiger Entwicklung heraus, wie beispielsweise die Wissensvermittlung, die Bewertung und das nachhaltige Handeln. Obwohl die Energienutzung von einigen digitalen Medien zurückgegangen sei, stellte Herr Prof. Banse einen Reboundeffekt heraus. Dieser bestehe darin, dass neue Geräte oftmals weniger verbrauchten, jedoch insgesamt mehr Geräte in den Haushalten eingesetzt würden, sodass der Energieverbrauch steige. Weiterhin referierte Herr Prof. Banse zu Nutzungsmustern von digitalen Medien. So trete in weiten Teilen der Bevölkerung eine Nomophobie auf, die dadurch zum Ausdruck kommt, dass Menschen sich möglichst lange mit dem Smartphone beschäftigten, streamten und via Online-Handel einkauften. Herr Prof. Banse beendete seinen Vortrag, indem er Themenbereiche wie nachhaltige Entwicklung und den Umgang mit digitalen Medien vorstellte, die zukünftig diskutiert und reflektiert werden müssten, um die nachhaltige Entwicklung und den Umgang mit digitalen Medien zu stärken.

 

4 Forschungsfragen und Ausblick

 

Der zentrale Inhalt der CultMedia - Jahrestagung bestand in der Untersuchung der Interaktion von Mensch und Maschine in digitalen Kontexten. Übereinstimmend wurde dargelegt, dass ein digitales Medium niemals die Eigenständigkeit und Selbstbestimmung der User verletzen, sondern nur ergänzend wirken dürfe.

In der inhaltlichen Zusammenfassung der Tagung wurde deutlich, dass digitale Medien nicht in der Lage sind, bestehende Bildungssysteme vollständig zu ersetzen, sondern lediglich dazu beitragen, diese zu optimieren und mannigfaltig zu gestalten. Des Weiteren müsse der nachhaltigen Entwicklung, Herstellung, Nutzung und Entsorgung von digitalen Medien eine deutlich stärkere Rolle in unserer Gesellschaft zugesprochen werden. Hier gilt es nicht nur ökologisch zu handeln; vielmehr müssten auch die politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Aspekte des nachhaltigen Umgangs mit digitalen Medien in den Fokus der Untersuchung rücken. Dies beträfe insbesondere die Verantwortung im Umgang mit digitalen Medien. Die Möglichkeiten, die beispielsweise die künstliche Intelligenz bieten, müssten dabei ebenso kritisch betrachtet wie sinnvoll eingesetzt werden.

 

Vor diesem Hintergrund wird die 23. Tagung des International Network on Cultural Diversity and New Media in Warschau (Polen) stattfinden und oben skizzierte Herausforderungen erneut aufgreifen und vertiefen.

Univ.-Prof. Björn Egbert

Grundschulpädagogik Sachunterricht

 

Konferenz des International Network on Cultural Diversity and New Media Potsdam, 2019

 

In Kooperation mit der Leibniz Gesellschaft der Wissenschaften zu Berlin unter Schirmherrschaft des Präsidenten der Universität Potsdam Prof. Oliver Günther, Ph.D.

Univ.-Prof. Björn Egbert

Grundschulpädagogik Sachunterricht

 


Dr. Julius Erdmann

Grundschulpädagogik Sachunterricht

 

9. – 11. September 2019, Universität Potsdam
Campus Golm
Haus 14a
Raum 2.14.0.47

Anreise

Dr. Julius Erdmann

Grundschulpädagogik Sachunterricht