Einführung in die Russistik

Definitionen "Stil", "Stilistik", "Funktionalstil", "Gattungsstil", "Amtsstil", "Alltagsrede"
(Conrad; R. (Hrsg.). Lexikon sprachwissenschaftlicher Termini. Leipzig: VEB Bibliographisches Institut, 1985.)

"Stil: durch die Auswahl aller sprachlichen Mittel charakterisierte mündliche oder schriftliche Verwendungsweise der Sprache. Die Auswahl ist vom Zweck abhängig (s. Fuktionalstil, Gattungsstil), und die Kombination unterliegt den Regeln der betreffenden Sprache, der Stilistik selbst und historischen gesellschaftlichen Veränderungen." (231)

********************************

"Stilistik, auch Stilkunde: Wissenschaft vom Stil. Die S. untersucht die Regeln der Auswahl und der Kombination sprachlicher Mittel zu einem bestimmten Zweck und deren Wirkung. Sie hat übergreifenden Charakter zur Literaturwissenschaft und Ästhetik. Sowohl durch die systematische Beschreibung der sprachlichen Elemente und ihrer Relationen als auch durch die Beschreibung der Eigenschaften von natürlichen Sprachen überhaupt liefert die Sprachwissenschaft die Grundlage für die Analyse der stilistischen Verwendung sprachlicher Mittel. Die S. entwickelte sich im 19. Jh. durch Trennung von der Rhetorik zur selbständigen wissenschaftlichen Disziplin. Ihre theoretische Fundierung erfolgte im 20. Jh. parallel zur Weiterentwicklung der Sprachwissenschaft." (232)

********************************

"Funktionalstil: Verwendungsweise sprachlicher Mittel in einem bestimmten Kommunikationsbereich; entspricht einer charakteristischen gesellschaftlichen Funktion. Arten: F. des institutionellen Verkehrs (s. Amtsstil), F. der Wissenschaft, F. der s. Alltagsrede, F. der schönen Literatur, F. der Publizistik und Presse. Für jeden F. ist die Kombination einer Reihe obligatorischer bzw. fakultativer Stilzüge charakteristisch. Zahl und Abgrenzung der Funktionalstile ist umstritten, vor allem die Existenz eines selbständigen Funktionalstils der Publizistik und Presse wird in Frage gestellt. Vgl. Gattungsstil." (77)

********************************

"Gattungsstil: Verwendungsweise sprachlicher Mittel innerhalb eines Funktionalstils. Folgende Gattungsstile gehören zum Funktionalstil des öffentlichen Lebens: Amtsstil, Stil des Gerichtswesens, Stil des Diplomatenverkehrs, Stil des Handelsverkehrs. Jeder G. wird durch spezifische Stilzüge gekennzeichnet. Ein umfassendes System der Gattungsstile und der ihnen zuzuordnenden obligatorischen bzw. fakultativen Stilzüge wird noch erarbeitet." (79)

********************************

"Amtsstil: Funktionalstil des öffentlichen Lebens zur Übermittlung amtlicher (offizieller) Informationen. Der A. ist durch folgende Stilzüge gekennzeichnet: 1. Unpersönlichkeit und Objektivität, 2. gedrängte Kürze, 3. Klarheit. Mangels überzeugender Beweise wurde die Angeklagte freigesprochen. Wegen verschiedener Auswüchse (schwerfällige Konstruktionen, Häufung analytischer Verbindungen, Schwulst) wird der Terminus A. häufig mit pejorativer Färbung (Bürokratenstil) verwendet." (24f.)

********************************

"Alltagsrede od. Alltagssprache: Kommunikation des nichtoffiziellen Alltagsverkehrs zur Übermittlung persönlicher oder sachlicher Informationen sowie zur Äußerung von Sprecher-Einstellungen zu Personen und Sachverhalten. In der Funktionalstilistik wird die A. als besonderer s. Funktionalstil (Stil der A.) gekennzeichnet. Charakteristisch für die A. sind die folgenden Stilzüge: Ungezwungenheit und Lockerheit, Subjektivität und Expressivität, Konkretheit und Bildhaftigkeit, Ausdrucksfülle (Redundanz) und Ausdrucksökonomie (situationsbedingte Ersparungen). Die - meist dialogisch geprägte - A. ist in hohem Grade von der Gesprächssituation abhängig; daneben spielen Bildungsgrad und sozialer Status der Kommunikationspartner eine bedeutende Rolle: Ne, wissen's die Mayern hat sich schon wieder solche Dinger gekauft! - Die Gleichsetzung von A. und Umgangssprache muß als fragwürdig angesehen werden. Während die Umgangssprache das vermittelnde Zwischenglied zwischen der Mundart und der Gemeinsprache darstellt, bezeichnet die A. die nichtoffizielle Form der Sprachverwendung." (22)

Copyright © 1997 Universität Potsdam, Rolf-Rainer Lamprecht.
[Letzte Aktualisierung: 01.08.2016 8:01 PM ]