Textlinguistik

Einführung in die Analyse nach gegenständlich-thematischen Linien

Die Segmente der Äußerungsstruktur eines Textexemplars als Repräsentation der inneren Planung durch den Textproduzenten

Die beschriebenen Segmente gliedern aus meiner Sicht die Äußerungsstruktur von Textexemplaren nicht nur in (formal-)syntaktische, sondern auch in inhaltliche Abschnitte, die auf der Folie des unterlegten kommunikationslinguistischen Konzepts (Wilske 1983, 54ff.) in Bezug auf das Textganze die Verarbeitung des Kommunikationsgegenstands, seine Thematisierung, repräsentieren. Daher werden diese Linien auch gegenständlich-thematische Linien genannt. Mit der vorgenommenen begrifflichen Prägung wird zunächst auf die Themenentfaltung als theoretische Kategorisierung hingewiesen. Von ihr kann angenommen werden, dass über sie in der Phase der Programmierung des Lösungsweges der Kommunikationsaufgabe entschieden wurde. Diese Entscheidung kann zwar methodisch, aber nicht in der Sache von der Entscheidung über die Art und Weise der Umsetzung (der "Operationalisierung") der dominanten Kommunikationsabsicht sowie von der Entscheidung über die Art und Weise der Berücksichtigung des kommunikativen Bedingungsgefüges (der "Konditionalisierung") getrennt werden. Das bedeutet dann aber auch, dass durch entsprechende Interpretationen der gegenständlich-thematischen Linien nicht nur ein Zugang zur Themenentfaltung (zur "Abwicklung" von "Gedanken" unter dem Dach von "Grund-"/"Leitgedanken"), sondern auch zur Realisierung der dominanten Kommunikationsabsicht sowie zur Art und Weise der Berücksichtigung des kommunikativen Bedingungsgefüges gefunden werden kann. Diese Zusammenhänge hat wohl auch Brinker (1988, 56) im Auge, wenn ermeint, dass die Themenentfaltung durch kommunikative und situative Faktoren gesteuert wird.

Als Definition lässt sich formulieren: Gegenständlich-thematische Linien sind Segmente der Äußerungsstruktur (der "Oberflächenstruktur") eines Textes, die als satz- und textgrammatisch gebundene Folgen die sukzessive Verarbeitung des Kommunikationsgegenstands, seine Thematisierung, repräsentieren. In ihrer Gesamtheit spiegeln sie die durch den Textproduzenten in Abhängigkeit von der Operationalisierung der dominanten Kommunikationsabsicht und der Art und Weise der Berücksichtigung des kommunikativen Bedingungsgefüges gewählte Art der Fortführung der Gedankenlinie mit ihren Verzweigungen wider.

(Sprachkommunikation als Lösung von Kommunikationsaufgaben - s. eine Darstellung der Komponenten hier.)

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Der vorliegende Text ist - bis auf redaktionelle Veränderungen - mit Passagen aus meiner o.g. Publikation identisch. R.-R.L.

Copyright © 2012 Universität Potsdam, Rolf-Rainer Lamprecht.
Letzte Aktualisierung17.09.2015 4:21 PM

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