Alexander I. (1777- 1825)

Der älteste Sohn des Zaren  Pawel I. und der Zarin Maria Fjodorowna, den Lieblingsenkel der Zarin Jekaterina II., herrschte von 1801- 1825. Er kam  nach dem tragischen Tod seines Vaters, an dessen Ermordung er indirekten Anteil hatte, auf den Thron. Sein Herrschaft fällt in die Zeit des Zerfalls der "leibeigenen" Wirtschaft. Die erste Etappe seiner Herrschaft - nach Puschkins Worten "ein vortrefflicher Beginn" - geht neuen Herausforderungen entgegen. Alexander versuchte die Leibeigen-
schaft durch die Einführung eines Gesetzes über "freie Ackerbauern" einzuschränken, er erarbeitet einen vielversprechenden Plan zu inneren Reformen.
Zwei Kriege gegen Frankreich - einer im Bündnis mit Österreich (1805), der andere mit Preußen (1806-1807) - enden mit Niederlagen und führen zum Abschluß des Friedens von Tilsit (1807), der Rußland zwingt, den Handel mit England zu beend-
en, der aber der Entwicklung der russischen Industrie neue Impulse gab.
Besondere Popularität in den Adelskreisen erreicht Alexander in der Epoche des dem Tilsiter Frieden folgenden Bruchs mit Frankreich, des Bündnisses mit England und des Vaterländischen Krieges mit den Franzosen im Jahre 1812. Der siegreiche Einmarsch Alexanders in Paris im Jahre 1814 bracht  ihm den Nimbus des Siegers über Napoleon, des Retters der Völker von
den Franzosen. Das überschäumende Verhältnis des Adels zu Alexander in jenen Jahren - spiegelt  Puschkin in solchen Gedichten, wie "Erinnerungen in Tsarskoe Selo", "Auf die Rückkehr des Herrschers Zaren aus Paris", "Dort- unter donnern-
dem Ruhm". Jedoch nach 1814 vollzieht sich ein Bruch in der Politik Alexanders - es beginnt die Epoche der feudalen Reak-
tion; die Regierung geht auf die Seite des Adels mit Großgrundbesitz über, die Agrarkrise der 20-iger Jahre setzt die Frage der Beseitigung der Leibeigenschaft von der Tagesordnung ab. Die Klassenkräfte in der Gesellschaft grenzen sich deutlich vonein-
ander ab; 1816 nimmt die erste Geheimgesellschaft des Bundes zur Rettung ihrer Tätigkeit auf.
Puschkin steht in dieser Zeit den revolutionären Organisationen ideologisch sehr nahe, er ist praktisch ihr Dichter und nimmt eine deutlich feindliche Position gegenüber Alexander ein. Oppositionelle Stimmungen drangen bereits ins Lyzeum ein, waren aber besonders nach Abschluß des Lyzeums zu bemerken. Seine Verse "Noël", das Epigramm auf Karamsin. "An Dawyclow",
"Sendschreiben an einen Zensoren" (ersten) sind voll von politischem Protest und rufen zum Kampf gegen die Tyrannei auf.
Diese Werke führen zu den verschiedenen Verbannungen Puschkins, aber die Fortsetzung der reaktionären Politik durch Alexander führt schließlich zum Untergang der Alexandrinschen Epoche- führt zum Dekabristen-Aufstand (1825).