Forschung

Die Professur Erwachsenenbildung/Weiterbildung und Medienpädagogik forscht im Kontext empirischer Bildungsforschung zum Lernen über die Lebensspanne. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Lernprozesse Erwachsener lerntheoretisch beschrieben und didaktisch unterstützt und begleitet werden können.

Untersucht werden sowohl die Lernprozesse der Lernenden als auch die Lernbegleitungs- und Lernberatungsmaßnahmen der Lehrenden. Im Mittelpunkt stehen also lerntheoretische und didaktische Fragen zum besseren Verständnis  von Bildungs- und Lernprozessen - als Kern einer erziehungswissenschaftlichen empirischen Bildungsforschung. Wir arbeiten in den Bereichen allgemeine Weiterbildung, wissenschaftliche Weiterbildung, betriebliche Weiterbildung und in informellen Kontexten alltäglichen Lernens.

In den Forschungsarbeiten der Professur werden Bildungs- und Lernprozesse theoretisch als gesellschaftliches und damit soziales Handeln gefasst. Als Selbst- und Weltverständigungsversuche der Lernenden und Lehrenden, die auf die Erweiterung gesellschaftlicher Teilhabe aus sind, werden Lern- und Bildungsprozesse also in ihrer gesellschaftlichen Rahmung untersucht. Neben biographischen kommen so auch gesellschaftliche Strukturen in den Blick, die Lern- und Lehrhandeln formieren, unterstützen oder behindern können.

Einen Forschungsschwerpunkt bilden derzeit Projekte zur Untersuchung von Lernwegen und Lernstrategien. Nachdem in der Vergangenheit umfangreich zu Lernbegründungen und den Anfangsphasen von Lernprozessen geforscht wurde (zuletzt bei bildungsbenachteiligten funktionalen Analphabeten) stehen jetzt die Lernverläufe im Vordergrund. Mittels Längsschnittuntersuchungen wird die Relation zwischen Lernwegen/Lernstrategien Erwachsener einerseits und der Struktur gesellschaftlich gegebener Wissensdomänen/potentieller Lernfelder andererseits untersucht.

Lern- und Bildungsprozesse müssen in ihrem gesellschaftlichen Kontext untersucht werden, weil Lernen und Bildung wichtige gesellschaftliche Funktionen erfüllen (Qualifizierung, Komptenzentwicklung,  Partizipation, gesellschaftliche Gestaltung usw.). Ohne die Rückbindung der Bildungs- und Lernprozesse an ihre gesellschaftliche Verfasstheit würde Forschung die gesellschaftlichen Macht- und Interessensstrukturen in den Lern- und Bildungsprozessen verschleiern. Lern- und Bildungsprozesse würden dann wissenschaftlich nur als individuelle Leistungsprozesse jenseits ihrer gesellschaftlichen Rahmung in den Blick genommen werden.

Damit gerät auch die Rolle der forschenden Wissenschaft selbst in den Blick. Wissenschaft lebt in keinem Elfenbeinturm, sondern zunehmend von Drittmitteln und Forschungsaufträgen, konfrontiert mit Erwartungen nach Exzellenz und internationaler Sichtbarkeit. Empirische Bildungsforschung hat sich deshalb theoretisch und methodisch ständig ihrer eigenen gesellschaftlich-empirischen Rahmenbedingungen für ihre Forschung zu vergewissern und diese selbst- und gesellschaftskritisch zu hinterfragen.