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Jahresbericht 2017

Allgemeiner Überblick

Durch Beschluss vom 15.11.16 hatte das Präsidium auf Antrag des Senats der Gründung der zentralen wissenschaftlichen Einrichtung „Forum Religionen im Kontext“ (FRK) zugestimmt. Anlässlich der konstituierenden Sitzung vom 03.02.17 stellten die anwesenden Mitglieder des FRK Antrag an das Präsidium zur Bestellung des Vorstandes (Prof. Dr. Johann Ev. Hafner, Prof. Dr. Walter Homolka, Prof. Dr. Martin Wilkens, Prof. Dr. Thorsten Schmidt, Herr Kadir Sancı, MA), des Geschäftsführers (Prof. Dr. Johann Ev. Hafner) und des stellvertretenden Geschäftsführers (Prof. Dr. Walter Homolka). Das FRK dient der Vernetzung und Vertiefung der religionsbezogenen und religionsrelevanten interdisziplinären Forschung und Lehre und deren Austausch mit anderen wissenschaftlichen Disziplinen an der Universität Potsdam im Kontext gesellschaftlicher, kultureller und religiöser Heterogenität durch Bereitstellung einer Gesprächsplattform. Es ist eine Schnittstelle für die fakultäts‐und disziplinübergreifende Wissenschaft, die mit religiösen Fragestellungen im weitesten Sinn befasst ist. Es unterstützt die religionsbezogenen und religionsrelevanten Fragestellungen berührenden Studien- und Lehrangebote der beteiligten Kolleginnen und Kollegen sowie das religionsbezogene und interreligiöse Gespräch an der Universität Potsdam. Das FRK bietet zudem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen der Universität Potsdam und anderer wissenschaftlicher Einrichtungen die Möglichkeit zum Austausch und zur Kooperation im Bereich von Forschung und Lehre im Kontext des Themenspektrums Religion, Wissenschaft und Gesellschaft. Das FRK ist überdies Ansprechpartner für außeruniversitäre politische, kulturelle und zivilgesellschaftliche Akteure sowie für konfessionsgebundene Gemeinschaften. Es fördert über die wissenschaftliche Arbeit im engeren Sinne hinaus den gesellschaftlichen Diskurs zu religionsbezogenen und religionsrelevanten Themen sowie den Dialog mit anderen Religionen und Weltanschauungen im Land Brandenburg und über seine Grenzen hinaus. In diesem Sinne dient es auch der Außendarstellung der religionsbezogenen Disziplinen. Als zentrale wissenschaftliche Einrichtung führen die Mitglieder des FRK Forschungsprojekte durch, veranstalten Fachtagungen, Symposien, Workshops und Weiterbildungsseminare.Die religionsbezogenen und religionsrelevanten Disziplinen an der Universität Potsdam verleihen dem interreligiösen Diskurs und seiner Beobachtung in Forschung und Lehre ein besonderes Gewicht. Durch beinahe alle in Potsdam ansässigen Fachdisziplinen hindurch, in der Rechts-, Geistes-, und Naturwissenschaftswissenschaft, werden in Lehre und Forschung stets Bezugspunkte zwischenunterschiedlichen Religionen, religionsrelevanten Fragstellungen oder zwischen religiösen und säkularen Kontexten in der Gesellschaft wahrgenommen und analysiert.Das FRK will die bisherige Zusammenarbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die in unterschiedlicher Weise an religionsbezogen und religionsrelevanten Themen arbeiten durch eine stärkere Vernetzung unterstützen und intensivieren. Regelmäßige Sitzungen und Tagungen der beteiligten Hochschullehrer*innen und des wissenschaftlichen Nachwuchses sollen dazu beitragen, die Zusammenarbeit in laufenden Forschungsprojekten zu fördern sowie die Entwicklung neuer Forschungsinitiativen zu unterstützen. Im Bereich der Lehre kann das FRK die bisherige Zusammenarbeit zwischen den Lehrplaner*innen in Absprache mit den betreffenden Instituten und Fakultäten helfend begleiten.Das FRK wird auch die Besonderheit der ostdeutschen Religionslandschaft aufgreifen, die zu den am meisten säkularisierten Gebieten der Welt zählt. Dort stellt das Verhältnis von religiösen Gemeinschaften und einer areligiösen Mehrheit eine Herausforderung dar, weil erstens Religionsminoritäten zur Verkapselung neigen, zweitens das Erbe der forcierten Säkularisierung fortwirkt und drittens Religionen zunehmend als museale Reste interessant werden. So ergeben sich ganz neue Konstellationen aus Selbstghettoisierung, Indifferentismus und Neugier.Neben der Zusammenarbeit in Forschung und Lehre übernimmt das FRK noch eine weitere, wichtige Aufgabe: Die Förderung des interreligiösen Dialogs und religionsbezogenen gesellschaftlichen Diskurses außerhalb der Universität. Es will als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Zivilgesellschaft fungieren und damit einen Beitrag zum Verständnis von Religionen und dem friedlichen Zusammenleben von Menschen verschiedener Religionen und Weltanschauungen leisten. Dies soll sowohl durch die Organisation eigener Veranstaltungen als auch durch die Vermittlung von Expertinnen und Experten aus den jeweiligen Fachgebieten geschehen. Die Debatten im Zusammenhang mit Fragen nach der Trennung von Staat und Kirche und der Religionsfreiheit (bspw. die Beschneidungs- und Kopftuchdebatte) sowie die aktuellen Diskussion um die Zugehörigkeit des Islams zum europäischen Kulturraum weisen einen enormen Bedarf an Wissensvermittlung und einem wissenschaftlich fundiertem Diskurs an.

Aktivitäten 2017

Im ersten Jahr des Bestehens des FRK lag der Fokus auf dem Aufbau der Infrastruktur und der Planung der Eröffnungsveranstaltung. Zur Unterstützung der Arbeit der Geschäftsführung wurde am 15.03.2017 eine wissenschaftliche Mitarbeiterin (Frau Nina Müller, MA) eingestellt, deren Aufgabenbereich unter anderem in der Vorbereitung und Organisation der Vorstandssitzungen, Vorbereitung und Organisation der Mitgliederversammlung, Verwalten der Adressdatei, und dem Erstellen der Website des FRK (https://www.uni-potsdam.de/de/forum-religionen-im-kontext.html) bestand. Es fanden drei ordentliche Vorstandssitzungen statt (24.04.17; 31.5.17; 25.10.17), die sich unter anderem mit der Planung der Eröffnungsveranstaltung, der Gestaltung eines Logos, dem Erstellen einer Geschäftsordnung und der geeigneten Form der Einladung von Mitgliedern des Forums beschäftigten.

Eröffnung des FRK

Die Eröffnung des FRK fand am 15.06.2017 im Auditorium Maximum statt und wurde im weiteren Umfeld der Universität Potsdam regional, national und international wahrgenommen. Dies spiegelt auch die gute Berichterstattung in der Presse, die die Innovativität der Initiative signifikant würdigte, wider. Die Eröffnung fand in der Zusammenarbeit mit der G20 Interfaith Summit Initiative statt, deren Konferenz im Vorfeld des G20 Gipfels von Hamburg veranstaltet wurde. Der G20 Interfaith Summit wurde vom 15.–17.06.2017 unter der Teilnahme von Mitgliedern des FRK an der Universität Potsdam durchgeführt. Anlässlich der Eröffnung wurde Prof. Dr. Angelika Neuwirth, Senior-Professorin für Arabistik an der Freien Universität Berlin zur Senior Fellow des Forums Religionen im Kontext ernannt. Senior Fellows beraten und unterstützen das Forum in seiner Arbeit.

Projekte

Encyclopedia of Jewish-Christian Relations

Die Encyclopedia of Jewish-Christian Relations (EJCR) ist ein Forschung- und Publikationsprojekt, das durch das Abraham Geiger Kolleg, in Kooperation mit dem Selma Stern Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg und der Eugen Biser Stiftung mit Prof. Kathy Ehrensperger als Execuitve Editor am FRK angesiedelt ist. Die Enzyklopädie umfasst die Geschichte und Tradition jüdisch-christlicher Interaktion bis in die Gegenwart und hat zum Ziel, einen wesentlichen Beitrag zur interreligiösen Forschung und Verständigung zu leisten. Das Vorhaben will damit eine wissenschaftliche Grundlage für den Sachbereich jüdisch-christlicher Beziehungen als eigenständigen Forschungs- und Studienbereich schaffen. Auf vier Bände angelegt, werden sich die über 200 Einträge der Encyclopedia of Jewish-Christian Relations spezifisch mit dem Gesichtspunkt jüdisch-christlicher Beziehungen auseinandersetzen, d. h. nicht jeweils einen jüdischen und einen christlichen Aspekt isoliert voneinander betrachten, sondern die diesbezügliche Interaktion in den Vordergrund stellen. Die Enzyklopädie hat zum Arbeitsziel, den Prozess grundlegender kritischer Reflexion der jüdisch-christlichen Interaktionen, die über die Jahrhunderte stattgefunden haben, darzulegen, zu vertiefen und zu verbreitern, wo er schon stattfindet, und anzuregen in den Bereichen, in denen solch kritische Reflexion noch nicht stattfindet. Neben der Darlegung des gegenwärtigen Forschungsstandes werden damit auch die Grundlagen für die Vertiefung und Erweiterung dieser Thematik geschaffen und neue Perspektiven für die zukünftige Forschung und die Beziehung zwischen diesen beiden monotheistischen Religionen aufgezeigt werden. Nachdem sich Ende 2016 das Team der Chief Editors (Walter Homolka, Rainer Kampling, Amy-Jill Levine, Christoph Markschies, Peter Schäfer, Martin Thurner) der an den Verlag De Gruyter angebundenen Encyclopedia of Jewish-Christian Relations (EJCR) konsolidierte, wurde die über das Selma Stern Zentrum für Jüdische Studien Berlin Brandenburg ausgeschriebene Stelle einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin Anfang Januar 2017 mit Frau Dr. Juni Hoppe besetzt . Das Chief Editorial Board verfeinerte das Konzept der EJCR, und es wurden Beschlüsse bezüglich Advisory Board, Lemmata und Autoren gefasst. Die Zusammenarbeit mit dem Verlag De Gruyter wurde durch den Abschluss eines Vertrages formalisiert, die Kooperation in Bezug auf technische Details des Produktionsprozesses (u. a. Bereitstellung einer digitalen Datenbank durch den Verlag) eingeleitet und ein entsprechender Zeitplan aufgestellt. Weiterhin wurden mit dem Verlag Marketing-Strategien vereinbart. Durch die Voranzeige der EJCR-Publikation anlässlich verschiedener internationaler Konferenzen, durch Medienberichterstattung und eine E-Mail-Kampagne konnte bereits signifikante Aufmerksamkeit erlangt werden. Ende 2017 fanden anlässlich der Konferenz der American Academy of Religion (AAR) und der Society of Biblical Literature (SBL) Gespräche mit Mitgliedern des Advisory Board statt, und anlässlich einer Sitzung der an der Konferenz anwesenden Chief Editors wurde die Planung einer Konferenz im Vorfeld der AAR/SBL-Konferenz 2018 in Denver in Angriff genommen. Mit der Bestellung des Advisory Board und der Beschlussfassung bezüglich der geplanten Lemmata wurden die wesentlichen Voraussetzungen für die Einladung von Autorinnen und Autoren geschaffen. Dieser Prozess beginnt Anfang 2018 und er wird sich über die folgenden Jahre erstrecken, wobei Beiträge bis Anfang 2021 über die digitale Datenbank von De Gruyter eingehen können.

Glaube in Potsdam

Das Projekt „Glaube in Potsdam“ ist ein internationales, interdisziplinäres Projekt über lokale Religionsgemeinschaften an der Universität Potsdam, das aus einem Lehrprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. Johann Ev. Hafner in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Irene Becci, Universität Lausanne, hervorgegangen ist. Im Laufe der Jahre wurde der Kreis der ermittelten Gemeinschaften immer größer und ein umfassendes Bild der religiösen, spirituellen und weltanschaulichen Gruppen in Potsdam ist entstanden. Diese werden in religionswissenschaftlicher Perspektive vorgestellt. Dabei wird ein inklusiver Religionsbegriff angewendet, der auch Gemeinschaften und Netzwerke jenseits der sog. Weltreligionen wie u. a. Freimaurer, Humanisten und Yoga-Schulen umfasst. Im Laufe einiger Jahre wurden schließlich alle ermittelbaren religiösen Gruppen in der Stadt Potsdam besucht und interviewt. Geplant ist die Publikation der Ergebnisse in einem umfangreichen Nachschlagewerk, in dem auch  jeweils die Selbstdarstellungen mit einbezogen werden sollen, eine konfessionskundliche Einordnung geboten wird, die Geschichte nachgezeichnet wird und die aktuellen Aktivitäten geschildert werden: Wie finden sich Menschen in einer postsozialistischen Stadt zu solchen Gruppen zusammen und wie haben die bereits bestehenden Gemeinschaften den Wandel bewältigt? Welche Infrastrukturen (Gebäude, Ämter) nutzen sie dabei, wie sehen ihre Versammlungen bzw. Gottesdienste aus und welche Untergruppen haben sich in einer Gemeinde ausgebildet? Das Buch soll ein einzigartiges, umfassendes Nachschlagewerk zur Religionssituation einer kleinen Großstadt sein und darüber hinaus Reflexionen zur Einordnung in die Potsdamer Stadtdynamik sowie in die übergeordneten religiösen Kontexte bieten.

Vortrag

In Kooperation mit der School of Jewish Theology hielt Prof. Tamara Eshkenazi am 26. Juli 2017 die Emil Fackenheim Lecture zum Thema ‚Sources for Survival and Transformation: The Women of the Bible’.

 

 

Hochschulgottesdienste

Die schon seit Jahren von Herrn Prof. Hafner organisierten Hochschulgottesdienste werden seit dem Sommersemester 2017 unter dem Dach des FRK angesiedelt. Bei den Hochschulgottesdiensten handelt es sich um ökumenische Gottesdienste, zu denen Gastprediger aus unterschiedlichen Fachgebieten und Institutionen im Umfeld der Universität Potsdam eingeladen werden. Zusätzlich werden die Gottesdienste durch die Beiträge verschiedener Chöre der Stadt bereichert. Die Gottesdienste erfahren großen Zuspruch und ziehen im Durchschnitt 100–200 Besuchende an. Im Sommersemester 2017 fanden drei Gottesdienste zum Thema „Was eint?“ statt; am 07.05. zur Frage „Wie ist Gott eins?“, mit Prof. Johann Hafner und Imam Kadir Sancı am 25.06. zur Frage „Ist Europa eine Einheit ?“ mit Prof. Magdalena Marsałek (Slavistik, UP); und am 16.07. zur Frage „Was einte Juden und Christen?“ mit Prof. Kathy Ehrensperger. Im Wintersemester 2017/18 fanden vier Gottesdienste zum Thema „Medien – übers Limit“ statt; am 5.11.17 zum Thema „Der Koran als Medium: Handschrift, Theologie und Rezitation“, mit Michael Marx (Corpus Coranicum); am 03.12.17 zum Thema „Medien und die digitale Transformation“, mit Prof. Dr. Christoph (Meinel Internet-Technologien und Systeme, HPI); am 07.01.18 zum Thema „Bibliotheken: die Kirchen der digitalen Gesellschaft!“, mit Prof. Dr. Hans-Christoph Hobohm (Bibliotheks- und Informationswissenschaft, FH Potsdam); am 04.02.18 zum Thema „Medienkonsum und Künstliche Intelligenz“ mit Prof. Dr. Manfred Stede (Computerlinguistik, UP).

 

Lehrangebote

Das FRK bietet nicht selbst Lehrangebote an, sondern ist diesbezüglich durch seine Mitglieder vertreten. Das FRK sieht jedoch seine Aufgabe darin, als Plattform für den Austausch unter den Dozentinnen und Dozenten zu dienen. Als erster Schritt in diese Richtung und um die Breite der Lehrangebote, die sich mit religiösen und weltanschaulichen Themen auseinandersetzen, sichtbar und bewusst zu machen, wurden entsprechende Lehrveranstaltungen auf der Website des FRK in einer Übersicht veröffentlicht. Längerfristiges Ziel ist es dadurch auch interdisziplinäre Zusammenarbeit zu fördern.

Runder Tisch

Schon im Vorfeld der Gründung des FRK hatten Mitglieder der Universität Potsdam und Akademikerinnen und Akademiker weiterer regionaler, nationaler und internationaler wissenschaftlicher Einrichtungen Interesse an einer Mitgliedschaft beim Forum signalisiert, worauf diese nach der formellen Gründung angeschrieben und durch Beschluss des Vorstands als Mitglieder aufgenommen wurden. Es wurde im Weiteren beschlossen auch Vertreterinnen und Vertreter von Kooperationspartnern als nicht-stimmberechtigte Mitglieder aufzunehmen. Am 25.10.17 versammelten sich über 30 Mitglieder und Vertreterinnen und Vertreter der Kooperationspartner zu einem ersten Gedanken- und Ideenaustausch am runden Tisch. Es wurde beschlossen sich mindestens jährlich zu einer solchen Vollversammlung der Mitglieder zu treffen und Projekte und Vernetzungen anzustoßen sowie über laufende Vernetzungsprojekte zu berichten.