Beziehungen der Syntax zu anderen Ebenen und Teildisziplinen der Sprachwissenschaft

Innerhalb der syntaktischen Ebene wirken die anderen sprachlichen Ebenen (Phonetik, Morphologie, Lexik) in spezifischer Weise zusammen und sind somit an der kommunikativen Leistung der Äußerung/des Satzes beteiligt. Das bedeutet auch, dass zwischen der Syntax und den anderen Teildisziplinen der Sprachwissenschaft (Phonetik/Phonologie, Morphologie, Lexokologie) "arbeitsteilige" Erklärungs- und Beschreibungsbeziehungen bestehen.

Morphologie und Syntax

Besonders enge Beziehungen finden sich zwischen Morphologie und Syntax (beide werden ja auch traditionell unter dem Begriff "Grammatik" zusammengefaßt). Bekanntlich ist der Gegenstand der Morphologie das Wort mit seinen grammatischen Veränderungen. Ihre wichtigste Aufgab besteht somit in der Beschreibung und Erklärung der Wortform als struktuell-grammatische Größe. Dies schließt ihre Morphemstruktur ebenso ein wie ihre Zugehörigkeit zu ganzen Wortklassen (Wortarten) und ihre Fähigkeit, sich in (morphologische) Kategorien zu manifestieren. Die Morphologie stellt damit in gewisser Hinsicht das "Baumaterial" für den Satz zur Verfügung, denn wie wollte man folgende syntaktische Erscheinungen und Kategorisierungen ohne Rückgriff auf morphologische Tatbestände beschreiben und erklären?

  • die Kongruenz, z.B. zwischen adjektivischem Attribut und substantivischen Beziehungswort,
  • die Rektion eines Verbs gegenüber einem Substantiv,
  • die unterschiedlichen Möglichkeiten des sprachlichen Ausdrucks von Satzgliedern,
  • den Begriff des Satzparadigmas.

Die morphologische Wortform wird also auf der syntaktischen Ebene zur syntaktischen Wortform.

Syntax und Lexikologie

Beziehungen und Zusammenhänge zwischen Syntax und Lexikologie lassen sich aus mehreren Perspektiven herstellen. Hier seien exemplarisch folgende Fälle herausgegriffen:

  • Sätze werden aus Wörtern gefügt, lexikalische Einheiten bilden also in ihrem Zusammenspiel syntaktische Einheiten. Dies ist aber nicht uneingeschränkt möglich. Zwischen den Komponenten syntaktischer Einheiten (Wortfügungen, Satzgliedern) muß eine semantische Verträglichkeit bestehen, damit korrekte Konstruktionen gebildet werden.
  • Feststehende, idiomatische Wendungen ("Phraseologismen") verhalten sich syntaktisch anders als freie Fügungen. Auch hier bedarf es des Rückgriffs auf die lexikologische Kategorisierung, um syntaktische Beschreibungen und Erklärungen vornehmen zu können.
  • Die Wortbildung als Teilgebiet der Lexikologie reflektiert das Entstehen und Funktionieren neuer Benennungseinheiten auch über das syntaktische Verhalten einzelner Gruppen von Einheiten. Als Stichworte seien hier genannt: lexikalisch-syntaktisches Wortbildungsverfahren (Zusammenrückung), morphologisch-syntaktisches Wortbildungsverfahren (z.B. Univerbierung), syntaktische Wortbildung (Entstehen neuer Einheiten mit anderen syntaktischen Merkmalen).
Syntax und Phonetik

Einen ausgeprägten Zusammenhang zwischen dem Erklärungspotenzial von Syntax und Phonetik (i.w.S.) findet sich in der Intonation. Sätze realisieren sich als Äußerungen in der Kommunikation immer über eine bestimmte Intonation, d.h. der musikalische, dynamische, temporale und timbrale Verlauf einer konkreten Äußerung hat Einfluß auf unterschiedliche Satzkategorisierungen (z.B. Aussage - Frage - Aufforderung). Die suprasegmetale Aufgliederung in Äußerungsfolgen mit der entsprechenden intonatorischen Beschreibung (Tonhöhe, Akzent) ist auch unverzichtbarer Bestandteil der syntaktischen Beschreibung der sog. kommunikativen Struktur von Sätzen (der "funktionalen Satzperspektive", der "Topic-Comment-Struktur, der "Thema-Rhema-Gliederung von Sätzen").

Copyright © 2004 Universität Potsdam, Rolf-Rainer Lamprecht.
Letzte Aktualisierung: 02.05.2015 2:54 PM

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