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Einfuehrung in die Russistik

Erscheinungsformen (Existenzformen) von Sprache

Da die Sprache historisch gewachsen ist und sie den unterschiedlichen Sprachträgern in den verschiedensten Regionen und Situationen zur Kommunikation dient, tritt sie auch in verschiedenen Existenzformen auf. Hierbei waeren zu unterscheiden:

  1. die Hoch- und Schriftsprache (die "nationale" Literatursprache)
  2. die Umgangssprache
  3. die Mundarten (Dialekte)

Als Abgrenzungskriterien koennen mit LANGNER (1975, 239f.) angefuehrt werden:

  1. der Systemcharakter,
  2. die territoriale Gueltigkeit,
  3. die soziale Gueltigkeit,
  4. der komunikative Wert (...)
  5. die Verwendungsweise (muendlich, schriftlich)
  6. die Haupttraeger

Hinsichtlich des russischen Wortschatzes wird "Literatursprache" in drei Dimensionen begruendet:

  1. "sie ist faehig, alles Wissen der Menschheit in alen Bereichen ihrer Tatetigkeit auszudruecken, d.h. sie besitzt semantische Allgemeingueltigkeit (семантическая всеобщность) und Polyvalenz (im Sinne von Gebraeuchlichkeit in allen Sprachsshaeren) ;
  2. sie besitzt Allgemeinverbindlichkeit ihrer Norm als musterhaft fuer alle, die die Literatursprache beherrschen und gebrauchen, unabhaengig von ihrer sozialen, beruflichen und territorielen Zugehoerigkeit und
  3. sie verfuegt ueber groszen stilitischen Reichtum, beruhend auf der Verfuegbarkeit vielfaeltiger sprachlicher Varianten und spezieller Ausdrucksmittel (...)." DIE RUSSISCHE SPRACHE DER GEGENWART. Bd. 4. Lexikologie. Leipzig: Enzyklopaedie, 1978, 99.

In Kurzfassung: (a) Allgemeinverbindlichkeit der (kodifizierten und nichtkodifizierten) Norm, (b) Vorbildlichkeit, Musterhaftigkeit, (c) stilistische Vielfalt.

Nach diesen Kriterien hätte man vom literatursprachlichen Wortschaft den "nichtliteratursprachlichen" Wortrschatz zu unterscheiden. In Bezug auf das Russische zaehlt man die o.ae. Hoch- und Schriftsprache sowie einen Teil der Umgangsprache zur Literatursprache, und zwar denjenigen, der den genannten drei Kriterien enspricht. Den anderen Teil, der in deutscher Uebersetzung "laessige Umgangssprache" genannt wird (Original просторечие) wird als sozial begrenzte Erscheinungsform genauso wie der Jargon und das Argot aus der Literatursprache heruasgenommen. Schlieszlich sei erwaehnt, dass regionale Varianten (Dialektismen) ebenfalls als der Literatursprache nicht zugehoerig klassifiziert werden.

Das Problem der Schichtung des Wortschatzes ist auch deshalb kompliziert weil hier hinein die Frage der Verwendung der sprachlichen Einheiten hineinspielt, eine Untersuchungsdomaene der Stilistik. Entsprechende stlistische Markierungen, wie "salopp", "familiaer", "gehoben" werden als "Stilfaerbung" und/oder als "Konnotationen" terminologisiert.

Nach dem HLB LEXIKOLOGIE (1978, 107f.) kann man nach der kommunikativ-funktionalen Differenzierung folgende Wortschatzbereiche bzw, Stilschichten unterscheiden:

  1. Gemeinsprachlicher Wortschatz
  2. Buchsprachlicher Wortschatz
  3. Spezieller Fachwortschatz
  4. Umgangssprachlicher Wortschatz
  5. Laessig-umgangssprachlicher Wortschatz
  6. Jargon- und Argotwortschatz
  7. Dialektaler Wortschatz

Literatur

Autorenkoll. u.d.Ltg. v. L. Wilske. DIE RUSSISCHE SPRACHE DER GEGENWART. Bd. 4. Lexikologie. Leipzig: Enzyklopaedie, 1978.
Langner, H. Entwicklungen im Gefuege der Existenzformen der deutschen Sprache. Zu den Auswirkungen der gesellschaftlichen Entwicklung auf das Gefüge der Existenzformen der deutschen Sprache, unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklung nach 1945. In: Deutunterricht 28 (1975), H. 4., 238ff.


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[Letzte Aktualisierung: 16.04.2006 6:27 PM ]