Apple-Watch „Datenerhebung rückt näher an den Körper“

Am 26.04.15 erschienen in "Kölnische Rundschau"

Wie schätzen Sie den Erfolg der Apple-Watch ein: Top oder Flop?

Ich denke, dass sich die sogenannten Smartwatches durchsetzen werden. Die Apple-Watch wird dazu führen, dass auch die konkurrierenden Hersteller ihre Produkte schnell verbessern.

Welche Konsequenzen hat die Apple Watch für ihre Nutzer?

Beim Surfen im Internet hinterlassen wir eine Datenspur, mit dem Smartphone einen Datenteppich und mit der Smartwatch rückt die Datenerhebung nun näher an den Körper heran. Der wichtigste Aspekt sind dabei die Gesundheitsdaten, die wir an Apple weiterleiten.

Was ist denn dagegen einzuwenden?

Die Datenerhebung kann uns helfen, wenn sie zum Beispiel rechtzeitig auf eine Herzinfarkt-Gefährdung hinweist. Aber wer will schon, dass zum Beispiel seine Krankenversicherung oder sein Arbeitgeber mehr über seine Gesundheit weiß als ihm lieb ist? Dazu kommt die Bündelung der Daten: Was früher an Anbieter von Fitness-Apps geschickt wurde, geht heute wie die Informationen über Freunde, besuchte Seiten im Internet oder Bezahlvorgänge direkt an Apple. Der Konzern wird bald mehr Geld mit der Auswertung der Daten verdienen als mit dem Verkauf seiner Geräte.

Was sind die Konsequenzen?

Der Smartphone-Nutzer ist im Moment komplett entmündigt. Die meisten Anwendungen erfordern eine generelle Zustimmung zum Datenzugriff. Damit werden Konzerne wie Apple, Google und Facebook das Kaufverhalten der Konsumenten alleine auswerten und damit auch steuern. Die Apple-Uhr könnte im Extremfall beispielsweise über den Puls ihres Trägers beim Betrachten einer Internetseite mit einem Produkt klare Schlüsse über seine Kaufinteressen liefern. Diese Entwicklung st eine dramatische Bedrohung für viele Branchen in Europa und den Kontakt der Hersteller zu den Verbrauchern.

Kann der Einfluss von Google und Co. überhaupt noch eingedämmt werden?

Die Datenökonomie wird die Zukunft sein, aber wir müssen Regeln setzen, mit denen wir den Kunden ihre Datenhoheit wieder zurückgeben. Die Verbraucherschützer in Deutschland haben die Angriffe auf die Privatsphäre der Konsumenten verschlafen. Auch ökonomisch haben wir ein Problem: Europa wurde von den USA komplett abgehängt und muss jetzt aufholen.

Welche Technologie kommt nach der Smartwatch?

Es ist zwar nicht wünschenswert, aber realistisch, dass sich Menschen auch direkt Chips unter die Haut implantieren lassen. Ein Club in Barcelona hat dieses System schon sehr erfolgreich als Zugangskontrolle und Zahlungsmittel für seine Stammkunden eingesetzt.

Die Apple-Uhr registriert, wer unsere Freunde sind, aber auch unseren Puls. Delphine Sachsenröder sprach über die Konsequenzen mit Key Pousttchi von der Uni Potsdam.