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Einführung in die Russistik

Splitter "Sprachentstehung"

Die Frage nach dem Ursprung der Sprache ist seit Jahrtausenden immer wieder gestellt, diskutiert und unterschiedlich beantwortet worden. Ihrem Charakter nach ist diese Frage jedoch derart, daß es auf sie keine eindeutige Antwort geben kann. Davon überzeugt schon die Überlegung, daß wir in der wissenschaftlichen Betrachtung von Sprache ca. 4.000 bis 5.000 Jahre überblicken, die Menschwerdung aber einen viel längeren Zeitraum einnimmt. Hieraus wird deutlich, daß es immer nur um Annahmen gehen kann, wenn wir versuchen, uns den Sprachursprung zu erklären.

Klar scheint auch zu sein, daß die Angehörigen einer Sprachgemeinschaft ihre Sprache solange als etwas "Gegebenes" ansehen konnten, über das sie nicht unbedingt nachdenken mußten, wie sie unter sich waren. "Sprache" als etwas Besonderes anzusehen, mußten sie erst, als sie im Zuge von Handel oder Eroberungen mit Angehörigen anderer Sprachgemeinschaften in Kontakt kamen, so daß Verständigung, Übersetzung, die Herausgabe von Wörterbüchern zur Notwendigkeit wurde.

Annahmen zum Sprachursprung thematisieren i.d.R. immer bestimmte Aspekte des Problems.
Aus der vortheoretischen, praktischen Beschäftigung mit Sprache stammt offs. die israelitische Auslegung der "Verwirrung von Sprache" beim Turmbau von Babel, niedergelegt in den den ersten Kapiteln des Buches Genesis. Die Beseitigung der einheitlichen Sprache durch Jahwe wird als Strafe angesehen, die er anwendete, um zu verhindern, daß das himmelstürmende Werk zustandekam. Die dahinterstehende Frage von der Monogenese oder Polygenese der Sprache wird allerdings damit weder gestellt noch beantwortet.

In der antiken griechischen Philosophie war es vor allem der Streit darüber ob die Bezeichnungen der Dinge "von Natur" her gegeben sind (physei) oder auf Grund "von Vereinbarung" (thesei). Kratylos, einem Vertreter der ersten Richtung, werden folgende Worte zugeschrieben:

"Jedem Ding haftet von Natur die richtige Bezeichnung an. Nicht das sei die Bezeichnung, die gewisse Leute aufgrund einer gemeinsamen Vereinbarung davon gebrauchen, indem sie ein Teilchen ihrer eignen Sinne dazusprechen, sondern die richtige Bezeichnung (der Dinge) sei von Natur gegeben und für alle Hellenen und Barbaren ein und dieselbe."

Demgegenüber meint Demokrit, ein Vertreter der zweiten Richtung:

"Die Laute waren undeutlich und verworren, dann haben sie allmählich die Worte artikuliert und miteinander Bezeichnungen für jedes Ding festgesetzt und so sich selber die Verständigung über alle Dinge ermöglicht."

Folgende Theorien zur Sprachentstehung lassen sich anführen:

  1. Theorie der Lautnachahmung (Onomathopöie)
    exogene Anstöße aus der Umwelt; Bindung an die Natur
  2. Interjektionstheorie
    endogene Anstöße; Emotionen
  3. Theorie der Gebärdensprache
    Wundt; Symbolwert der Gebärde
  4. Theorie der Arbeitskommandos
    Noiret; Imperativformen

Marxistische Erklärung: biologische Voraussetzungen + Arbeit + Denkentwicklung

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[Letzte Aktualisierung: 16.04.2006 7:36 PM ]