RSG Wortbildung - Wortbildungsanalyse

Lexeme lassen sich dahingehend untersuchen, in welche kleinere sprachlichen Einheiten (Morpheme) sie zerlegt werden können und welche Bedeutung sie tragen. Von dieser Analyse, der Morphemanalyse, ist die Wortbildungsanalyse zu unterscheiden. Sie fragt nach der "Ableitungsgeschichte", d.h. danach, von welchem Wort bzw. Stamm ein Wort "herkommt". Man spricht in diesem Fall vom "Ableitungswort" ("Ableitungsstamm") und "abgeleiteten Wort" bzw. vom "motivierenden Wort" ("Stamm") und "motivierten Wort".

Als Faustregel gilt, dass innerhalb eines Wortbildungsnestes dasjenige Wort als Ableitungswort anzusehen ist, das ein Morphem weniger als das abgeleitete Wort aufweist und ihm gegenüber die größte semantische Nähe hat. Z.B. steht писательница in einem unmittelbaren Ableitungsverhältnis zu писатель, nicht aber zu писать. Писать kann zwar weiter zergliedert werden (пис-а-ть), es ergibt sich aber dadurch kein Hinweis darauf, ob es von einem anderen Wort abgeleitet ist, es ist demzufolge nennt man es "nichtabgeleitet".

Ist es bei einem offensichtlich abgeleiteten Wort möglich, mehrere Ableitungswörter (Stämme) zu benennen, spricht man von Mehrfachmotivierung. Z.B. lässt sich сверхмодно ebenso auf сверхмодный wie auf сверх + модно zurückführen.

Günther, E.
Kap.5. Wortbildung. In: Autorenkoll. u. d. Ltg. v. L. Wilske. Die Russische Sprache der Gegenwart. Bd. 4. Lexikologie. Leipzig: Enzyklopädie, 1984, 149-202. (HLB IV)

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Letzte Aktualisierung: 30.01.2014 5:39 PM

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