Wenn eine kurze SMS die Rechnung begleicht

Am 30.01.08 erschienen in "Augsburger Allgemeine"


Augsburg In wenigen Jahren könnten Verbraucher ihr Mobiltelefon ebenso selbstverständlich zum Bezahlen einsetzen wie heute Bargeld oder EC-Karte. Der Durchbruch ist nach Expertenansicht nur noch eine Frage der Zeit - und er wird maßgeblich in Augsburg vorbereitet.

An der dortigen Universität befasst sich eine Arbeitsgruppe am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Systems Engineering schon seit 2001 mit mobilen Bezahlsystemen. Zum achtem Mal in Folge richtete das Team um Key Pousttchi jetzt eine internationale Konferenz aus, auf der Wissenschaftler - die jungen Augsburger Forscher gelten hier als führend - und Schlüsselunternehmen aus der Industrie die Zukunft des Handys als elektronische Geldbörse darstellten.

Pousttchi hat keine Zweifel, dass sich die in Augsburg mitentwickelten Systeme auch beim Verbraucher durchsetzen: "Die wollen das einfach". Nach aktuellen Studien würde jeder zweite Deutsche das Mobiltelefon zum Bezahlen nutzen. Das Problem: Die großen Telefongesellschaften hielten sich bislang mit Angeboten zurück. Das änderte sich im Umfeld der Augsburger Konferenz. Mit den Mobilfunkern Vodafone und O2 sowie der T-Com stellten gleich drei Multis ihre M-Bezahlungs-Konzepte vor. Diese Tatsache könnte, meinen Beobachter, die Initialzündung für Deutschland gewesen sein. Denn dass Bezahlen per Handy durchaus Charme hat, steht außer Frage: Die Mobiltelefone sind weiter verbreitet als jede Kreditkarte, haben einen hohen Lifestyle-Faktor "und sind der Lebensmittelpunkt für viele Menschen", sagt Forscher Pousttchi.

Die Einsatzmöglichkeiten sind fast grenzenlos. Beispielsweise können Parkgebühren einfach und fast minutengenau per Handy beglichen werden. Günzburg hat dieses Verfahren als erste Stadt in Bayern bereits eingeführt; in Augsburg soll an diesem Freitag ebenfalls Handyparken gestartet werden. Auch an zahlreichen (Ticket-)Automaten, die heute noch nach Kleingeld verlangen, könnte das Mobiltelefon zum Einsatz kommen. Selbst große Kaufhaus-Ketten denken intensiv über M-Payment nach.

In der Praxis sind verschiedene interessante Varianten denkbar, wie in Augsburg zu sehen war. So kann der Nutzer zum Beispiel eine SMS an eine bestimmte Adresse mit dem zu zahlenden Betrag senden. Dieses etwa von Luupay angebotene System funktioniert sogar bei Überweisungen zwischen zwei privaten Handynutzern. Oder man tätigt einen Anruf an eine Servicenummer und erledigt alles per Sprachdialog. Vodafone und O2 beschränken sich zunächst nur auf Internet-Shopping. Hier kann der Mobilfunk-Kunde demnächst auf ausgewählten Seiten mit Handynummer und PIN zahlen. Telekom bietet ab Februar "Call & Pay Flexible" an: Der Kunde autorisiert die Zahlung per Handy; die Abrechnung läuft über die Festnetz-Rechnung.

Besonders innovativ aber noch nicht etabliert ist ein Verfahren, bei dem der Nutzer ein spezielles Handy einfach kurz gegen ein Lesegerät an der Kasse hält und den Kauf auf dem Display per PIN bestätigt - fertig.