RSG Allgemein - Formmittel

Mit dem Begriff "Formmittel" versucht man einen Zugang zur Ausdrucksseite grammatischer Kategorien zu erhalten. Üblicherweise unterscheidet man zwischen synthetischen (einfachen) und analytischen (zusammengesetzten) Formen. Der Unterschied besteht darin, dass bei den synthetischen Formen der Ausdruck der grammatischen Bedeutung zusammen mit dem Ausdruck der lexikalischen Bedeutung am Wort selbst erfolgt (s. z.B. das Präsens-Futur напишу). Bei den analytischen Formen ist der Ausdruck von grammatischen Bedeutungen vom Ausdruck der lexikalischen Bedeutung getrennt, da ein "Hilfswort", das nur grammatische Bedeutung hat, zum "Vollwort" hinzutritt (s. z.B. den Ausdruck des "einfachen" Futurs bei буду писать). Es sei ausdrücklich hervorgehoben, dass analytische Formen als eine grammatische Einheit betrachtet werden, d.h. beide Einheiten zusammen als eine Wortform angesehen werden.

Der Differenzierung in synthetische und analytische Formen liegen strukturelle Unterschiede zugrunde. Davon sind suppletive Formen zu scheiden. Die Suppletivierung ist ein Vorgang, bei dem Wörter mit unterschiedlicher Wurzel den Ausdruck grammatischer Bedeutung übernehmen, vgl. иду - шёл, взять - брать, хорошо - лучше, ребёнок - дети.

Bei den synthetischen Formen ist als Mittel zum Ausdruck grammatischer Bedeutungen zunächst die Affigierung zu nennen, d.h. Endungen, Suffixe, Postfixe und Präfixe übernehmen diese Aufgabe (школ-а - школ-ы; строи -ть - строи-л-а; писать - на-писать, строили-сь).

Die Affigierung ist manchmal mit einem historischen Lautwechsel verbunden. Dieser grammatisch relevante Lautwechsel kann sich in Folgendem äußern:

  • als Konsonantenwechsel (носят - ношу, купят - куплю)
  • als Vokalwechsel (заработать - зарабатывать)
  • als Wechsel von Konsonanten oder Vokalen auf Null (убрать - убирать)

Als weiteres synthetisches Mittel, das zur formalen Differenzierung grammatischer Bedeutungen dient, wird oft auch der Akzentwechsel genannt (р'уки - рук'и).

Als Hilfswörter für analytische Wortformen können Hilfsverben (быть), Partikeln (бы), Adverbien oder Pronomen (более, самый) dienen. Sie bilden zusammen mit dem Vollwort eine Einheit, die syntaktisch nicht zerlegt werden kann.

Von den analytischen Wortformen ist die Möglichkeit der Syntax zu trennen, über Veränderungen in der Wortfolge eine Differenzierung grammatischer Bedeutungen zu erreichen, vgl. Мать любит дочь - Дочь любит мать.

Für eine tabellarische Übersicht über die Möglichkeiten zum Ausdruck von grammatischen (morphologischen und syntaktischen) Bedeutungen siehe hier.

Mulisch, H. (Leiter des Autorenkollektivs).
Die Russische Sprache der Gegenwart. Bd. 2. Morphologie. Leipzig: Enzyklopädie, 1974. (HLB II)

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Letzte Aktualisierung: 29.04.2013 9:40 AM

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