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Russische Phonetik.

Gegenstand, Aufgaben, Einheiten

Womit sich die Phonetik i.w.S. beschäftigt, kann man vom griech. phone herleiten, was soviel wie "Laut", "Stimme"; "Rede", "Wort" bedeutet. Demnach wäre die Phonetik die Lehre von den Lauten, der Stimme, der (mündlichen) Rede bzw. des (geäußerten) Wortes oder auch kurz die Lautlehre.

Versucht man sich von der Begrifflichkeit des Wortes "Phonetik" zu lösen und danach zu fragen, welches die Aufgabe der Phonetik ist, kann man sagen, daß die Phonetik die materialen Einheiten zu untersuchen und zu beschreiben hat, die in der gesprochenen Sprache die Vorgänge des Sprechens und Verstehens ermöglichen.

Damit ist auch der Gegenstand der Phonetik umrissen: es sind die lautlichen Mittel einer Sprache, die unter folgenden drei Aspekten in die phonetische Theorie eingehen:

  1. die Hervorbringung sowie die Wahrnehmung von Lauten, Lautfolgen als biologisches (physiologisches, genetisches) Phänomen,
  2. die Eigenschaften, Parameter von Lauten als physikalisches (akustisches) Phänomen,
  3. die Bedeutsamkeit der Laute für die Kommunikation als linguistisches Phänomen.

Es ist leicht ersichtlich, daß die wissenschaftliche Betrachtung von (1) und (2) die Anwendung naturwissenschaftlicher und von (3) gesellschaftswissenschaftlicher Methoden verlangt. Um dies zu verdeutlichen, kann man auch inbezug auf (1) und (2) von "Phonetik i.e.S." und inbezug von (3) von "Phonologie" sprechen. Alle drei Aspekte werden durch den Begriff "Phonetik i.w.S." erfaßt.

W. Hess (2005, Folien 6 und 7) unterscheidet in seiner Vorlesung folgende Teilgebiete der Phonetik und beschreibt sie so:

  • "Die physiologische Phonetik untersucht vor allem die Vorgänge, die die Artikulationsorgane steuern, sowie die Vorgänge, die der Signalverarbeitung beim Hörer dienen.
  • Die artikulatorische Phonetik untersucht und beschreibt Aufbau und Wirkungsweise der Sprechorgane.
  • Die akustische Phonetik analysiert die Sprechschallsignale und erforscht die physikalischen Vorgänge der Sprechschallerzeugung.
  • Die perzeptive Phonetik untersucht Gesetzmäßigkeiten und Zusammenhänge im Feld der phonetischen, d.h. auf der Reizgrundlage des Sprachsignals beruhenden Wahrnehmungen.
  • Die deskriptive Phonetik beschreibt auf einem eher abstrakten Niveau die Eigenschaften der Sprachlaute, indem sie beispielsweise die lautspezifischen Stellungen und Bewegungen der Sprechorgane auf die wesentlichen Artikulationsgesten reduziert. Außerdem stellt sie die (ohrenphonetische) Verbindung von einer lautsprachlichen
    Äußerung zu einer lautsprachlich orientierten symbolischen Darstellung (Lautschrift) her.
  • Die funktionale Phonetik (bzw. Phonologie) untersucht die segmentale und prosodische Gliederung des Sprechschalls und der Sprachwahrnehmung, soweit sie für die einzelnen Sprachen spezifisch sind.
  • Die kontrastive Phonetik beschäftigt sich mit den Unterschieden zwischen Lautsystemen verschiedener Sprachen und der jeweiligen Realisierung dieser Lautsysteme."

Als grundlegende Beschreibungseinheiten der Phonetik i.w.S. erweisen sich der Laut und das Phonem. Daneben kann man als wichtige Beschreibungsgrößen finden: die Silbe, das Syntagma und das Intonem.

Literatur

Autorenkoll. u.d.Ltg. v. K. Gabka
Russische Sprache der Gegenwart. Bd. 1. Einführung. Phonetik und Phonologie. Leipzig: Enzyklopädie, 1987.
Hess. W.
Grundlagen der Phonetik. Folien deutsch. <http://www.ikp.uni-bonn.de/dt/lehre/materialien/grundl_phon/gph_1f.pdf>. Last visit: 20.10.2008.

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Letzte Aktualisierung 20.10.2008 10:35 AM