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Zehn Fragen für ein Buch – „Angeles que cantan de continuo – la legitimación teológica de la poesía en el virreinato del Perú“

Dr. Vicente Bernaschina Schürmann - und sein Buch „Ángeles que cantan de continuo - la legitimación teológica de la poesía en el virreinato del Perú“. Foto: privat.

Dr. Vicente Bernaschina Schürmann - und sein Buch „Ángeles que cantan de continuo - la legitimación teológica de la poesía en el virreinato del Perú“. Foto: privat.

Zehn Fragen für ein Buch, gestellt an Dr. Vicente Bernaschina Schürmann, Autor des Buches „Ángeles que cantan de continuo – die theologische Legitimierung der Poesie im Vizekönigreich Peru“, Universitätsverlag 2019.

Was steht in Ihrem Buch – in drei Sätzen?

Mit den Conquistadores kamen nicht nur Waffen, Pferde oder Krankheiten in die neue Welt, sondern auch eine schriftliche Kultur und eine schriftliche Art, Imperien zu regieren. Die Poesie erwies sich in dieser Epoche schnell als eine spezialisierte Technik der Macht, mit der die Gelehrten die volle Beherrschung des Kulturgutes und der rhetorischen wie literarischen Techniken unter Beweis stellen, die für Ausübung der Regierung und für erfolgreiches Handeln in der Wirtschaft nötig sind. Im Vizekönigreich Peru zeigt sich die Übertragung dieser Technik der Macht nicht nur früh, sondern auch unter einer besonderen theologischen Legitimierung. Mein Buch untersucht den Aufstieg und Fall dieser Legitimierung und zeigt dabei nicht nur, wie die Poesie sich im Vizekönigreich etabliert, sondern auch wie die Poesie sich als ein Dispositiv konstituiert, von dem aus die vizeköniglichen Gelehrten sich anmaßten, die Ordnungen zu regulieren, die die monarchische Macht im Vizekönigreich Peru gründen und organisieren.

Hat Ihr Buch eine Geschichte? (Wie ist es entstanden: aus einer Tagung, einem Projekt, einer Dissertation?)

Welches Buch hat keine? Welches Buch hat nur eine? Während meines Bachelor- und Magisterstudiums an der Universidad de Chile, wurde in mir das Interesse für die hispanoamerikanischen Literaturen der Kolonialzeit geweckt. Während meines Aufenthalts an der Washington University in Saint Louis las ich zum ersten Mal ein sehr wichtiges Gedicht über die peruanische und die hispanoamerikanische Literaturen. Es handelte sich um eine Verteidigung der Poesie, geschrieben von einer anonymen Frau ca. 1602. In diesem Gedicht steht – sehr seltsam für dieser Zeit–, dass die Poesie eine wahrnehmbare Form der Gnade ist und sie ihren Ursprung im Trisagion (Lobgesang der Engel für die Macht und Herrlichkeit Gottes) hat. Eine Verfasserin? 1602 in Peru? Ursprung der Poesie im Trisagion? Diese drei Punkte waren ausreichend, um der Geschichte nachgehen zu wollen. Danach bin ich in Berlin und Potsdam gelandet und dieses Gedicht und seine unbeantworteten Fragen wurden der Anfang meines Promotionsvorhaben.

Warum ist Ihr Buch wie kein anderes?

In Wahrheit möchte ich nicht, dass mein Buch einzigartig ist. Ich hoffe eher, es ähnelt den Büchern, die mich inspiriert haben: Eine ausgewogene Mischung aus philologischer Weisheit, Ideologie-Kritik, Liebe zur Literatur und Achtung vor der kritischen Fähigkeit der Leserinnen und Leser. Mein Buch zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass bisher niemand den politisch-theologischen Kern untersucht hat, der die Poesie am peruanischen Vizekönigreich vorangetrieben hat.

Sie veröffentlichen im Universitätsverlag Potsdam – und damit open access. Warum?

Weil ich glaube, dass viele der möglichen Leserinnen und Leser sehr weit von hier entfernt sind, und weil ich möchte, dass das Buch für jeden zugänglich ist, die oder der es lesen will oder muss.

Wer sollte Ihr Buch lesen – und wann?

Wer? Alle, die sich für die Geschichte der Poesie interessieren, für die Dichtung der Renaissance und der Barockzeit im Allgemeinen und für die Geschichte der Literatur und Kultur der hispanoamerikanischen Kolonien im Besonderen haben. Es gibt natürlich ein Aber, das größte Hindernis: die Leserinnen oder die Leser müssen Spanisch können, da ich unfähig war, das Buch in mehrere Sprachen zu verfassen.
Wann? Davon kann ich nur träumen: Im öffentlichen Verkehr auf dem Weg zur Vorlesung, auf der Treppe oder in den Gärten der Uni kurz vor der nächsten Seminarstunde, so wie es bei mir mit meinen wissenschaftlichen Lektüren war. Mit einem großen Unterschied: Die Leserinnen und Leser eines Open-access-Buches müssen nicht hinter dem einzigen Exemplar der Bibliothek hinterherrennen, um Alles in schlechten und voll unterstrichenen Fotokopien zu lesen.

Was lesen Sie selbst?

Seit ich nicht mehr promoviere, alles, was mir in die Hände fällt. In erster Linie Romane und Erzählungen. Ich höre auch sehr viele Hörspiele und Essays aus der ARD-Audiothek.

Was hat Spaß gemacht beim „Buchmachen“ – und was eher nicht?

Spaß: Die ganze Recherche; die Illusion, etwas Neues zu schaffen oder zu erforschen; die unerwarteten Entdeckungen auf der Suche nach etwas ganz anderem; die Kollegialität unter Promovierenden an den langen Tagen in der Bibliothek; das Glück nach einer gelungenen Seite um 3 Uhr morgens …
Eher nicht: Die entmutigende Entdeckung, dass die eigene Stimme sehr monoton sein kann; bibliografische Angaben, Stylesheets und Formatvorlagen; die Verzweiflung vor einer nicht gelungenen Seite um 3 Uhr morgens …
 

Auf einer Skala von 1 bis 10: wie gut ist Ihr Buch?

Mein Buch ist weder gut noch schlecht. Ich wollte es irgendwie böse, am Ende ist es aber sehr wohlerzogen geworden.

Und nun noch 3 Sätze zu Ihnen …

Der Autor ist unwichtig. Borges hat schon geschrieben: Es ist nur Zufall, dass du die Leserin oder der Leser dieser Übungen bist; und ich der Verfasser. Das klingt kokett, aber es ist einfach so.

„Zehn Fragen für ein Buch“ öffnet die Tür zum Potsdamer Universitätsverlag und stellt regelmäßig Neuerscheinungen vor. „Ángeles que cantan de continuo – la legitimación teológica de la poesía en el virreinato del Perú“ ist hier online verfügbar – oder hier als Buch zu bestellen. Weitere Neuerscheinungen aus dem Universitätsverlag hier.

* Den Autorinnen und Autoren steht es frei, welche der zehn gestellten Fragen sie beantworten wollen. Deshalb kann es passieren, dass letztlich nicht zehn Fragen und Antworten veröffentlicht werden.

Text: Matthias Zimmermann
Online gestellt: Matthias Zimmermann
Kontakt zur Online-Redaktion: onlineredaktionuni-potsdamde