Stilistik

Skript - Stilfiguren

Die Stilistik beschaeftigt sich seit altersher mit sog. Stilfiguren, deren wichtigstes Kennzeichen die Ausdrucksverstaerkung, das Hervorrufen von Expressivitaet ist. Weitere Funktionen kann man in ihrer Anschaulichkeit, Wertung, Pointierung, Graduierung, Charakterisierung, Gliederung sehen. Da sich ihre Klassifizierung ueber die Jahrhunderte sehr stark verfeinert hat, ist ihre Darstellung auch aeuszerst unuebersichtlich geworden. Dies bedeutet, dass es zu Lehrzwecken sinnvoll erscheint, lediglich primaere Einteilungen zu behandeln, ohne auf moegliche Unterarten, Zwischenformen und Kombinationen differenziert einzugehen.

MICHEL (1983, 467) sieht als grundlegendes Einteilungskriterium die Aenderungen an, die bei der Variation des sprachlichen Ausdrucks bei gleichem Denotatsbezug beruhen und unterscheidet demnach entsprechende Figuren, und zwar:

  1. Aenderung durch Substitution - Figuren des Ersatzes
  2. Aenderung durch Addition - Figuren der Hinzufuegung
  3. Aenderung durch Elimination - Figuren der Auslassung
  4. Aenderung durch Kombination - Figuren der Anordnung/des Platzwechsels

Fuer die Figuren des Ersatzes wird oft uebergreifend der Begriff "Tropen" (Sg. "Tropus") verwendet. In einem Tropus wird immer ein Ausdruck durch einen anderen ersetzt, wobei dieser Ersatz "unueblich" sein muss, also vom eigentlichen Gebrauch des Wortes abweicht.

Die Tropen lassen sich grob in "Umschreibungen" und "Uebertragungen" unterteilen. Bei Umschreibungen bleibt der ersetzte innerhalb der Begriffssphaere des ersetzenden Ausdrucks, z.B. творец Макбета, автор "Героя нашего времени", певец Литвы, страна восходящего солнца.
Bei Uebertragungen befindet sich der ersetzte Ausdruck auszerhalb der Begriffssphaere des ersetzenden Ausdrucks, z.B. Между тем луна начала одеваться тучами (Лерм.).

Auf der Grundlage von MICHELs Uebersicht (ebd.) laesst sich folgende Darstellung vornehmen:

Tropus
Umschreibung
Uebertragung
Emphase
Periphrase
Metonymie
Metapher
(Umschreibung durch implizite Merkmalshervorhebung) (Umschreibung durch explizite Merkmalshervorhebung) (Uebertragung auf der Grundlage von Sachzusammenhaengen Uebertragung auf der Grundlage von Aehnlichkeitsbeziehungen
Unterarten, Zwischenformen, Kombinationen
Hyperbel, Litotes, Ironie, Euphemismus; pars pro toto, totum pro parte; Synekdoche; Personifikation, Synaesthesie; Allegorie
Bei den Figuren der Hinufuegung bestimmt das hinzugefuegte Element qualitativ die Subklasse. Auf der Grundlage der Uebersicht von MICHEL (1983, 472) ergibt sich folgende Darstellung:
Hinzufuegung
Wiederholung
Entgegensetzung
Haeufung
Beifuegung
Alliteration, Anapher, Epipher, Anadiplose, Figura etymologica Antithese, Chiasmus Asyndeton, Monsyndeton, Polysyndeton Epitheton, Pleonasmus, Tautologie
Unterarten, Zwischenformen, Kombinationen
Auslassung
syntaktische Unvollstaendigkeit (Ellipse)
syntaktisches "Joch" (Zeugma)
Satzabbruch (Aposiopese)
Anordnung/Platzwechsel
Umstellung
Nachstellung
Wiederaufnahme
Einschub
Konstruktionswechsel
Unterarten, Zwischenformen, Kombinationen

Copyright © 2004-2005 Universitaet Potsdam, Rolf-Rainer Lamprecht.
[Letzte Aktualisierung: 07.04.2011 8:32 AM ]