Textlinguistik/Gesprächsanalyse

Definition von "Kontext" und "Kontextualisierung"

Lewandowski, Th. Linguistisches Wörterbuch. Bd. 2. Heidelberg: Quelle & Heine, 1994, 595 und 598f.

Kontext.
1) Die Umgebung einer linguistischen Einheit, in der sie mehr oder weniger regelhaft auftritt und die auf diese Einheit determinierenden oder modifizierenden Einfluß ausübt (sprachlicher K.).
2) Die Umstände und situativen Bedingungen einer Äußerung im Sinne des Äußerungskontextes, der unter dem Aspekt von K.variablen betrachtet werden kann (kommunikativer oder pragmatischer K.); die Anwendungsbedingungen sprachlichen Wissens, der Gebrauch der Sprache.
Die Analyse des K. einer Äußerung läßt eine Reihe von Faktoren erkennen, zu denen u. a. gehören sprachliches Wissen, Wissen vom angemessenen Gebrauch der Sprache in sozialen Situationen (vgl. interaktionale Kompetenz), bestimmte Annahmen und Erwartungen aufgrund von Faktenwissen, die Fähigkeit von Partnern, Implikaturen zu erkennen, Präsuppositionen zu durchschauen und allgemeine Inferenzen zu ziehen. Nach J. Lyons ist der K.begriff ein Konstrukt auf der Basis einer intuitiven K.auffassung. Eine Möglichkeit, diese zu rekonstruieren, besteht in der Explikation des Begriffs der --->kommunikativen Kompetenz (s. auch ---> Äußerungsbedeutung, Redekonstellation, kommunikativer Akt). Vgl. --->Kontextabhängigkeit, Kontextualisierung, Situation.

Antal L., Sign, meaning, context. Lingua 2, 1952. Bühler K., Sprachtheorie. 21965. Hoogeveen J., Text und Kontext. Die Infragestellung eines problematischen Verhältnisses. In: Frier W. Labroisse G., Hrsg., Grundfragen der Textwissenschaft. 1979. Kolsanskij G. V., O prirode konteksta. VJa 4,1959. Lyons J., dt. Semantik II. 1983. Ders., Language, meaning, and context. 1983. Leisi E., Der Wortinhalt. 1971. Levinson St. C., Pragmatics. 1983. Schippan Th., Einführung in die Semasiologie, 21975. Ullmann St., dt. Grundzüge der Semantik. 1967. Bates E., Language and context. 1976.

Kontextualisierung.
1) Die sprachliche Anpassung eines Sprechers an den jeweiligen Situationskontext als Fähigkeit, situations- und intentionsangemessene Äußerungen hervorzubringen; die Anwendung bzw. der Gebrauch der linguistischen Kompetenz nach den Bedingungen der pragmatischen Angemessenheit. Zur Kompetenz eines Sprechers gehört nicht nur die Kenntnis des sprachlichen Systems und seiner Regem, sondern auch die Fähigkeit, diese anzuwenden bzw. zu kontextualisieren (vgl. --->Kompetenz, kommunikative Kompetenz, interaktionale Kompetenz).
2) Konstitutiver Bestandteil der Bedeutungserzeugung und des Verstehensprozesses: Erzeugung von Kontexten durch den Hörer/Leser.Das Verstehen sprachlicher Äußerungen wird durch pragmatische Faktoren gesteuert. Die Teilnehmer an sprachlichen Interaktionen sind in der Lage, innere und äußere K.en in der Weise durchzuführen, daß sie Kontexte konstruieren, die durch Äußerungen/Texte beschrieben oder impliziert werden (vgl. --->Kohärenz, Inferenz, Kasusrahmen, kognitive Psychologie). In besonderem Maße angewiesen auf selbsterzeugte Kontexte sind narrative Texte.

Chomsky N., dt. Regeln und Repräsentationen. 1981. Fillmore Ch. J., Pragmatik und die Beschreibung der Rede. In: Anwärter M. u. a., Hrsg., Seminar: Kommunikation, Interaktion, Identität. 21977. Lyons J., dt. Semantik H. 1983.

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Letzte Aktualisierung: 01.04.2012 9:39 AM