Rolf-Rainer Lamprecht
Online-Phonetik
Glossar
Affrikate Konsonant, der aus einem Klusil und einem Frikativ besteht, eine Einheit bildet.
Im Russischen gibt es die unpaarig weiche (immerweiche) Affrikate [ Akanje1 Kennzeichnung der südrussischen Dialektbesonderheit, unbetontes (o) wie [a] zu sprechen, z.B. [vada], [novava], im Unterschied zur nordrussischen Dialektbesonderheit, unbetontes (o) auch wie [o] zu artikulieren ("Okanje"). Akanje2 Oberbegriff für die normgerechte Reduktion der Vokale /a/ und /o/ nach harten Konsonanten. Vgl. Autorenkollektiv unter Ltg. von E. Wiede. Russische Sprache der Gegenwart. Bd. 1. Leipzig:Enzyklopädie, 1987. Akkomodation Angleichung von Vokalen an ihre harte konsonantische Umgebung ("Velarisierung") oder weiche konsonantische Umgebung ("i-Färbung", "Palatalitätsstufen"). Akzent Auch Betonung. Die Silbe, die mit dem stärksten Druck ausgesprochen wird, trägt den Akzent. Sie ist die Akzentsilbe.
Alveolare Laute, die an den Alveolen, dem Zahndamm, gebildet werden. Apikale Laute, die mit der Zungenspitze (Apex) gebildet werden. Assimilation Lautprozess, in dem ein oder mehrere Konsonantenmerkmale durch den Einfluss eines oder mehrerer Merkmale eines anderen Konsonanten ähnlich gemacht werden. Im Russischen wird die Stimmassimilation am konsequentesten durchgeführt. An ihr sind bis auf die Sonoren alle anderen Konsonanten beteiligt. Die Palatalisierungsassimilation und die Assimilation der Artikulationsstelle betreffen hingegen nur einige Konsonantengruppen. Betonung (s. Akzent) Buchstabe Dentale Laute, die an den Zähnen gebildet werden. "Zahnlaute". Dissimilation Entähnlichung von Konsonanten durch den Einfluss anderer Konsonanten. Unproduktiver Vorgang in der Gegenwartssprache. Dorsale Laute, die mithilfe des Zungerückens gebildet werden. Prädorsale sind Vorderzungen-, Mediodorsale sind Mittelzungen- und Postdosale sind Hinterzungenlaute. Enklise Anlehnung eines unbetonten Wortes an das vorhergehende mit gleichzeitiger Unterordnung an dessen Betonung. Ggs. Proklise Frikative Laute, die bei ihrer Artikulation durch Reibung des Luftstroms an einem Hindernis gebildet werden. Glottisschlag Stimmeinsatz, bei dem die Stimmbänder aneinanderschlagen. Auch "harter" oder "fester Stimmeinsatz". Graphem Kleinste Einheiten der Sprache, aus denen sich bedeutungstragende Einheiten beim Schreiben zusammensetzen. Jedes Graphem zerfällt in mindestens vier Varianten (oder Allographe oder Buchstaben), deren Verwendung nicht frei wählbar ist: Großbuchstabe und Kleinbuchstabe der Druck- und Schreibschrift. Der Begriff des Graphems ist der wissenschaftliche Dachbegriff für alle Buchstaben gleichen Namens. H Ikanje Oberbegriff für die normgerechte Reduktion der Vokale /a/, /e/ und /o/ nach weichen Konsonanten. Vgl. Autorenkollektiv unter Ltg. von E. Wiede. Russische Sprache der Gegenwart. Leipzig:Enzyklopädie, 1987, Ikanje, abgewandeltes Oberbegriff für die normgerechte Reduktion der Vokale /a/, /e/ und /o/ nach unpaarig harten Konsonanten. Vgl. Autorenkollektiv unter Ltg. von E. Wiede. Russische Sprache der Gegenwart. Leipzig:Enzyklopädie, 1987, Intonation Kategorie, die sich auf mehrere Segmente im Artikulationsstrom bezieht, und die Variation der Tonhöhe (melodischer Verlauf), der zeitlichen Verteilung (temporaler Verlauf), des Artikulationsdrucks (dynamischer Verlauf) und der Stimmfarbe, des Timbres (tembraler Verlauf) als komplexe Erscheinung erfasst. Intonem Typische Intonationskontur, in der der charakteristische melodische und dynamische Verlauf die wesentlichen Beschreibungsgrundlage bilden. Klusile Konsonanten, die durch einen Verschluss gebildet werden, der nach einer Haltephase gelöst wird, "explodiert". Konsonanten Gruppe von Lauten, die über eine Hemmstelle gebildet werden. Auch "Hemmlaute" genannt. Konsonantenausfall Ausspracherleichterung beim Zusammentreffen von drei oder mehr Konsonanten im Redefluss. Koronale Laute, die mit dem Zungenrand gebildet werden. Labiale Laute, die an den Lippen gebildet werden. Labiodentale Laute, die dadurch gebildet werden, dass die unteren Schneidezähne und die Oberlippe eine Enge bilden. Laterale Laute, die dadurch gebildet werden, dass die Seiten der Zunge in die Artikulation einbezogen werden. Lippenlaute (s. Labiale) Liquide
Laut Akustisch wahrnehmbares singuläres Phänomen, das der (linguistischen) Verallgemeinerung in unterschiedlichen Dimensionen dient. M Nasale Untermenge der Sonoren, bei deren Artikulation durch Schließung des Mundraums durch das Gaumensegel der Luftstrom durch den Nasenraum geleitet wird. Orthoepie Lehre von der normgerechten Aussprache. Als "Norm" wird dabei diejenigen Aussprachevariante angesehen, die als vorbildlich gilt. Palatale Laute, die am harten Gaumen gebildet werden. Palatalisierung Zusätzliche Artikulationsbewegung der Mittelzunge in Richtung des harten Gaumens bei der Artikulation eines Konsonanten, wodurch die phonetisch relevante Unterscheidung von "palatalisierten" ("weichen") und "nichtpalatalisierten" ("harten") Konsonanten zustandekommt. Palatalität, Palatalitätsstufen Eigenschaft von Vokalen. Akustisch äußert sie sich durch eine i-ähnliche Färbung des entsprechenden Vokals. Pharyngale Laute, die im Rachen gebildet werden Phonem Kleinste sprachliche Einheit, die Bedeutungsunterscheidungen hervorruft. Das Phonem kann auch als Bündel distinktiver Merkmale definiert werden. Phonemvariante Realisierung eines Phonems. Auch "Allophon" genannt.
phonetisches Wort s. Wort. phonetisches Proklise Anlehnung eines unbetonten Wortes an das nachfolgende mit gleichzeitiger Unterordnung an dessen Betonung. Ggs. Enklise Prosodie, prosodische Merkmale Die Dauer eines Lautes in einer Silbe, seine Druckstärke und seine melodische Charakterisierung (Tonhöhe) innerhalb einer Folge von Silben (Tonverlauf) fasst man gemeinhin mit den Begriffen "Prosodie", "prosodische Merkmale" zusammen. Rachenlaute (s. Pharyngale) Reduktion Verminderung der Dauer (Quantität) und des Drucks (Dynamik) von unbetonten Vokalen im Vergleich zu betonten Vokalen. Dies wird auch als "quantitative Reduktion" bezeichnet. Bei einigen Vokalen kann zusätzlich auch eine Veränderung der Merkmalscharakteristik vorkommen. Dies wird dann als "qualitative Reduktion" bezeichnet. Reduktionsstufen Das Russische kennt im Gegensatz zum Deutschen zwei Reduktionsstufen, die sich sich akustisch dadurch unterscheiden, dass sie eine Abstufung in der Länge aufweisen. Die erste Reduktionsstufe tritt im absoluten Anlaut und der ersten vortonigen Silbe auf. Vor einer Pause ist sie auch im absoluten Auslaut zu finden. Beliebige vortonige Silben und nachtonige Silben werden in der 2. Reduktionsstufe artikuliert. S. auch Wortrhythmus. Reibelaute (s. Frikative) Sandhi Auch "Wortbindung". Terminus der altindischen Grammatiker. Meint die aus dem Lautkontakt an der Wortgrenze resultierenden Lautveränderungen. Die Wortbindung ist von großer Tragweite für das verstehende Hören wie auch für das "akzentfreie" Sprechen. Sonore Gruppe von Konsonanten, die wie die Vokale Klanglaute sind. Zu ihnen gehören die Nasalen und die Oralen (Liquiden). Stimmeinsatz suprasegmental Transkription
Transliteration Uvulare Laut, der am Zäpfchen (uvulum) gebildet wird. Velare Laute, die am weichen Gaumen (velum) gebildet werden. Verschlusslaute (s. Klusile) Vokale Gruppe von Lauten, die ohne Hindernis gebildet werden. Der Luftstrom passiert ungehindert den geöffneten Mundraum. Auch "Öffnungslaute". Wort, phonetisches Fügungen von Autosemantika und Synsemantika, die einen Akzent aufweisen. Die Anlehnung an das entsprechende Begriffswort erfolgt entweder als Proklise (s.o.) oder Enklise (s.o.). Wortbindung s. Sandhi Wortrhythmus Der Wortrhythmus ergibt sich aus dem Zusammenspiel der betonten mit der/den unbetonten Silben. Das Russische weist dafür drei Abstufungen auf, betonte Vokale mit entsprechender Länge, reduzierte Vokale der 1. Stufe, die gegenüber den betonten Vokalen kürzer und mit weniger Druck gesprochen werden, und reduzierte Vokale der 2. Stufe, die wiederum noch kürzer und mit sehr geringem Druck artikuliert werden. Zur Umschreibung dieser Abstufungen verwendet man die Silben "na", "nu", "ni" bzw. "an" oder "un". Zäpfchenlaute s. Uvulare Zahnlaute (s. Dentale) |
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Letzte Aktualisierung:
10.11.2008 8:47 AM
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