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Textlinguistik/Gesprächsanalyse

Phänomenologische Soziologie

Stichwort: Phänomenologische Soziologie

"theor. Ansatz, der sich mit der Konstitution der alltäglichen Lebenswelt, mit der Identifizierung der Grundstrukturen des Alltagslebens befaßt. Im Mittelpunktsteht die Art und Weise, in der soziale Akteure Handlungen typisieren und dabei auf vorhandenes "Wissen" zurückgreifen, um ihrem handeln Sinn zu verleihen. Der bedeutendste Vertreter des phänomen. Ansatzes in den Spzialwissenschaften ist Alfred Schütz (1899 - 1959), der von der "Verstehenden Soz." Max Webers und der phänomen. Methode Edmund Husserls (1859 - 1938) ausgehend die Grundzüge der Phänomen. Soz. entwickelt hat. Die Ausgangsposition in den Arbeiten von Schütz ist die Husserlsche Auffassung von der "Welt der natürlichen Einstellung", die Welt unseres alltäglichen Lebens, die uns vertraut ist, die wir als selbstverständlich hinnehmen und die uns allen gemeinsam, d.h. eine intersubjektive Welt ist.
(...)
Die Vertreter der Phänomen. Soz. verlangen mit Husserl, zu den "Dingen selbst" zurückzukehren; die Welt muß so erkannt werden, wie sie direkt vom Handelnden erfahren wird und nicht durch die Anwendung konstruierter Konzepte. Die Konzepte, mit denen Menschen in ihrem Alltag Probleme, Situationen, Ereignissse u.a. erfassen und deuten (Konstrukte erster Ordnung), müssen in einem weiteren Schritt in Konstrukte zweiter Ordnung, in die sozialwissenschaftliche Theorei übersetzt werden.
Die Phänomen. Soz.hat wesentlich zur Entwicklung der Ethnomethodologie beigetragen. Phänomen. Soz., Ethnomethodologie und Symbolischer Interaktionismus fallen unter das sog. interpretative Paradigma. Hiermit bezeichnet man eine grundlagentheor. Position in der Soz., die im Unterschied zum normativen Paradigma (Funktionalismus, System- und Verhaltenstheorie) davon ausgeht, daß jede Interaktion ein interpretativer Prozeß ist, in dem sich die Handelnden durch sinngebende Deutungen der Erwartungen und möglicher Verhaltensweisen der Handlungspartner aufeinander beziehen. Es gibt also keine soziale Strukturen außerhalb und abhängig von den interpretativen Prozessen in der Interaktion. Vom Symbolischen Interaktionismus unterscheidet sich die Phänomen. Soz. dadurch, daß sie stärker den Charakter geteilter Symbole als "wissen" und die biographische Komponente in der Konstitution der alltäglichen Lebenswelt betont."
(Peuckert, R. Stichwort "Soziologische Theorien. In: Schäfers, B. (Hrsg.). Grundbegriffe der Soziologie. 4. verb. u. erw. Aufl. Opladen: Leske + Budrich, 1995, 330f.)

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[Letzte Aktualisierung: 03.04.2006 7:30 PM ]