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DFG-Forschungsprojekt 

Lehrerhandeln bei Gewalt und Mobbing. Eine Studie zu Formen, Determinanten und Auswirkungen des Interventionshandelns aus Lehrer- und Schülersicht

Im Folgenden soll das DFG-Forschungsprojekt zum Lehrerinterventionshandeln bei Gewalt und Mobbing vorgestellt werden. Hierzu erfahren Sie neben wichtigen inhaltlichen Schwerpunkten auch aktuelle Vorhaben, Angaben zum Projektverlauf sowie zu den Ansprechpartnern und Projektverantwortlichen.

Projektbeschreibung:

Das Forschungsprojekt, das in enger Kooperation mit der Hochschule Magdeburg-Stendal realisiert wird, will das Lehrerhandeln bei Gewalt und Mobbing untersuchen. Dabei geht es sowohl um das Ausmaß und die Entwicklung von Gewalt- und Mobbingphänomenen an Schulen als auch um mögliche Interventionsformen von Lehrerinnen und Lehrern. Insbesondere soll der Frage nachgegangen werden, wie Lehrpersonen Gewalt und Mobbing wahrnehmen, wovon ihre Reaktionen abhängen und welche Auswirkungen ihr Handeln auf das Schulklima und das sozialen Lernen der Schülerinnen und Schüler hat. Zur Beantwortung der aus einem heuristischen Theoriemodell des Interventionshandelns abgeleiteten Fragestellungen ist eine repräsentative quantitative Befragung von 360 Lehrkräften und ihren Schülern geplant. Durch die Verknüpfung von Lehrer- und Schülerperspektive sowie von schulbezogener Gewaltforschung und kompetenzorientierter Lehrerforschung werden neue Erkenntnisse zur Lehrerprofessionalisierung und zur demokratischen Schulentwicklung erwartet. Darüber hinaus sind durch den Einsatz identischer Fragestellungen auch Trendaussagen zur Entwicklung von Gewalt und Mobbing sowie zum Interventionshandeln von Lehrerinnen und Lehrer möglich. Das Projekt wird von einer Promotion flankiert, die die Interventionskompetenzen angehender Lehrerinnen und Lehrer, d.h. in der ersten und zweiten Phase der Lehrerbildung, untersucht. Dadurch können evidenzbasierte Folgerungen für die Lehrerausbildung abgeleitet werden. Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für zwei Jahre (1/2014-12/2015) gefördert.

Projektverlauf:

Die erste Phase (10/2013-3/2014) – zugleich Ausgangspunkt sowie Hintergrundfolie für die anschließenden empirischen Studien – bildet die Suche nach einer normativen Grundlage für pädagogisch angemessenes Lehrerhandeln in der einschlägigen Fachliteratur, insbesondere in Form entsprechender Interventionsformen und -ziele. Darauf aufbauend folgt in der zweiten Phase des Projektes, der Hauptphase (4/2014-12/2015), die Erfassung des realen Lehrerhandelns und dessen Determinanten und zwar sowohl aus Lehrer- als auch aus der Schülerperspektive.

Publikationen:

Unsere Analysen sind abgeschlossen. Nun sollen die Ergebnisse zu den verschiedenen Schwerpunkten des DFG-Projekts publiziert werden. Unser Projekt stellt sein Modell und erste Ergebnisse in nachstehenden Veröffentlichungen vor:  

Bilz, L., Schubarth, W., & Ulbricht, J. (2015): Der Umgang von Lehrkräften mit Schülergewalt und -mobbing: Ein Überblick über den Forschungsstand und Ausblick auf ein Forschungsprojekt. Diskurs Kindheits- und Jugendforschung, 10(1), 99-105. 

Zusammenfassung

Bereits seit mehreren Jahrzehnten stehen aufgrund der hohen Prävalenz und bedeutsamer negativer Folgen für die psychosoziale Entwicklung von Kindern schulische Gewalt- und Mobbingphänomene im Fokus der Forschung (vgl. Olweus 1978). Mittlerweile liegen umfangreiche Forschungsbefunde zum Ausmaß, zum Täter-Opfer-Gefüge, zu schulischen und außerschulischen Einflussfaktoren, zu den Auswirkungen und zur Prävention vor (z.B. Schubarth 2013; Melzer u.a. 2015). Eine zentrale Rolle bei der Eindämmung und Prävention von Gewalt und Mobbing im schulischen Kontext spielen Lehrkräfte. Allerdings fehlen Studien zum Interventionshandeln von Lehrkräften und dessen Wirkungen fast völlig. Es mangelt nicht nur an einer theoretischen Fundierung; es liegen auch kaum Befunde dazu vor, wie deutsche Lehrkräfte bei Gewalt und Mobbing reagieren, über welche Kompetenzen sie verfügen und welchen Beitrag diese zur Bewältigung schulischer Gewalt- und Mobbingsituationen leisten. Hier setzt das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Forschungsprojekt „Lehrerhandeln bei Gewalt und Mobbing“ an. Ziel dieses Beitrages ist es, aus den vorliegenden Forschungsbefunden ein heuristisches Modell zum Lehrerhandeln in Gewalt- und Mobbingsituationen abzuleiten, welches den Ausgangspunkt dieses Forschungsprojekts bildet.

Zum Artikel

 

Seidel, A., Schubarth, W., Dudziak, I. & List, I. (2015): Erfolgreich intervenieren bei Gewalt und Mobbing. Eine Interventionsstrategie in zehn Schritten. In: PÄDAGOGIK 9/2015 

Zusammenfassung

Mobbing und Gewaltsituationen sind eine große Belastung für Lehrkräfte sowie für Schülerinnen und Schüler. Wer Hilfe sucht, der findet inzwischen ein breites Angebot an schulbezogenen Konzepten und Programmen zu Prävention und Intervention. Was ist diesen Programmen gemeinsam? Was sind erfolgreiche Interventionsstrategien und wie können sie sinnvoll angewendet werden? Hier das Ergebnis einer vergleichenden Analyse von neun Programmen.

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Niproschke, S., Oertel, L., Schubarth, W., Ulbricht, J. & Bilz, L. (2016): Mehr oder weniger Gewalt an Schulen? Eine Replikationsstudie 1996-2014 an sächsischen Schulen. In: ZSE, 36(1), S. 78-96. 

Zusammenfassung

Der verbreiteten Annahme einer ständigen Gewaltzunahme an Schulen stehen bisher nur wenige Studien im Zeitvergleich gegenüber. Der vorliegende Beitrag will diese Lücke schließen, indem er Ergebnisse einer aktuellen Replikationsstudie vorstellt und damit die Frage beantwortet, ob die Gewalt an Schulen im Vergleich zur Mitte der 1990er Jahre zu- oder abgenommen hat. Anhand einer repräsentativen sächsischen Stichprobe zeigt sich, dass im Jahr 2014 im Vergleich zu 1996 über weniger Gewalt an Schulen berichtet wird. Dies betrifft die Gewalt unter Schü ler(inne)n und die Gewalt gegen Lehrkräfte. Parallel hat die Interventionsbereitschaft unter der Lehrer- und Schülerschaft zugenommen. Zugleich macht die Studie auf differente Entwicklungstrends zwischen den Schülergruppen aufmerksam. Trotz eines insgesamt niedrigen Gewaltniveaus im Vergleich zur Mitte der 1990er Jahre legen die Befunde den Schluss nahe, bei den Präventionsbemühungen nicht nachzulassen.

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Bilz, L., Steger, J. & Fischer, S. (2016, in Druck): Die Identifikation von an Mobbing beteiligten Schülerinnen und Schülern: Zur Genauigkeit des Lehrerurteils bei der Wahrnehmung von täter- und opferbezogenem Verhalten. In: Psychologie in Erziehung und Unterricht. 

Zusammenfassung

Gegenstand der Studie ist die Güte des Lehrerurteils bei der Wahrnehmung von täter-und opferbezogenem Mobbing-Verhalten. Geprüft werden das Ausmaß der Über-sowie Un¬terschätzung des Anteils der beteiligten Schülerinnen und Schüler, die individuelle Übereinstim¬mung des Fremdurteils mit den Selbstangaben und der Einfluss verschiedener Moderatoren auf die Genauigkeit des Urteils. Analysiert werden Befragungsdaten von n = 85 Klassenlehrkräften und n = 1401 Schülerinnen und Schülern. Die anteilige Verbreitung von Täter-und Opfererfahrungen pro Klasse wird durch die Lehrkräfte leicht überschätzt, die Übereinstimmung zwischen Lehrer-und Schülerurteil auf individueller Ebene fällt gering aus. Einfluss auf die Genauigkeit des Lehrer¬urteils zum Täterstatus haben die schulischen Leistungen der Schülerinnen und Schüler. Die Ergebnisse werden hinsichtlich ihrer Implikationen für den Umgang mit dem Phänomen Mobbing an Schulen und für die Lehreraus-und -fortbildung diskutiert.

Weitere Artikel sind zu folgenden Themen in Planung und bereits in Bearbeitung:

  • zu notwendigen Kompetenzen von Lehrkräften für den Umgang mit Gewalt und Mobbing
  • zu Formen des Lehrerinterventionshandelns bei Gewalt und Mobbing und deren Wirkung
  • zur Selbstregulation von Lehrkräften und deren Rolle im Umgang mit Gewalt und Mobbing
  • zu schulischen Kontextfaktoren und deren Einfluss auf das Lehrerinterventionshandeln

Eine zusammenfassende Publikation zu den Forschungsergebnissen und zum Forschungsprojekt ist 2017 veröffentlicht worden in:

Bilz, L., Schubarth, W., Dudziak, I., Fischer, S., Niproschke, S. & Ulbricht, J. (2017): Gewalt und Mobbing an Schulen: Wie sich Gewalt und Mobbing entwickelt haben, wie Lehrer intervenieren und welche Kompetenzen sie brauchen. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt.

Zur Publikation


Rezensionen:

Renzension zur Publikation

 

Projektleitung:

Prof. Dr. Wilfried Schubarth (Universität Potsdam):

Tel.: (0331) 977 21 76

E-Mail: wilfried.schubarth@uni-potsdam.de

 

Prof. Dr. Ludwig Bilz (Brandenburgische Technische Universität (BTU) Cottbus – Senftenberg):

Tel.: (03573) 369 38 80 

E-Mail: ludwig.bilz@b-tu.de

 

Wissenschaftliche Mitarbeiter_innen:

Saskia Fischer, M. Sc. (Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg)

E-Mail: saskia.fischer@b-tu.de

Telefon: 03573 85 739

Foto: http://www.dfg.de/service/bildarchiv/logo_dfg/index.html