Forscher forcieren Bezahlen per Handy

Von Chris LöwerAm 28.04.05 erschienen in "Handelsblatt"


Endlich eine Parklücke gefunden, aber dann das: Kein Kleingeld für den Parkautomaten. Ein Problem, das viele Wiener nicht kennen: Sie zahlen einfach mit dem Handy. Auch in Berlin und anderen Städten wird das so genannte „Mobile Payment“ getestet.

HB BERLIN. Was bequem klingt, ist allerdings mit Arbeit verbunden. Bevor man mobil zahlen kann, muss das Auto mit Kennzeichen samt persönlicher Daten via Internet angemeldet werden. Dazu wird eine SMS mit Angabe der Parkdauer an den Betreiber geschickt – sich also an- und abgemeldet. Die Zentrale sendet umgehend eine Bestätigungs-SMS. Der zu zahlende Betrag wird vom Konto des Autofahrers abgebucht.

Teilweise wird die Forderung aber auch mit der Handyrechnung erhoben – so wie man es vom Kauf von Klingeltönen her kennt. Oder man kann per SMS sein Parkstundenkonto aufladen – gewissermaßen Prepaid-Parking. Auch Politessen müssen eifrig tippen, um Parksünder aufzuspüren: Sie senden per Handcomputer das Kennzeichen an die Zentrale und müssen auf eine Bestätigung warten.

Ganz einfach ist das Procedere also nicht. Außerdem gibt es in Deutschland noch eine juristische Hürde: Die Straßenverkehrsordnung verlangt, dass Parkgebühren an Automaten entrichtet werden. Allerdings arbeitet das Bundesministerium für Verkehr an einer Ausnahmeregelung. Vorteil für die Kommune: Papier-, Drucker- und Wartungskosten für die Automaten entfallen.

Bislang kommt das Bezahlen mit dem Handy aber nicht in Schwung. Zwar wird diese Form des M-Commerce in Taxis, Restaurants, im Ticketverkauf, bei Katalogbestellungen und beim Pizza-Bringdienst erprobt, aber der Durchbruch bleibt aus. Das liegt meist daran, dass der Aufwand enorm und die Kosten unverhältnismäßig sind.

Einer der Pioniere dieser Technik, die PayboxNet AG, hat in Deutschland beizeiten die Segel gestrichen, ist nun aber in Österreich und anderen Auslandsmärkten aktiv. „Unsere Technik ist etwa in arabischen Ländern gefragt, wo es an einer Zahlungsinfrastruktur, also Kreditkarten und Bankeinzug, fehlt, es aber eine gute Abdeckung mit Handys gibt“, sagt Konrad Kastenmeier, bei der Paybox Solutions AG – so der neue Name der Firma – für das Business Development zuständig. Seiner Meinung nach muss das Bezahlen mit dem Handy einfacher und überall nutzbar werden. Um beim Beispiel Parken zu bleiben: „Sinn macht das nur, wenn die Zahlweise in jeder Stadt möglich ist“, fordert Kastenmeier.

Das sieht auch Key Pousttchi, Leiter der Arbeitsgruppe „Mobile Commerce“ an der Universität Augsburg, so. „Der Kunde muss immer, wo er mit dem Handy bezahlen will, auch damit bezahlen können – und zwar durch ein einheitliches und verbreitetes Verfahren." Um dies zu erreichen müssten alle Marktteilnehmer kooperieren.

Wie das aussehen kann, zeigt das an der Universität Augsburg entwickelte Mobile-Payment-Referenzmodell. Im Kern geht es dabei um die Zusammenarbeit von Mobilfunkanbietern und Banken, damit der Nutzer kleine und große Zahlungsvorgänge problemlos abwickeln kann. Wesentlich sei, dass die Beträge nicht per Handyrechnung abgebucht werden, sondern per Bankeinzug, sagt Pousttchi. Laut einer Umfrage könnten sich viele Kunden durchaus vorstellen, auch höhere Beträge – etwa ein Flugticket für 800 Euro – per Handy zu bezahlen, sagt der Wirtschaftsinformatiker. Wenig Anklang fänden jedoch Prepaid-Lösungen, bei denen der Nutzer sein Handy-Konto immer wieder auffüllen muss. „Akzeptiert ist das Verfahren nur, wenn das Mobiltelefon wie eine EC-Karte genutzt werden kann“, sagt Pousttchi. Daher würden die Augsburger, die Geldkarte gerne im Mobiltelefon integrieren.

Die Forscher bringen ihre Vorstellungen unter anderem ein in das M-Commerce-Konsortium „Pay-Circle“, zu dem auch Hewlett-Packard, CSG Systems (Lucent), Oracle, Siemens und Sun Microsystems zählen. Hier wurde der offene Standard „Payment Web Service Specification" entwickelt, der die Basis für das Bezahlen per Handy liefert. Technisch stehe, dem Durchbruch des Bezahlhandys also nichts mehr im Wege.

Mobile Payment

Die Idee: Das Handy könnte die Geldkarte ersetzen. An Automaten, an denen mit Münzgeld bezahlt werden muss, könnte der Bezahlvorgang auch über das Handy abgewickelt werden.

Erste Anwendungen: Immer mehr Städte und öffentliche Verkehrsbetriebe testen das Bezahlen mit Mobiltelefon. Kunden können per SMS Bustickets und Parkscheine kaufen. Das Geld wird vom Konto des Handybesitzers abgebucht.

Wachsende Akzeptanz: Laut Studien würde jeder zweite Handybesitzer sein Mobiltelefon nicht nur zum Bezahlen kleinerer Beträge nutzen. Dabei favorisieren die Befragten das Abbuchen vom Konto. Eine Prepaid-Lösung wie bei der Geldkarte wird nicht gewünscht.