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RSG Nomen

Skript "Die Kategorie des Kasus "

Allgemeine Charakteristik

Das moderne Russische kennt sechs Kasus (Nominativ, именительный падеж, Genitiv, родительный падеж, Dativ, дательный падеж, Akkusativ, винительный падеж, Instrumental, творительный падеж und Präpositiv, предложный падеж), die bei den deklinierbaren Substantiven an der Kasusendung als Einheit von Kasusbedeutung und Kasusform zu erkennen sind. Der Kasusausdruck bei den nichtdeklinierbaren Nomina erfolgt syntaktisch, d.h. an den entsprechenden Kongruenzwörtern, vgl. Он пришёл в синем пальто.

Der Nominativ erscheint immer ohne Präposition, der Präpositiv immer mit Präposition. Die anderen Kasus können ohne Präposition auftreten (reine Kasus), aber auch zusammen mit ihnen (Präpositionalkasus).

Im Russischen gibt es 14 unterschiedliche Kasusformen - in phonologischer Schreibweise: -/Ø/, -/a/, -/o/, -/u/, -/e/, -/i/, -/om/, -/oj/, -/ju/, -/ov/, -/ej/, -/am/, -/am'i/, -/ax/. Sie versorgen die 48 möglichen Positionen in den drei Deklinationen. Da die Zahl der verfügbaren Endungen kleiner als die der Positionen ist, wird eine Reihe von Endungen mehrfach verwendet. Sie sind dann homonyme Formen.
Vgl. das Vorkommen von -/a/:
- Genitiv, Singular der Maskulina der I. Deklination (стола)
- Genitiv, Singular, Neutra der I. Deklination (села)
- Nominativ, Singular, Feminina der II. Deklination (мама)
- Nominativ/Akkusativ, Plural eines Teils von Substativen der I. Deklination (глаза)
- Nominativ, Plural, Neutra der 1. Deklination (сёла)
Die Homonymie der Kasusformen wird i.d.R. durch den Platz im Paradigma aufgelöst. Steht -/a/ in einer Reihe von -/Ø/, -/u/, -/om /, -/e/, kann es sich nur um den Genitiv, Singular der Maskulina der I. Deklination handeln.

Funktionen der einzelnen Kasus

1. Nominativ

Der Nominativ gilt als Grundform aller Kasus, er ist syntaktisch unabhängig und wird daher als casus rectus von den anderen Kasus (casus obliqui, oblique Kasus) unterschieden. Syntaktisch erscheint er als Subjekt, als Prädikatsnomen, als Apposition. Man verwendet ihn als Anredeform und als Benennungsnominativ in sog. Nominativsätzen.

2. Genitiv

Der Genitiv ist vor allem in der Attributfunktion bekannt, in der er bei einem anderen Substantiv steht (adnominaler Genitiv). Zwischen beiden Substantiven können eine Reihe von Relationen bestehen, die sich aus den syntaktisch-semantischen Eigenschaften beider Nomen ergeben. Man kann hier folgende Bedingungen nennen:

  1. Ist das Kernwort ein Verbalabstraktum, liegt ein Subjektgenitiv vor (приезд матери) oder ein Objektgenitiv (посещение музея)
  2. Ist das Kernwort ein Adjekivabstraktum, dann hat der Genitiv Subjektbedeutung (храбрость солдата).
  3. Ist das Kernwort ein Konkretum, ergeben sich sehr verschiedene Bedeutungsrelationen: закон Ньютона (Subjektbedeutung), памятник героя (Objektbedeutung), журнал студента (Zugehörigkeitsbedeutung), бутылка вина (Teil-Ganzes-Bedeutung), человек высокого роста (Eigenschaftsbedeutung)

Steht der Genitiv adverbal (beim Verb), hat er Objektbedeutung. Dies passiert

  1. nach einer kleinen Gruppe von negativ oder affirmativ gebrauchten Verben (избежать, стесняться..., желать, достичь)
  2. nach negierten transitiven Verben (Он не видел ни одного человека)
  3. beim partitiven Genitiv (Дайте сахару).

3. Dativ

Der Dativ ist ein Objektkasus, tritt er zusammen mit dem Akkusativobjekt auf, bezeichnet er den Adressaten der Handlung (Таня дает Наташе новый журнал.).
Für den deutschen Lerner kann verwirrend sein, dass dem Dativobjekt im Russischen manchmal ein Akkusativobjekt im Deutschen entspricht (мешать кому-либо, jemanden stören) und umgekehrt (благодарить кого-либо, jemandem gratulieren).
Zu beachten ist, dass in unpersönlichen Konstruktionen (Мне не спистся.) der Dativ syntaktisch gesehen ein Objekt bezeichnet, semantisch dahinter aber ein Subjekt steht.
Der Dativ steht manchmal auch adnominal nach Verbalabstrakta (памятник Пушкину).

4. Akkusativ

Der Akkusativ bezeichnet das direkte Objekt und wird von transitiven Verben regiert (показать книгу). Manchmal kann er auch Adverbialbedeutung haben ( работать час).

5. Instrumental

Die Objektbedeutung des Instrumentals findet sich in der Bezeichnung eines Werkzeugs i.w.S. (рубить топором). Daneben steht der Instrumental auch nach Verben des Lenkens, Leitens (руководить, владеть, командовать). Mit syntaktischer Objektbedeutung und semantischer Subjektbedeutung erscheint der Instrumental in Passivkonstruktionen (Трамвай останавливается милиционером). Man trifft ihn aber auch zur Bezeichnung von Adverbialbestimmungen an (бежать лесом). Weiterhin kann dieser Kasus als Bestandteil von Prädikaten fungieren (Он стал учителем).

6. Präpositiv

Der Präpositiv besteht aus der Kombination von Präposition und Kasusform, die im Prinzip in allen Kasus - auszer dem Nominativ - vorkommen können. Manchmal kann es sein, dass reine Kasus und Präpositionalkasus miteinander konkurrieren (рассказать происшествие - рассказать о происшествии).
Mit den unterschiedlichen Präpositionen werden auch wichtige Unterschiede ausgedrückt (ехать по лесу - ехать в лесу - ехать через лес).

 

Literatur:
Autorenkoll. u. d. Ltg. v. K. Gabka. Russische Sprache der Gegenwart. Bd. 2. Morphologie. Leipzig: Enzyklopädie, 1988.
Autorenkoll. u. d. Ltg. v. K. Gabka. Kommentare und Aufgaben zur Morphologie. Leipzig: Enzyklopädie, 1988.
Autorenkoll. u. d. Ltg. v. H. Schlegel. Компендиум лингвистических знаний для практических занятий по русскому языку. Volk und Wissen: Berlin, 1992.
Костомаров, В.Г., Максимов, В.И. (ред.). Современный русский литературный язык. Москва: Гадарики, 2003.
Шведова, Н.Ю, Лопатин, Н.Н. (ред.). Краткая русская грамматика. Москва: РАН, 2002.
Шелякин, М.А. Справочник по русской грамматике. Москва: Русский язык, 2000.

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Letzte Aktualisierung: 27.05.2008 11:33 AM