Impulstext Textlinguistik

Texttransformationen. Teil 2: Adaptation

Die "Anpassung" von Texten ist bekanntlich für das Buch und Zeitungswesen und für den Rundfunk und das Fernsehen eine typische Beschäftigung und dort originäres Betätigungsfeld der Redakteure. Darüber hinaus hat sicherlich auch jedes vorbereitete Sprechen oder Schreiben eine "adaptive" Komponente, die sich darin äußert, daß der Sprecher/Schreiber sich auf die Situation, auf den Informationsbedarf, auf die Umsetzbarkeit seiner Ziele u.ä. einstellt, was beim unvorbereiteten Sprechen oder Schreiben weitgehend außer Kraft gesetzt sein kann.

Neben dem genannten Realisierungsfeld der Redaktion ist die Anpassung von Texten auch für den Fremdsprachenunterricht von außerordentlicher Relevanz, die sich vor allem in der Anpassung von originalsprachlichen Ausgangstexten zu didaktischen Zwecken äußert.

L. WILSKE, der sich in einem grundlegenden Beitrag "Fremdsprachenmethodische Textadaption und Adaptionsbefähigung" (1985) zu diesem Thema äußert, unterscheidet zunächst zwei grundsätzliche Fälle:

  1. " die Anpassung des mutter- oder fremdsprachlichen Sprechers/Schreibers an den tatsächlichen oder gedachten Hörer/Leser im Prozeß der Texterzeugung, also bei der geistig-innersprachlichen Formung seiner Gedanken,
  2. die Anpassung eines oder mehrerer vorliegender Texte für Hörer/Leser, für deren Voraussetzungen dieser Text (diese Texte) nicht gedacht und nicht erzeugt worden sind; diese Anpassung erfolgt in Form eines abgeleiteten Textes." (op.cit., 153f.)

Dementsprechend schlägt er für den ersten Fall die Begriffe "operativ-innersprachliche Adaption" oder Textplanungsadaption" vor, für den zweiten - den Begriff "textableitende Adaption". Den zweiten Fall unterteilt er nach dem Verhältnis von Ausgangs- und adaptiertem Zieltext noch in zwei Subkategorien, die textbearbeitende Adaption (der adaptierte Text stellt die Bearbeitung eines bestimmten Ausgangstextes dar, wobei wesentliche Eigenschaften, z.B. die Textsorte, erhalten bleiben) und die textverarbeitende Adaption (der adaptierte Text ist aus mehreren Texten/Textteilen mehrerer Texte gebildet und stellt ein neues sinnvolles Ganzes dar.).

Für die Beschreibung von Verfahren der textableitenden Adaption nutzt L. WILSKE im wesentlichen Vorarbeiten aus der Methodik des Russischunterrichts, insbesondere durch O. HERMENAU (1955) und gliedert folgende Verfahren aus:

  1. Adaption durch Weglassen
  2. Adaption durch Auswechseln bzw. Umordnen
  3. Adaption durch Erweitern bzw. Hinzufügen
  4. Adaption durch Umschreibung
  5. Adaption durch Verdichten (Komprimieren)
Hermenau, O.
Methodik des Russischunterrichts in der deutschen demokratischen Schule. Berlin: Volk und Wissen, 1955.
Wilske, L.
Fremdsprachenmethodische Textadaption und Adaptionsbefähigung. In: Sprachpraxis. Theorie und Praxis der Russischlehrerausbildung. Bd. 11. Potsdam 1985, 153 - 165.

Copyright © 2006 Universität Potsdam, Rolf-Rainer Lamprecht.
Letzte Aktualisierung: 24.04.2015 9:41 PM

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