Ann Brügmann

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Ehrenamtskoordinatorin

bei Strassenfeger e. V.

 

Was macht der Strassenfeger e.V.?

Der strassenfeger e. V. setzt sich seit 1994 für obdachlose und arme Menschen ein. Wir betreiben mehrere Projekte in Berlin:

An unserem Standort Berlin Pankow betreiben wir eine ganzjährige Notübernachtung für obdachlose Menschen. Die Notübernachtung steht allen Menschen unabhängig von Religion, Herkunft oder Sexualität offen. Außerdem betreiben wir an diesem Standort das Projekt „Gesunde Übrigküche“. Hier kochen wir aus Lebensmittelspenden die sonst in der Tonne landen würden, nahrhafte Speisen für die Gäste unserer Notübernachtung.

In Berlin Prenzlauer Berg betreiben wir ein Wohnhaus. In diesem wohnen 18 Mietparteien zu sehr günstigen Mieten in einem gentrifiziertem Kiez. Im Parterre des Hauses befindet sich unser strassenfeger – Laden. Dort lassen wir regelmäßig Veranstaltungen stattfinden, in denen wir immer wieder das Thema Obdachlosigkeit und Armut aufgreifen, um die Nachbarn aufzuklären und zu sensibilisieren. Außerdem ist dort die Redaktion und Verkaufspunkt für unser Straßenmagazin strassenfeger MAG. Donnerstags und sonntags findet zusätzlich dort ein Sozialbrunch statt, bei dem wir kostenlos Essen und Hygienemittel ausgeben.

 

Was machen Ehrenamtliche beim Strassenfeger e.V.?

Wir legen viel Wert auf Eigenverantwortlichkeit der Ehrenamtlichen in unserem Verein. Es gibt natürlich Vorgaben und Richtlinien, die eingehalten werden müssen. Aber generell sollen und dürfen unsere Ehrenamtlichen eigenverantwortlich handeln und ihre Arbeit gestalten.

Wir bieten Engagementmöglichkeiten in all unseren Projekten an, so dass es verschiedene Aufgabenbereiche gibt: In der Notübernachtung beispielsweise regelt man den Einlass der Gäste, beantwortet Fragen, hat ein offenes Ohr und gibt Kleidung und Hygieneartikel aus. Man muss jedoch auch die ein oder andere unangenehme Entscheidung treffen und eventuell auch ein Hausverbot aussprechen oder die Polizei zur Hilfe rufen – damit muss man klarkommen. In der Küche nimmt ein Großteil der Arbeit das Sortieren der gespendeten Lebensmittel und das Zubereiten der Speisen ein. In unserem strassenfeger Laden sollte man Organisationstalent mitbringen, da es Ehrenamtlichen freisteht, eigene Veranstaltungen zu organisieren und durchzuführen oder bestehende und geplante Veranstaltungen zu betreuen.

 

Was sollten Interessierte an einer ehrenamtlichen Mitarbeit bei Ihnen mitbringen?

Interessierte sollten Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Selbstbewusstsein mitbringen – gerade in der Notübernachtung muss man sich oft durchsetzen. Aber natürlich darf auch das Interesse, Menschen zu helfen, nicht fehlen. Hilfe zur Selbsthilfe steht für uns im Mittelpunkt unserer Arbeit.

 

Wer engagiert sich bei Ihnen?

Unser Ehrenamtsteam ist multikulturell und kommt aus vielen fachlichen Bereichen. Wir haben sowohl Studierende als auch Renter*innen. Generell legen wir Wert auf ein Interesse an einem langfristigen Engagement, denn die Einarbeitung dauert einige Zeit – viele unserer Ehrenamtlichen sind schon mehrere Jahre dabei. Ob man fachliches Knowhow hat oder nicht spielt bei uns keine Rolle. Jede*r ist willkommen.

 

Was unterscheidet aus Ihrer Perspektive eine ehrenamtliche Tätigkeit von einem Arbeitsverhältnis mit Arbeitsvertrag und Gehalt?

Als ehrenamtliche*r Mitarbeiter*in geht man die Arbeit vielleicht etwas leichter an als in einer Festanstellung. Ich, als Angestellte, versuche immer alles im Blick zu behalten: wie geht es den Ehrenamtlichen, brauchen sie Hilfe, könnte man vielleicht noch den ein oder anderen Arbeitsablauf verbessern. Ehrenamtliche haben die Freiheit zur Arbeit zu kommen und nach der Arbeit wieder abschalten zu können, die Hauptverantwortung lastet im besten Fall nicht auf ihnen. Außerdem sind Ehrenamtliche freier in der Entscheidung, welches Engagement individuell passt und können einfach wechseln. Angestellte hingegen müssen Kündigungsfristen einhalten.

 

Was sind Ihre Aufgaben als Ehrenamtskoordinatorin?

Meine Aufgaben beim strassenfeger e. V. sind sehr vielfältig: Ich habe oftmals den ersten Kontakt mit den Ehrenamtlichen. Die meisten melden sich bei uns mit einer sehr knappen Beschreibung und vagen Vorstellung davon, was sie bei uns machen möchten. Meine Aufgabe ist es dann einzuschätzen, in welches Projekt die Ehrenamtlichen am besten passen und was ihnen am meisten Spaß machen könnte. Ich organisiere aber auch Teamevents um den Zusammenhalt zu stärken und betreue die Ehrenamtlichen, wenn sie eine Situation belastet, generelle Fragen oder Feedback zu den Abläufen haben. Ich erstelle Verträge für die Ehrenamtlichen, stelle Zeugnisse aus und betreue unsere Ehrenamtsgesuche im Netz. Gleichzeitig nehme ich auch an Runden Tischen und Konferenzen sowie Fachgremien teil. Ein Ziel solcher Treffen ist es beispielsweise, die Anerkennung der Freiwilligenkultur in der Wohnungslosenhilfe zu stärken und auszubauen.  

Vor Corona habe ich außerdem regelmäßig Schulungen in Schulen oder Einrichtungen für Erwachsenenbildung organisiert. Dort habe ich über Obdachlosigkeit in Berlin und die Arbeit des strassenfeger e. V. aufgeklärt und sensibilisiert.

 

Was begeistert Sie an der Arbeit mit Ehrenamtlichen?

An meiner Arbeit begeistert mich das hingebungsvolle Engagement der Freiwilligen. Viele unserer Ehrenamtlichen sind berufstätig und kommen nach der Arbeit zu uns, um weiter zu arbeiten. Andere springen mitten in der Nacht für eine Schicht ein, weil ein*e Kollege*in ausgefallen ist. Davor ziehe ich meinen Hut. Andere Ehrenamtliche haben vielleicht aufgrund einiger Schicksalsschläge keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt, wollen aber unbedingt etwas tun. Ich freue mich, ihnen ein Platz bei uns zu geben und ihnen das Gefühl geben zu können, gebraucht zu werden.