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Impulstext "Die Kategorie der Belebtheit/Unbelebtheit"

Allgemeine Charakteristik

Ebenso wie das Genus des Substantivs ist die Kategorie der Belebtheit/Unbelebtheit (категория одушевленности/неодушевленности) eine klassifizierende Kategorie. Auch wie beim Genus sei hier darauf hingewiesen, dass es sich um eine grammatische Kategorie handelt, also eine sprachliche Kategorie, die nur in Teilen Abbildcharakter hat. M.a.W., als grammatisch belebt gelten Bezeichnungen für Lebewesen (Personen und Tiere - letztere auch mit Ausnahmen), aber nicht Pflanzen und Gruppen von Personen, die zu den gramatisch unbelebten Substantiven gehören, wie die Sachbezeichnungen.
Belebt sind - bis auf wenige Ausnahmen - maskuline und feminine Substantive.

Grammatischer Ausdruck

Morphologisch äußert sich der Ausdruck der Belebtheit im Zusammenfall der Akkusativendung mit der Genitivendung,
der Ausdruck der Unbelebtheit im Zusammenfall der Akkusativendung mit der Nominativendung.
Bei den deklinierbaren Substantiven erfolgt dieser morphologische Ausdruck am konsequentesten im Plural, und zwar bei allen Genera. Im Singular finden wir diesen Ausdruck bei allen deklinierbaren Maskulina, außer bei jenen auf -a.
Der morphologische Ausdruck kann syntaktisch in den kongruenten Attributwörtern begleitet werden - знать прилежных учениц. Bei den maskulinen Substantiven der II. Deklination und bei den Indeklinablen ist der syntaktische Ausdruck der einzig mögliche (увидеть своего дядю/огромный домину).
Bei den Feminina und Neutra bleibt der Ausdruck der der Belebtheit/Unbelebtheit sowohl morphologisch als auch syntaktisch unausgedrückt.

Abweichungen von der Zuordnungsregel

Gemeint ist, dass nicht alle Personen- und Tierbezeichnungen grammatisch belebte Substantive sein müssen, ebenso wie Objektbezeichnungen nicht immer grammatisch unbelebt erscheinen.

Grammatisch belebt sind:

  • Namen von toten Personen sowie Bezeichnungen für Verstorbene (знать Дарвина, положить покойника в гроб), allerdings ist das Lexem труп auch grammatisch unbelebt
  • Bezeichnungen für tote Tiere (увидеть мёртвого карпа), auch als Speisen zubereitet (заказать жареного гуся); allerdings werden die Benennungen von Fischen und Gliederfüßlern im Plural als grammatisch unbelebte Substantive behandelt (попробовать раки)
  • Bezeichnungen von mythologischen und religösen Wesen (молить бога, чтить Юпитера)
  • die Bezeichnung кукла und Bezeichnungen für Puppen schlechthin (матрёшка, петрушка) sowie Bezeichnungen für Spielzeuge und Skulpturen, die Menschen und Tiere darstellen (деревяный крокодил, медный всадник)
  • Bezeichnungen für Figuren in Karten-, Brett- und anderen Spielen (покрыть туза козырём, жертвовать ферзя)
  • Titel künstlerischer Werke, wenn sie metnonymisch gebraucht werden (слушать Бориса Годунова)

Grammatisch unbelebt sind:

  • Bezeichnungen für handelnde Personen in künstlerischen Werken (образ, тип, ...), außer герой
  • Bezeichnungen für Personen nach dem Beruf oder der sozialen Stellung nach Verben wie пойти в, принять в, выбрать в... (выбрать в депутаты...)
  • das Substantiv кадры, auch пост, талант im Plural

Schwankungen in der Zuordnung

Bei einer größeren Zahl von Substantiven sind Schwankungen in der Zuordnung zu verzeichnen. Sie betreffen:

  • Zoologische Termini (личинка, гусеница) - allerdings ist эмбрион unbelebt
  • Bezeichnungen für Mikroorganismen (амёба, бактерия, бацилла, вирус, инфузория, микроб, стрептокоп)
  • Wortfügungen mit den einfachen Grundzahlen 2-4 bzw. Zusammensetzungen mit diesen Grundzahlen am Ende mit einem femininen Substantiv (купить [двадцать] двух собак/[двадцать] две собаки)
  • die Substantive лицо, робот, существо
  • Belebte Substantive in übertragener Bedeutung запускать змей/змея
  • Unbelebte Substantive in übertragener Bedeutung Зачем вы привели этого старого колпака?

 

Literatur:
Autorenkoll. u. d. Ltg. v. K. Gabka. Russische Sprache der Gegenwart. Bd. 2. Morphologie. Leipzig: Enzyklopädie, 1988.
Autorenkoll. u. d. Ltg. v. K. Gabka. Kommentare und Aufgaben zur Morphologie. Leipzig: Enzyklopädie, 1988.
Autorenkoll. u. d. Ltg. v. H. Schlegel. Компендиум лингвистических знаний для практических занятий по русскому языку. Volk und Wissen: Berlin, 1992.
Костомаров, В.Г., Максимов, В.И. (ред.). Современный русский литературный язык. Москва: Гадарики, 2003.
Шведова, Н.Ю, Лопатин, Н.Н. (ред.). Краткая русская грамматика. Москва: РАН, 2002.
Шелякин, М.А. Справочник по русской грамматике. Москва: Русский язык, 2000.

Copyright © 2011 Universität Potsdam, Rolf-Rainer Lamprecht.
Letzte Aktualisierung: 29.04.2015 8:25 PM

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