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Einführung in die Russistik

Texte zur Periodisierung

Das Indoeuropäische (obshcheindoevropejskij jazyk)

"Das Indoeuropäische ist jener frühe Sprachzustand, der sich für die Sprachzweige und Einzelsprachen der sogenannten indoeuropäischen Sprachfamilie als Ausgang ihrer Entwicklung ermitteln läßt. Die Merkmale des Indoeuropäischen werden auf Grund der Rekonstruktion aus den aus späterer Zeit überlieferten indoeuropäischen Einzelsprachen ermittelt. Es ist anzunehmen, daß der Zerfall der indoeuropäischen Grundsprache kaum später als im 4. und 3. Jahrtausend v.u.Z. anzusetzen ist, wobei auch zu beachten ist, daß er räumlich und zeitlich gesehen ungleichmäßig vor sich ging.
Einige Forscher nehmen an, daß zwischen dem Indoeuropäischen und Urslawischen eine Etappe liegt, in der das Baltische und das Slawische eine Einheit bildeten. Die Ansichten über den Charakter der baltoslawischen Spracheinheit gehen jedoch sehr auseinander. Sicher ist jedenfalls, daß es innerhalb der indoeuropäischen Dialekte gewiß solche gab, die einander nahestanden und die, wie im Falle der Vorgänger des Baltischen und Slawischen, über längere Zeiträume hinweg benachbarte Territorien einnahmen. Dieser Umstand vermag eine Reihe recht weitgehender Übereinstimmungen zwischen dem baltischen und slawischen Sprachzweig zu erklären, die entscheidend stärker ausgeprägt sind als alle jene Gemeinsamkeiten, die das Slawische mit anderen indoeuropäischen Sprachzweigen und Sprachen teilt. Aus einem der indoeuropäischen Dialekte entwickelte sich allmählich das Urslawische heraus, so daß zwischen diesem und dem Indoeuropäischen eine längere Übergangsperiode vorauszusetzen ist."

Eckert, R., Crome, E., Fleckenstein, Ch. Geschichte der russischen Sprache. Leipzig: VEB Verlag Enzyklopädie, 1983, 18.


Das Urslawische (praslavjanskij jazyk)

"Das Urslawische ist jene Sprache, aus der sich die einzelnen Zweige des Slawischen (z.B. das Gemeinostslawische) und die slawischen Einzelsprachen (Slavinen) entwickelt haben. Zeitlich gesehen reicht das Urslawische von seiner Herauslösung aus einer bestimmten Dialektgruppe des Indoeuropäischen bis in die Hälfte des 1.Jahrtausends unserer Zeitrechnung. Die Auflösung der urslawischen Spracheinheit hängt historisch mit den vielfältigen Bewegungen der Völker Europas zur Zeit der Großen Völkerwanderung zusammen, einer Zeit als auch die ersten sicheren historischen Nachrichten von slawischen Stämmen auftauchen.
Der Zerfall des Urslawischen und die damit in Zusammenhang stehende Herausbildung der einzelnen slawischen Sprachen, darunter auch des Gemeinostslawischen, ist ebenfalls als Übergang anzusehen, der mehrere Jahrhunderte in Anspruch nahm."

Eckert, R., Crome, E., Fleckenstein, Ch. Geschichte der russischen Sprache. Leipzig: VEB Verlag Enzyklopädie, 1983, 19.


Das Gemeinostslawische (obshchevostochnoslavjanskij jazyk)

"Es handelt sich hier um jene Sprache, die zwischen dem Zerfall des Urslawischen und und der Herausbildung der ostslawischen Einzelsprachen, des Russischen (Großrussischen), Ukrainischen und Belorussischen, also chronologisch frühestens zwischen dem 8. und dem 14. Jahrhundert anzusiedeln ist. Diese Epoche läßt sich nochmals in zwei Perioden untergliedern:

  1. das frühe Gemeinostslawische: vom 8. Jahrhundert bis zum Zeitpunkt des überlieferten Schrifttums (Mitte des 11. Jahrhunderts). (...)
    Für einen bestimmten Zeitabschnitt des Gemeinostslawischen vor der Überlieferung des Schrifttums, d.h. für einige Jahrhunderte vor der Mitte des 11.Jahrhunderts, gebraucht V. Kiparsky den Terminus Urrussisch. Bestimmte Eigenheiten dieses Urrussischen ermittelt er aus der Lehnwortkunde und aus einigen Aufzeichnungen fremder Beobachter.
  2. das Altrussische im engeren Sinne: vom 11. bis 14. Jahrhundert. Für die erste Periode ist die Konsolidierung der ostslawischen Stammesdialekte und die Herausbildung von territorialen Dialekten auf ihrer Grundlage charakteristisch. Die zweite verläuft bereits im Rahmen des frühfeudalen Kiever Staates (Kievskaja Rus'), so daß insgesamt für diese Zeitepoche der Frühfeudalismus charakteristisch ist. Eine einschneidende Zäsur ist die Bildung des ersten Staates auf dem Territorium der Ostslawen mit der auch die Übernahme des Christentums (988) und die Entwicklung des Schrifttums zusammenhingen, wobei letzteres, wie aus den Verträgen des Fürsten Igor mit den Griechen bekannt ist, über ein Jahrhundert früher einsetzte, als die frühesten belegten Schriften bezeugen.
    Das Gemeinostslawische löste sich im 13. bis 15. Jahrhundert alllmählich auf, als zuerst das Ukrainische einige spezifische Züge entwickelte und später auch das Belorussische sich in seiner einzelsprachlichen Heruasbildung abzuheben begann, während das Russische (Großrussische), die Sprache der großrussischen Völkerschaft, sich im Rahmen des Moskauer Staates weiter entwickelte."

Eckert, R., Crome, E., Fleckenstein, Ch. Geschichte der russischen Sprache. Leipzig: VEB Verlag Enzyklopädie, 1983, 19.


Das Altrussische (drevnerusskij jayzk)

"Den Terminus Altrussisch verwenden wir einer alten Tradition folgend in einem weiten Sinne, d.h. für die Zeit vom 11. Jahrhundert bis zum Ausgang des 17. Jahrhunderts. Die altrussische Periode läßt sich in folgende zwei Teilperioden gliedern:

  1. die altrussische Periode im eigentlichen und engeren Sinne (11. bis 14. Jahrhundert) - drevnerusskij starshej pory. Es ist dies gleichzeitig die Spätperiode des Gemeinostslawischen (...).
  2. die großrussische (velokorusskij) oder mittelrussische Periode (srednerusskij period) oder wie sie in letzter Zeit häufiger genannt wird.: starorusskij: vom 14. Jahrhundert bis Ende des 17. Jahrhunderts.

Die erstgenannte Teilperiode, das Altrussische, ist in die Zeit der Existenz des Kiever Staates (862 - 1240) bzw. die Epoche der feudalen Zersplitterung einzuordnen. Gegen Ende dieser Periode löst sich das Gemeinostslawische auf. In dieser Zeit liegt die Herausbildung ausgeprägter ostslawischer Territorialdialekte. Die großrussische Periode steht in engem Zusammenhang mit der Herausbildung der großrussischen Völkerschaft und der Entwicklung des Moskauer Staates."

Eckert, R., Crome, E., Fleckenstein, Ch. Geschichte der russischen Sprache. Leipzig: VEB Verlag Enzyklopädie, 1983, 20.


Die Periode der Herausbildung der russischen Nationalsprache

"Ende des 17. Jahrhunderts bis ins 1. Drittel des 19. Jahrhunderts. Mit der Herausbildung der russischen Nation entwickelt sich die russischen Nationalsprache. Die Petrinische Zeit leitete diese Periode ein. Die Begründung der russischen Literatursprache auf demokratisch-volkssprachlicher Grundlage und die Schaffung einheitlicher Normen Anfang des 19. Jahrhunderts schließen diesen Zeitabschnitt ab."

Eckert, R., Crome, E., Fleckenstein, Ch. Geschichte der russischen Sprache. Leipzig: VEB Verlag Enzyklopädie, 1983, 20.


Die Periode der russischen Sprache der Gegenwart

"Sie zerfällt in zwei Teilperioden:

  1. die Periode der Entwicklung der russischen Nationalsprache im 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
  2. die Periode der Entwicklung der russischen Nationalsprache in der Sowjetzeit, d.h. seit 1917.
    Die Große Sozialistische Oktoberrevolution hatte grundlegende Auswirkungen auf die Entwicklung der modernen russischen Literatursprache, von der erstmals die breiten Massen des Volkes besitz ergriffen. Es kommt weiterhin zu einer wesentlichen Ausweitung der gesellschaftlichen Funktion des Russischen als Mittel der Verständigung im polynationalen Sowjetstaat und als Weltsprache."

Eckert, R., Crome, E., Fleckenstein, Ch. Geschichte der russischen Sprache. Leipzig: VEB Verlag Enzyklopädie, 1983, 20.


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[Letzte Aktualisierung: 16.04.2006 20:26 ]