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Foto: M. Burkart
Welwitschie - Welwitschia mirabilis

Welwitschie - Welwitschia mirabilis

Pflanze des Monats August 2008

Wundersame Wüstenpflanze

 

Welwitschia mirabilis ist der wissenschaftliche Name, und er ist Programm. Denn die Welwitschie aus der südwestafrikanischen Namib-Wüste ist tatsächlich ein überaus wundersames Gewächs. Sie kann wahrscheinlich weit über tausend Jahre alt werden. Selbst die ältesten Exemplare sind aber kaum mannshoch. Dagegen haben sie ein ausgedehntes Wurzelwerk, sowohl weit streichende Feinwurzeln nahe der Oberfläche für die wenigen Niederschläge als auch eine Pfahlwurzel, welche Wasser weit unten im Boden erschließt.

Einzigartig im Pflanzenreich sind die Welwitschienblätter. Eine Pflanze besitzt ihr ganzes Leben lang nur ein einziges, bandförmiges Blattpaar, das an seinem Grunde weiter und weiter wächst und von der Spitze her im selben Tempo abstirbt. Die auf den Blättern als Querstreifen sichtbaren „Jahresringe“ haben einen Abstand von 4-40 cm. Keine andere Pflanze hat Blätter, die Jahrhunderte alt werden können und dabei immer weiter wachsen.

Man hat lange vermutet, dass die Blätter Wasser aus Tau oder Nebel aufnehmen. Messungen haben aber ergeben, dass dies höchstens in sehr geringem Umfang geschieht, viel zu gering für den Wasserbedarf dieses Gewächses. Auch der Blattbau widerspricht dieser Idee, denn die Blattoberfläche und auch die Spaltöffnungen sind stark mit Wasser abweisendem Wachs beschichtet.

Bemerkenswert ist auch die Fortpflanzung. Männliche und weibliche Blüten stehen in zapfenförmigen Blütenständen, und zwar stets auf verschiedenen Pflanzen. Hinter den Zapfenschuppen weiblicher Blütenstände ragen kleine Röhrchen hervor, welche direkt zu den Samenanlagen führen. Durch sie hindurch erfolgt die Befruchtung, wenn Pollen von männlichen Pflanzen auf den Befruchtungstropfen gelangt, der an der Spitze jedes Röhrchens erscheint. Der Tropfen wirkt dabei als Pollenfänger. Zugleich dient er auch als Nektar und belohnt die bestäubenden Insekten. Wissenschaftler diskutieren noch, ob Wespen oder Wanzen die wesentlichen Akteure sind.

Ein Botanischer Garten muss Wanzen wie Wespen manchmal durch Gärtner ersetzen. Im Kakteenhaus des Botanischen Gartens der Universität Potsdam blüht derzeit eine weibliche Welwitschie. Mit einer Pollenspende aus dem Berliner Botanischen Garten wurde sie jetzt von Hand bestäubt. Samenernte ist aber erst im Frühjahr. So lange dauert die Reifung.

Foto: M. Burkart
Welwitschie - Welwitschia mirabilis