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Skript Textlinguistik/Gesprächsanalyse

"Dialogische Texte". Aufgaben. Prinzipien der Gesprächsanalyse.

Als Ausgangspunkt sei zunächst gesetzt, daß es nach Brinker, K., Sager, S. F. (Linguistische Gesprächsanalyse: eine Einführung. 2. durchges. und erg. Aufl. Berlin: Erich Schmidt, 1995, 18) Aufgabe der linguistischen Gesprächsanalyse ist, "... die Bedingungen und Regeln systematisch zu erforschen, die die 'natürliche' Gesprächskommunikation, d.h. dialogisches sprachliches Handeln in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen (Alltag, Institutionen, Medien usw.), bestimmen" .
Diese Aufgabe schließt dann die Gewinnung allgemeiner Aussagen ein, die zwei aufeinanderbezogene Schritte beinhalten:
  • die Ermittlung gesprächskonstitutiver Einheiten, ihre Bezugnahme als Elemente der Gesprächsstruktur auf sprachtheoretische Ebenen (Äußerung, Bedeutung, Handlung, Beziehung);
  • die Rekonstruktion der interaktiven Verfahren und der zugrunde liegenden Prinzipien, der routinemäßig angewendeten Prozeduren

Geht man von diesen Voraussetzungen aus, ergeben sich verschiedene Prinzipien für die Durchführung linguistischer Gesprächsanalysen. Im einzelnen kann man u.a. folgende nennen:

  • Untersucht werden "natürliche" Gespräche in der mündlichen Form. Im Idealfall sind dies sprachlich-kommunikative Handlungen, die von den Beteiligten durchgeführt werden, ohne daß sie durch einen Beobachter "gestört" werden.
    Damit werden alle belletristisch-literarischen Texte, auch wenn sie auf einer Bühne inszeniert werden, also mündlich sind, aus dem Zentrum der Betrachtung herausgenommen. "Künstliche" Texte dieser Art gelten - wenn sie überhaupt zugelassen werden - bestenfalls als Möglichkeit, sich im Vorhinein, heuristisch, ein bestimmtes Problembewußtsein zu erarbeiten.
  • Die beteiligten Personen sollen möglichst unvorbereitet, d.h. zunächst ohne Kenntnis dessen, daß ihr Gespräch aufgezeichnet wird, agieren. Ihr Einverständnis zur Verwendung der Daten in einem klar definierten Umfang muß unbedingt nach dem Gespräch eingeholt werden.
  • Die Interpretation der im Gespräch vor sich gehenden Schritte und ihrer Bedeutung/ihres Sinnes hat konsequent von den beteiligten Personen, nicht von der Einstellung, der Meinung, der Normvorstellungen des Interpreten, des "Dritten" auszugehen.

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[Letzte Aktualisierung: 04.04.2006 2:26 PM ]