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Einfuehrung in die Linguistik

Beitraege von Studenten - Johannes Schlegel

Dmitrij Nikolaevich Kudryavskij

  • lebte von 1867 bis 1920, starb also schon mit 43 Jahren.
  • war Absolvent der St. Petersburger Universitaet und Spezialist fuer historisch-vergleichende Sprachwissenschaft
  • beschaeftigte sich mit den Arbeiten Karl Marx'; wurde ueberzeugter Marxist, aktiv in marxistischen und sozialdemokratischen St. Petersburger Kreisen, machte dort auch Lenins Bekanntschaft.
  • uebersetzte viel aus dem Deutschen, z.B. Engels, Die Entstehung der Familie, des privaten Besitzes und des Staates.
  • Auf dessen Basis schrieb er populaere Lektionen,
    - die den Ursprung der Welt und des Menschen,
    - die Geschichte der Urkultur,
    - die Entstehung des Kapitalismus und des Klassenkampfes
    darlegen.
  • hatte damit Erfolg bei Propagandisten und Arbeiterfuehrern
  • Interessanteste Arbeiten:
    - Psychologie der Sprachwissenschaft (1905)
    - Einfuehrung in die Sprachwissenschaft (1910)
    -Ueber den Ursprung der Sprache (1912) - Dies ist eine der wichtigsten Fragen, die er vom materialistischen Standpunkt aus eroerterte.
  • Im Verlauf des 19. Jh. waren die Theorien des lautmalerischen oder Interjektions-Charakters der Sprachentstehung weit verbreitet. Потебня - Potebnja und Бодуэн де Куртенэ - Baudouin de Courtenay loesen die Frage, aber ohne Zusammenhang mit der Entstehung des Menschen und seinem sozialem Wesen. Sie fuehren das Problem auf die Herstellung sprachlichen Verstehens beim einzelnen Individuum zurueck
  • K. meint, das Sprechen folge nicht aus der Entstehung einer konkreten Sprache, sondern aus der Faehigkeit seine Gedanken mit Lauten auszudruecken (lautliche Symbole werden Woerter).
  • Voraussetzungen:
    - Niveau der Gehirnentwicklung (der zustaendigen Zentren)
    - besondere Ausbildung der Sprachorgane, die wiederum erst durch die Sprache ermoeglicht wurde
    - aufrechte Haltung des menschlichen Koerpers (Atmung, Brustkorb)
  • Trotz enger Verbindung zu Engels unterstuetzt er dessen Meinung ьber die Bedeutung der Arbeit nicht.
  • unterstreicht sozialen Charakter der Sprachentwicklung
    (яэык служит выражению наших мыслей и является средством общения людей между собою ("die Sprache dient der Ausbildung unseres Denkens und ist Mittel der Verstдndigung der Menschen untereinander"). Das Denken bildet umgekehrt aber auch die Sprache.
  • distanziert sich von der damals verbreiteten individualpsychologischen Sichtweise,
  • vertritt eine materialistische Konzeption der Sprache als soziale Erscheinung.
  • Verbindung Sprache - Denken: Sprache ist eine Form des Denkens, aber nicht dasselbe wie die logische Form des Denkens. Weil dadurch Verstaendnis und Bedeutung eines Wortes unterschiedlich sein koennen gibt es Synonyme.
  • Einzelheiten wie das Grammatische System sind bei K. aehnlich wie bei Potebnja:
  • Untersuchungsgegenstand: Lebendige Sprache: Satz, nicht Wort. Wortanalyse besteht aus Morphologie, Wortbildung, Phonetik, Syntax aus dem Satz und seinen Teilen, enthaelt auch die Funktionen der grammatischen Kategorien (Geschlecht, Zahl, Fall, ... ), zieht keine klare Grenze zwischen Morphologie und Syntax. zaehlt als Wortarten: Substantiv, Adjektiv, Verb, Adverb und zusaetzlich Konjunktion. Es fehlen Pronomen und Zahlwoerter. Parallele: Wortarten - Satzglieder
  • Im 20. Jh.: Verbalcharakter des Satzes als Ursprung gesehen - K. sieht das anders. Die logische und psychologische Richtung machte den Fehler, den Satz nicht als Gedankenausdruck zu sehen.

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    Copyright © 2002 Universitaet Potsdam, Johannes Schlegel, Rolf-Rainer Lamprecht.
    Letzte Aktualisierung: 14.04.2006 9:23 PM ]