MobilMedia-Barometer: Mobile Payment zunehmend akzeptiert

Im Oktober 2004 erschienen in "e-commerce-magazin"


Immer mehr Nutzer wollen das Handy als Alternative zu Geldbörse, Kreditkarte und Co. nutzen: Das aktuelle MobilMedia-Barometer, eine Umfrage der Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit MobilMedia, zeigt, dass viele Anwender mit ihrem mobilen Telefon für ein breites Serviceangebot bezahlen würden. Beliebt sind dabei vor allem mobile Angebote wie Parktickets, die auf dem Handydisplay erscheinen. Doch bei der Abrechnung von M-PaymentServices herrscht Unsicherheit; am ehesten vertrauen die potenziellen Kunden ihrer Bank oder Sparkasse.

Das MobilMedia-Barometer zeigt einen klaren Trend: Unterwegs mit dem Handy bezahlen zu können, ist für große Teile der Bevölkerung ein beliebter Service. So kann sich über ein Viertel der Befragten vorstellen, Parkgebühren direkt per Mobiltelefon zu bezahlen. Auch für Einkäufe und Dienstleistungen bietet sich M-Payment an: Für Taxikosten, Nachnahmegebühren oder Einkäufe im Kaufhaus würden über 20 Prozent der Handybesitzer ihr Mobiltelefon anderen Zahlungswegen vorziehen. Ähnlich beliebt sind Zahlungen am Automaten, an denen ebenfalls gut 20 Prozent der Befragten Fahrkarten oder Zigaretten per Handy ziehen würden. "Die Antworten belegen, wie aufgeschlossen immer mehr Kunden mobilen Bezahlverfahren gegenüberstehen", sagt Dr. Bettina Horster, Projektleiterin von MobilMedia und Vorstand der Vivai Software AG. "Je schneller Anbieter M-Payment-Angebote auf den Markt bringen, desto eher gelingt auch dem M-Commerce der Durchbruch."

Die Nutzer sehen ihr Handy nicht nur unterwegs als Ersatz für Geldbörse oder Kreditkarte, immerhin ein Fünftel der Befragten würde auch gern Einkäufe am heimischen PC wie Konzertkarten oder Flugbuchungen per M-Payment zahlen. Dabei ist die Handy-Zahlung bei Männern beliebter als bei Frauen. Während knapp 20 Prozent der weiblichen Befragten ihr Parkticket per Handy zahlen würden, ist der Service mit über 30 Prozent positiver Nennungen für Männern deutlich attraktiver. Sie sind eher bereit, etwa Internet-Käufe per Handy zu zahlen oder auch Geld an Freunde und Bekannte für ein Gemeinschaftsgeschenk oder eine Tippgemeinschaft zu überweisen.

Als Betreiber von M-Payment-Angeboten vertrauen Handynutzer vor allem klassischen Finanzdienstleistern: Über 30 Prozent bezeichnen Banken und Sparkassen als vertrauenswürdige Anbieter von Handy-Bezahlverfahren. Erst mit weitem Abstand folgen Mobilfunkanbieter, mit knapp vier Prozent. Noch geringer ist das Vertrauen in Kreditkartengesellschaften (3,2 Prozent) oder spezielle M-Payment-Anbieter (1,8 Prozent).

Das Gros der Befragten ist jedoch noch skeptischer: Über die Hälfte der Befragten schenkt keinem Anbieter sein Vertrauen oder zeigt sich unentschieden. "Hier müssen Mobilfunkanbieter und Finanzdienstleister reagieren", sagt Bettina Horster. "Die Nutzer setzen auch beim Bezahlen per Handy auf bekannte Anbieter und etablierte Marken. Serviceanbieter sollten daher Partner für Bezahlverfahren gezielt auswählen." Auch die Forschung kommt zu ähnlichen Erkenntnissen.

"Viele spannende mobile Dienste werden erst auf den Markt kommen, wenn innovative Drittanbieter sich auf eine einheitliche Bezahlfunktionalität verlassen können. Andererseits zeigen die Untersuchungen, dass die Kunden ihr Handy in einer Vielzahl von Situationen für Bezahlvorgänge nutzen wollen", so Key Pousttchi vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Systems Engineering der Universität Augsburg. "Aber derartige Verfahren wird es in Deutschland nur geben, wenn Mobilfunkanbieter und Banken an einem Strang ziehen."

Pousttchi leitet den National Roundtable M-Payment, mit dem die Initiative MobilMedia erstmals in Deutschland alle Marktteilnehmer an einen Tisch bringt. Vertreter der vier Mobilfunker TMobile, Vodafone, E-Plus, O2 diskutieren dabei zusammen mit Bankenvertretern der Landesbank Berlin, der Postbank und des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands Wege zu gemeinsamen Standards für mobile Bezahlverfahren. Weitere Banken und Kreditkartenorganisationen haben bereits ihr Interesse bekundet.