RSG Nomen

Impulstext "Die Kategorie des Genus "

Allgemeine Charakteristik

Das Genus gehört bei den Substantiven zu den klassifizierenden Kategorien, d.h. Substantive werden nicht nach den Genera verändert (nach Maskulina/мужской род, nach Feminina/женский род, nach Neutra/средний род) sondern nach ihnen eingeteilt. Alle Substantive gehören im Singular einem Genus an.
Vom grammatischen Geschlecht, dem Genus, als formal-grammatischer Kategorie ist das natürliche Geschlecht, das Sexus, als Kategorie mit Abbildcharakter zu unterscheiden. Während das Genus unbelebter Substantive überhaupt nicht motiviert ist, kann es bei belebten Substantiven durch das natürliche bestimmt sein, vgl. дедушка, мужчина, die natürlich und grammatisch männlich sind (vgl. старый дедушка, молодой мужчина).


Zur Leistung des Genus

Das Genus hat an erster Stelle die Funktion, die Grundlage für die Kongruenz zu bilden, d.h. für ein sprachliches Verweissystem, in dem das jeweilige kongruenzpassive Wort mit dem kongruenzaktiven Wort zusammengefasst wird:
новый, -ая, -ое + улица = новая улица
этот, эта, это + окно = это окно
два/две + девушки = две девушки
играл, -а, -о + ребёнок = ребёнок играл
Das gemeinte Verweissystem erlaubt im Verstehensprozess die Entscheidung über Zusammenhängendes und Nicht-Zusammenhängendes. Dies gilt auch für die Wiederaufnahme durch Pronomina über die Satzgrenze hinweg, die durch das Genus gewährleistet wird, s. z.B. У попа была собака. Он её любил.

Darüber hinaus hilft das Genus auch, korrelative Bezeichnungen für Lebewesen zu bilden, die sich durch das natürliche Geschlecht voneinander unterscheiden: брат - сестра, тракторист - трактористка.
Anzumerken ist, dass Tierbezeichnungen weitgehend sexusneutral sind (z.B. акула, тигрёнок), es sei denn sie sind volkswirtschaftlich wichtig (бык - корова) oder es handelt sich um Zootiere bzw. große Raubtiere (лев - львица).


Der grammatische Ausdruck des Genus

Das Genus wird am konsequentesten syntaktisch durch die Kongruenzformen der abhängigen Wörter zum Ausdruck gebracht.
Maskuline Endungen der Attributwörter sind im Nominativ Singular -/oj/ (-ой), -/ij/ (-ый, -ий) oder -/Ø /,
feminine Endungen: -/aja/ (-ая, -яя) oder -/a/ (-a, -я),
neutrale Endungen: -/oje/ (-ое, -ее) oder -/o/ (-o, -e).

Die Durchgängigkeit des syntaktischen Genusausdrucks fehlt beim morphologischen Ausdruck. Hierfür kann man folgende Regeln formulieren:

  1. Maskulina sind deklinierbaren Bezeichnungen von Sachen mit Nullendung im Nominativ Singular und einem Stamm auf:
    • einen paarig harten Konsonanten
    • einen Velar
    • den Konsonanten /j/
    • die Affrikate /ц/
  2. Maskulina sind Sachbezeichnungen mit der adjektivischen Endung -/oj/ oder -/ij/ .
  3. Feminina sind Sachbezeichnungen mit den Endungen -/a/ (-a, -я) oder -/aja/(-ая, -яя) im Nominativ Singular.
  4. Neutra sind Sachbezeichnungen mit den Endungen -/o/ (-о, -е, -ё) oder -/oje/ (-ое, -ее).
  5. Bei deklinierbaren Bezeichnungen von Sachen mit Nullendung im Nominativ Singular und einem paarig weichen Stammauslaut kann der Genusausdruck mit zusätzlichen Regeln erschlossen werden.
    • Substantive, die mit den Suffixen -ость/-есть und -знь gebildet werden, sind Feminina;
    • Substantive mit den Suffixen -тель und -арь sind Maskulina;
    • Substantive, deren Stamm graphematisch auf бь, вь, мь, пь und фь auslautet, sind Feminina;
    • Städtebezeichnungen, die graphematisch auf -поль enden, sind Maskulina;
    • Monatsbezeichnungen, die auf Weichheitszeichen als einem orthographischen Merkmal enden, sind Maskulina
  6. Substantive, die auf einen Zischlaut enden, sind entweder Feminina - wenn sie aus orthographischer Sicht ein Weichheitszeichen aufweisen - oder Maskulina - wenn das Weichheitszeichen fehlt ;
  7. Substantive auf мя sind Neutra.
  8. Bei Substantiven mit Suffixen der subjektiven Wertung (Pejorativa, Augmentativa, Deminutiva) bestimmt sich das Genus nach dem Genus des Ableitungsworts. Demzufolge sind z.B. домище, домишко Maskulina.
  9. Bei Substantivkomposita (Determinativbinomina) richtet sich das Genus nach der ersten Komponente. Davon sind Bildungen ausgenommen, die mit самец bzw. самка in der zweiten Komponente auf das Sexus ausdrücklich Bezug nehmen.

Für belebte deklinierbare Substantive sind folgende Endungen kennzeichnend:

  1. Maskulina
    -Ø (I. Deklnination)
    -/a/ (II. Deklination)
    -/o/ (I. Deklination)
    -/oj/, -/ij/ (Adjektivdeklination)
  2. Feminina
    -/a/ (II. Deklination)
    -Ø (III. Deklination)
    -/aja/ (Adjektivdeklination)
  3. Neutra, z.B. лицо, чудовище, дитя

Eine schematische Darstellung der Genusbestimmung bei deklinablen Substantiven finden Sie hier.


Substantive zweierlei Genus (существительные общего рода)

Zu dieser Gruppe gehören Lexeme mit zumeist emotionaler Färbung, die nur über eine Wortform verfügen und auf männliche oder weibliche Personen Anwendung finden (z.B. плакса, сопля). Das Genus bestimmt sich nach dem jeweiligen Sexus.
Das Hochschullehrbuch (RSG II) zählt zu dieser Gruppe auch die indeklinablen Fremdwörter, wie визави, протеже. Es schließt allerdings - im Gegensatz zu anderen Quellen - Personennamen aus dieser Gruppe aus, also indeklinable Familiennamen (z.B. Данте, Виардо) und argumentiert damit, dass sie - wie die russischen Bezeichnungen (z.B. Мельник, Корбут) homonyme maskuline und feminine Familiennamen für männliche und weibliche Träger darstellen. In gleicher Weise wird in Bezug auf deklinierbare Koseformen vom Typ Валя begründet.


Das Genus der indeklinablen Substantive

Das Genus fremder indeklinabler Substantive ist von ihrer Semantik abhängig.

Sachbezeichnungen sind im allgemeinen Neutra.
Ausnahmen: кофе (m., umgangssprachl. allerdings n.), nach dem Genus des Bestimmungsworts - бенгали (m.), кольраби (f.), авенью (f.), салями (f.), бери-бери (f.)

Indeklinable Tierbezeichnungen sind im allgemeinen Maskulina.
Ausnahmen: цеце (f.), иваси (f.)

Bei Personenbezeichnungen ist das Genus vom natürlichen Geschlecht abhängig (z.B. леди - f., рефери - m.).

Indeklinable geographische Bezeichnungen richten sich im Genus nach dem Genus des Gattungsworts (z.B. Батуми = город = m., Конго = река = f.), ebenso bei Bezeichnungen für ausländische Presseorgane (Таймс = газета = f.).
Ausnahmen: Бештау (m.), Борнео (n.).

Eine schematische Darstellung der Genusbestimmung bei nichtdeklinablen Substantiven finden Sie hier.


Das Genus der Abkürzungswörter

Abkürzungswörter lassen sich in deklinierbare und indeklinable Erscheinungsformen unterteilen. Bei deklinierbaren Abkürzungswörtern erkennt man das Genus an der morphologischen Struktur (колхоз, ГУМ).
Indeklinable Abürzungswörter kann man generell in den Initiallauttyp (z.B. ВАИ - военная автомобильная инспекция), den Initialbuchstabentyp (z.B. СССР) und den Mischtyp (ХОЗУ - хозяйственное управление) einteilen.
Beim Initialbuchstabentyp bestimmt sich das Genus nach dem Genus des Kernworts der betreffenden Bildung (Coюз советских социалистических республик) ebenso wie beim Initiallauttyp auf (a),(и), (у) und dem Mischtyp auf (a), (и), (у).
Beim Initiallauttyp auf o, e und dem Mischtyp auf o, e kommt es zu Schwankungen, sie haben entweder das Genus des Bestimmungsworts (гороно = городской отдел народного образования = m.) oder sind Neutra (самбо = самозащита без оружия).
Bildungen des Initiallauttyps, die auf einen Konsonanten auslauten, orientieren sich ebenfalls in vielen Fällen am Genus des Kernworts (ТЭЦ = тепловая электроцентраль = f.) oder werden als Maskulina gebraucht (ТАСС).
Bei nichtrussischen Abkürzungswörtern erkennt man das Genus an der morphologischen Struktur (ФИФА - f.).

 

Literatur:
Autorenkoll. u. d. Ltg. v. K. Gabka. Russische Sprache der Gegenwart. Bd. 2. Morphologie. Leipzig: Enzyklopädie, 1988.
Autorenkoll. u. d. Ltg. v. K. Gabka. Kommentare und Aufgaben zur Morphologie. Leipzig: Enzyklopädie, 1988.
Autorenkoll. u. d. Ltg. v. H. Schlegel. Компендиум лингвистических знаний для практических занятий по русскому языку. Volk und Wissen: Berlin, 1992.
Костомаров, В.Г., Максимов, В.И. (ред.). Современный русский литературный язык. Москва: Гадарики, 2003.
Шведова, Н.Ю, Лопатин, Н.Н. (ред.). Краткая русская грамматика. Москва: РАН, 2002.
Шелякин, М.А. Справочник по русской грамматике. Москва: Русский язык, 2000.

Copyright © 2011 Universität Potsdam, Rolf-Rainer Lamprecht.
Letzte Aktualisierung: 29.04.2015 7:58 PM

Dieses Werk bzw. Inhalt steht unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Creative Commons Lizenzvertrag