uni-potsdam.de

Sie verwenden einen veralteten Browser mit Sicherheitsschwachstellen und können die Funktionen dieser Webseite nicht nutzen.

Hier erfahren Sie, wie einfach Sie Ihren Browser aktualisieren können.

Foto: M. Burkart

Büffelhorn-Agave - Agave bovicornuta

Pflanze des Monats März 2011

Gelber Kandelaber

Den Doktortitel erwarb Howard Scott Gentry, ein schüchterner Student aus bescheidenen Verhältnissen, erst mit 44 Jahren. Nach Abschluss seines Bachelorstudiums 1931 sammelte er zunächst sieben Jahre lang in Nordwest-Mexiko Pflanzen und Tiere, da er für seine wissenschaftliche Laufbahn keine Unterstützung fand. Das Rio-Mayo-Gebiet in Mexiko, Teil der großen Sonora-Wüste, war damals noch fast unerforscht, so dass Gentry mit dem Verkauf seiner Präparate an wissenschaftliche Einrichtungen Geld verdienen konnte. Obwohl es enorme Mühe machte, präparierte er auch Agaven. Diese im Rio-Mayo-Gebiet in großer Artenvielfalt vorkommenden Pflanzen interessierten Gentry unter anderem wegen ihrer vielfältigen Nutzung durch die lokale Bevölkerung. Agaven dienten als Nahrung und zur Herstellung von Getränken (Pulque, Mezcal), als Heilpflanze und Faserlieferant.

Knapp 200 Agavenarten sind in den Trockengebieten Amerikas heimisch. Die Pflanzen blühen jeweils nur einmal in ihrem Leben sterben und nach der Samenreife ab. Bis zur Blüte können mehrere Jahrzehnte vergehen, deshalb werden sie auch "Jahrhundertpflanzen" genannt. Die Büffelhorn-Agave (Agave bovicornuta) bildet im Unterschied zu vielen anderen Arten keine vegetativen Tochterrosetten, so dass sie zum Überleben auf die Samen angewiesen ist. Sie ist eine von 90 Pflanzenarten, die Gentry in den sieben Jahren in Mexiko neu entdeckte. Sein 1942 erschienenes Buch "Rio Mayo Plants" ist dank der sorgfältigen Beobachtungen und gründlichen Arbeitsweise Gentrys bis heute ein Meilenstein der Wüstenbotanik.

"Es ist der Lernvorgang selbst, der einen Menschen mit tiefer Befriedigung erfüllt", so Gentry, der 1947 mit einer botanischen Arbeit über Mexiko promoviert wurde. Bis zu seiner Pensionierung 1971 arbeitete er als Sammler bereits kultivierter und möglicher künftiger Nutzpflanzen für die US-amerikanische Agrarbehörde und bereiste dafür die Trockengebiete fast aller Kontinente. Wenn er nach Mittelamerika kam, sammelte er immer auch Agaven. Im Ruhestand bezog er 1972 schließlich ein Büro im Desert Botanical Garden in Phoenix, Arizona, wo 1982 sein monumentales Werk über die Agaven Kontinental-Amerikas erschien. Er zitiert darin alle früheren Agaven-Forscher und lässt sie dann mit seinen enormen Kenntnissen weit hinter sich. 1993 starb er mit fast 90 Jahren.

Die hier blühende Büffelhorn-Agave stammt von wild gesammelten Samen, die Mitte der 1980er Jahre nach Potsdam importiert wurden. Wegen der Selbststerilität benötigt man ein zweites Exemplar für die Bestäubung. Potsdam kooperiert zu diesem Zweck mit dem Botanischen Garten Berlin, wo ebenfalls gerade ein Exemplar zur Blüte gelangt. In der Natur wird der Pollen wahrscheinlich von Fledermäusen übertragen. Im Unterschied zu Insekten können sie die oft großen Abstände zwischen verschiedenen Vorkommen überwinden und so den Genaustausch zwischen den Populationen ermöglichen. Als Belohnung erhalten die Fledermäuse reichlich Nektar aus den gelben, becherförmigen Blüten.

Foto: M. Burkart