Deutsche Banken verschlafen Innovationen

Von Heinz WranzeschitzAm 08.01.10 erschienen in "BAYERISCHE STAATSZEITUNG"


Der Softwarefehler auf vielen Millionen deutscher EC- und Kreditkarten sei Beweis genug: Die hiesigen Banken lägen gegenüber EU-Nachbarländern weit hinten. Im Ausland sei bereits das Bezahlen mit dem Mobiltelefon gang und gäbe, erklären Wirtschaftsfachleute der Forschungsgruppe „WI-Mobile“ der Universität Augsburg.

„Selbst die stille Weiterentwicklung bestehender Zahlungsarten wie der EC-Karte wird von deutschen Banken und Sparkassen nicht beherrscht. Und wirkliche Innovationen wie Mobile Payment haben sie verschlafen, im Gegensatz zu Frankreich oder Italien.“ WI-Mobile-Leiter Key Pousttchi will der Kreditwirtschaft auf einer Konferenz Anfang Februar in Berlin „den internationalen Stand beim Bezahlen mit dem Handy zeigen“.

Dass 49,6 Prozent der Deutschen telefonisch zahlen wollen, belegt eine repräsentative Studie des Bundeswirtschaftsministeriums. Und die italienische Postbank beweist mit ihrem „PosteMobile“, dass es funktioniert. Integriertes M-Banking als auch M-Payment habe beeindruckende Nutzungszahlen, so Pousttchi; Details dürfe er nicht nennen. „Deutsche Banken haben noch nicht auf dem Schirm, dass es schon jemand gibt, der das in dieser Konsequenz macht“, ist der Uni-Fachmann sicher.

Selbst die Ergänzung der EC-Karten um die Elektronikchips lief für ihn dilettantisch. „Ein Systemtest ist in solchen Fällen von entscheidender Bedeutung! Hätte man mit einem 2010er Datum getestet, ist es unwahrscheinlich, dass man nichts gefunden hätte“, behauptet Pousttchi.

Um die Lösung der Kartenprobleme bemüht sich der „Zentrale Kreditausschuss“ der deutschen Banken. Laut dessen Sprecher Stefan Marotzke wurden „die Karten mit dem Chip selbstverständlich getestet. Aber wir können derzeit noch nicht konkret sagen, wie es zu dieser Panne kommen konnte.“ Zum italienischen „PosteMobile“-Bezahlsystem „muss ich mich erst bei der Fachabteilung schlau machen“, gibt er zu.