Schluss mit Münzenzählen

Von Christiane Schulzki-HaddoutiAm 26.01.07 erschienen in "manager magazin"


Schon lange wird darüber spekuliert, dass das Bezahlen per Handy bald Realität werden soll. Der Durchbruch blieb bisher zwar aus, doch der hohe Verbreitungsgrad von Mobiltelefonen verleiht dem sogenannten Mobile Payment, kurz M-Payment, neue Perspektiven.

Bonn - Die Nachfrage nach M-Payment ist einer vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Studie zufolge groß: Knapp die Hälfte der Deutschen würden das Handy gern für Zahlungsvorgänge nutzen.

Wissenschaftler der Universität Augsburg haben herausgefunden, dass vor allem der Fahrscheinkauf im öffentlichen Nahverkehr und bei der Bahn, beim Parken und für andere Zahlvorgänge an Automaten für M-Payment Erfolg versprechend sind. "Das Angebot, Dinge mobil zu zahlen, wird viel größer werden", sagt der Wirtschaftsinformatiker Key Pousttchi. Er leitet die Arbeitsgruppe "Mobile Commerce" an der Universität Augsburg.

Das Münchener Unternehmen Cashbeam etwa will M-Payment per Handy zum ganz normalen Zahlungsmittel machen. "Das Handy ist bereit, wenn man einem Kollegen Geld leihen, die Essensrechnung teilen oder den Kindern Taschengeld geben möchte", sagt Geschäftsführer Christian Hogl. Das Mobiltelefon könne auch im Internet als Zahlungsmittel zum Einsatz kommen, wo derzeit unter anderem noch mit Kreditkarte bezahlt werde.

Die norwegische Firma Contopronto AS expandiert bereits seit dem vergangenen Frühjahr mit ihrer mobilen Zahlungslösung Luupay auf dem deutschen Markt. "Wir sind ein E-Geld-Institut mit einer Banklizenz für virtuelles Geld", beschreibt der Geschäftsführer der deutschen Niederlassung, Reinhold Sigler, die Funktionsweise des Dienstes. "Viele Deutsche haben Angst, im Internet ihre Kreditkarten- oder Bankdaten anzugeben", sagt er. Luupay verwahre die sensiblen Daten. Die Verkäufer erhielten nur die Handynummer.

Der Dienst ist bereits im vergangenen Jahr in Deutschland gestartet. Die Kontoführung ist kostenfrei, die eigene Handynummer fungiert beim Bezahlen wie die Kontonummer. Monatlich können auf diese Weise bis zu 600 Euro über das Handy bezahlt werden. Bereits Jugendliche ab 14 Jahren dürfen ein Guthaben führen. Verbraucher füllen ihr Konto entweder per Vorkasse auf oder zahlen per Lastschrift, Visa oder Mastercard an den Dienst.

Durchbruch dank Tabakindustrie?

Die Option, per Vorkasse zu zahlen, ermöglicht auch Verbrauchern mit schlechter Bonität den Onlineeinkauf. "Das ist für viele Händler ein interessantes Thema", sagt Sigler. Seit Dezember 2006 verwendet das Telekommunikationsunternehmen Debitel den M-Payment-Dienst zum Aufladen von Prepaid-Handykarten. Seit Januar 2007 kooperiert der norwegische Bezahlanbieter mit Sony BMG Music. Weitere Verträge seien bereits unterschrieben, sagt Sigler. Noch in diesem Jahr will Luupay in einigen Städten das Bezahlen von Parkscheinen und Tickets im öffentlichen Personennahverkehr per Handy ermöglichen.

Bereits seit Herbst vergangenen Jahren können Autofahrer in Köln ihre Parkscheine an fünf Automaten über das handygestützte Bezahlsystem Crandy bezahlen. In den neuen Bundesländern ist damit das Bezahlen an rund 20 Kaffee- und Getränkeautomaten möglich. Bis zu 150 Euro lassen sich per Telefon mit dem Bezahlverfahren Crandy übertragen, das in acht europäischen Ländern und in den USA vertreten ist. Auch hier ist die Rufnummer gleichzeitig Kontonummer.

Crandy funktioniert auch mit Festnetztelefonen. Neben dem elektronischen Geld verwaltet der Dienst auch Gutscheine, Rabatte sowie Payback als elektronische Guthaben. In Deutschland nutzen bereits mehr als 360.000 Verbraucher Crandy. "Nur wenige Kunden nutzen Crandy aber regelmäßig", sagt Hermann-Josef Steger, Geschäftsführer der NCS Mobile Payment Bank. Das Bezahlen per Handy habe bei den meisten Crandy-Kunden noch eine untergeordnete Bedeutung. Dominierend sei noch Aufladen von Prepaidkarten.

Einen Durchbruch der Automatenbezahlung per Handy könnte die Tabakindustrie ermöglichen. Automatenbetreiber müssen sicher stellen, dass Jugendliche unter 16 Jahren keine Zigaretten kaufen können. Eine entsprechende Lösung will das Hamburger Unternehmen Msells anbieten: Nach einer einmaligen und kostenlosen Registrierung soll der Käufer mit seinem Handy die Zigaretten ziehen können.