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Goldnanopartikel und Kurzgeschichten – Der Chemiker Ferenc Liebig beherrscht die Kunst des Dichtens

Die Neugier treibt ihn an – ob in der Forschung oder in der Kunst. Foto: Ernst Kaczynski

Die Neugier treibt ihn an – ob in der Forschung oder in der Kunst. Foto: Ernst Kaczynski

Kreative Köpfe sind nicht nur auf einem Gebiet aktiv. Albert Einstein spielte Geige, der Medizin- Nobelpreisträger Frederick Banting malte Bilder. Erfolgreiche wissenschaftliche Arbeit und künstlerische Betätigung müssen sich nicht ausschließen. Auch an der Universität Potsdam gibt es Beispiele für solche Doppelbegabungen. Der Chemiker Dr. Ferenc Liebig hat gerade seine Promotion mit summa cum laude abgeschlossen und schreibt seit Langem Kurzgeschichten, die er auch veröffentlicht.

Und so viel bleibt unbeantwortet“ ist der Titel des ersten Buches mit Kurzgeschichten von Ferenc Liebig. Für den Autor steht fest, dass Wissenschaft und Literatur viel gemeinsam haben. Offene Fragen gibt es hier wie dort, Schreiben gehört zum Handwerk und ist harte Arbeit. Neben seinem Studium war er lange parallel am Max-Planck- Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Golm tätig. „Dort habe ich gelernt, mich intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen, es sich entwickeln zu lassen, zu experimentieren, immer wieder Fragen zu stellen und Antworten zu suchen – wie in der Literatur.“

Der Wissenschaftler beschäftigt sich mit einem sehr aktuellen Forschungsgebiet, das sich mit der Herstellung und Charakterisierung von neuartigen Nanomaterialien auseinandersetzt. Nanopartikel sind Verbünde von einigen wenigen bis zu etlichen Tausend Atomen oder Molekülen.

Weil Metallnanopartikel einzigartige optische Eigenschaften besitzen, ist es möglich, das Spektrum ihrer Anwendungsgebiete von der Photonik bis zur Medizin zu erweitern. Dazu will Ferenc Liebig beitragen. In seiner Dissertation untersuchte er die „Bedeutung von Goldnanodreiecken unter besonderer Berücksichtigung ihrer optischen Eigenschaften und deren Relevanz für die Raman Streuung“. Besonders interessierte er sich für die Geometrie der Goldnanopartikel. Gold ist ein hervorragendes Material für Sensoren. „Wir verändern Dreiecke, modifizieren die Oberfläche, fragen nach der Veränderung von Eigenschaften, wie beispielsweise das Absorptionsverhalten oder die Toxizität.“ Dabei arbeitete Ferenc Liebig eng mit der Physik-Arbeitsgruppe Ultraschnelle Dynamik in kondensierter Materie zusammen. Innerhalb von drei Jahren, von 2016 bis 2018, hat Ferenc Liebig zehn Publikationen in internationalen, hochrangigen wissenschaftlichen Journalen veröffentlicht. Das ist vergleichsweise viel.

Weil Schreiben für den Wissenschaftler Ausgleich bedeutet, hat er bereits mit 14 Jahren angefangen, Kurzgeschichten und Gedichte zu verfassen. „Andere gehen joggen, ich schreibe“, sagt er. Er könne dabei Gedanken loswerden und sortieren. „Auch wenn ich nicht alles, was ich im Kopf habe, in der gerade aktuellen Geschichte unterbringe, ist für mich nichts nutzlos, ich kann es vielleicht später bei anderen Texten einsetzen“, sagt Ferenc Liebig. Kürzen führe wie in der Forschung zur Gedankenordnung. Man müsse verschiedene Richtungen ausprobieren, eventuell Umwege gehen, alles habe seinen Sinn. Der Autor will seinen Lesern nicht sagen, wie seine Geschichten zu interpretieren sind, wie sie denken sollen, das will er jedem selbst überlassen. Wenn beispielsweise zwei Menschen an ein altes brüchiges Haus auf einem Feld denken, habe jeder seine ganz eigenen Vorstellungen und Erfahrungen, die ganz eigene Geschichte entstehen ließen. Ferenc Liebig schreibt gerne „wortreiche Geschichten“. „Bei mir darf es eckig und kantig sein, es kann auch wehtun und unangenehm sein“, beschreibt er seinen Stil. Er will keine Effekthascherei betreiben, sondern zum Innehalten anregen. Erzählen, nicht werten ist seine Herangehensweise. Deshalb freut es ihn, wenn seine Texte oder einzelne Sätze bedächtig und auch mal öfter gelesen werden. Ein Beispiel aus seinem Kurzgeschichten-Band „Die Guten werden gehen“: „Vor zwei Tagen saß ich in der Küche, schmierte Schulbrote, da kam mein Ältester rein und fragte, was bin ich eigentlich und ich antwortete, ein Mensch.“

Gerade überarbeitet er sein neuestes Buch „Miniaturen“, das im Laufe des Jahres erscheinen soll und sich durch die Besonderheit auszeichnet, dass jede Geschichte die Länge einer Seite nicht überschreitet. Ansonsten ist alles erlaubt. Obwohl Literatur schon länger als Wissenschaft zu seinem Leben gehört, möchte Ferenc Liebig „nicht ohne Forschung sein“.

Text: Dr. Barbara Eckhardt
Online gestellt: Silvana Seppä
Kontakt zur Online-Redaktion: onlineredaktionuni-potsdamde

Veröffentlicht

06. Aug 2019