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Einführung in die Linguistik

Beiträge von Studenten - Anja Wilde

Nikolaj Ivanowich Grech

1. Persönliche Daten
2. Allgemeine Vorstellung
3. Thesen und Betätigungsfelder
4. Kritik
5. Hauptwerke
6. Literatur

Persönliche Daten

  • geboren am 3.8.1787 in St. Petersburg
  • Besuch der dortigen Kadettenschule und des Pädagogischen Instituts
  • hauptsächlich journalistisch tätig
  • 1827 Mitglied der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg
  • gestorben am 12.1.1867 ebenfalls in Pieter
Allgemeine Vorstellung
  • Vertreter des reaktionären Lagers der Linguisten in den 30-er bis 50-er Jahren (starke Orientierung an westeuropäischen - speziell deutschen und französischen - Lehrwerken und Methoden )
  • verfolgte Linie der allgemeinen philosophischen Grammatik
  • "philosophisch" = Betrachtung der Beziehung zwischen inhaltlicher und lautlicher Seite der Sprache
  • bei G. enge Verbindung zwischen Logik (Lehre von den Gesetzen des Denkens) und Grammatik (Lehre von den Regeln des Ausdrucks der Gedanken)
  • seine Definition: Sprache ist direktes sinnliches Mittel zur Wiedergabe von Empfindungen und Ideen (Sprechen = lautes Denken)
  • erkannte soziale Natur der Sprache: Notwendigkeit, sich mitzuteilen schuf sich Mittel der Sprache als Verbindung des Menschen zur Gesellschaft
  • Wörter: Zeichen äußerer Eindröcke und innerer seelischer Zustände
  • Aufgabe einer allgemeinen Grammatik: Festlegung allgemeiner Gesetze, nach denen der menschliche Verstand bei der Abbildung von Gedanken und Gefühlen per Stimme vorgeht
Thesen und Betätigungsfelder
  • umfassendes Verständnis von Sprache (vollkommenes, zusammenhängendes System)
  • gab Ungleichartigkeit des Bestandes der Sprache zu (Umgangssprache, Dialekte), jedoch Konzentration auf russische Schriftsprache (knizhnyj yazyk) seiner Zeit
  • unterschied zwei Arten der Darstellung einer Sprache:
lexikographisch
grammatisch
Aufzählung aller Wörter
(Materie)
allgemeine Eigenschaften, Wörter mit repräsentativem Charakter und Ausnahmen (Form der Sprache)
  • Hauptteile der Grammatik: Theorie (Morphologie, Syntax), Praxis (Kunst des Sprechens und Schreibens)
  • Zweiteilung des Wortes in äußere (lautliche Hülle) und innere (Bedeutung) Seite
  • besonderes Merkmal: Willkürlichkeit und Bedingtheit (Besonderheit der russischen Linguisten des 19. Jh.)
  • etablierte Termini "Objekt", "Attribut", "adverbiale Bestimmung"
  • grenzte einfache und zusammengesetzte, Haupt- und Nebensätze ab
  • definierte grundlegende Typen von Nebensätzen
  • Einteilung innerhalb des Satzes: Subjekt, Prädikat, Kopula (durch ein Hilfsverb oder eine Form von werden, scheinen, oder bleiben gebildete Verbindung zwischen Subjekt und Prädikat)
  • erstmals Objekt als Grundelement des Satzes betrachtet
  • Grundlage für tieferes logisch-semantisches Verständnis der Struktur von Sätzen
  • beschäftigte sich als erster mit Prä- und Suffixen, wies auf Bedeutung für Aspektbildung hin
  • hielt an drei Modi des Verbs fest: Indikativ, Imperativ und Infinitiv (vergleichbar mit Nominativ der Substantive)
Kritik
  • heftige Kritisierung durch Sprachforscher seiner Zeit, u.a. Schischkow (Präsident der Akademie der Wissenschaften)
  • einige Argumente:
    • Werke mehrfach mit geringen Änderungen unter verschiedenen Bezeichnungen herausgegeben
    • bloßes Kopieren westeuropäischer Theorien
    • Ignorieren der vielgestaltigen russischen Volkssprache
    • preßte Sprache in sein feststehendes Schema, anstatt - umgekehrt - vom Material auszugehen
    • Künstlichkeit der grammatischen Regeln aufgrund dürftigen Ausgangsmaterials (Schriftsprache aus wenigen Aufsätzen zeitgenössischer Autoren)
    • weder vergleichende noch historische Sprachbetrachtung
    • Vinogradov: G. besaß nicht die Fähigkeit der Systematisierung grammatischer Erscheinungen, zeichnete sich durch bloßes Zusammentragen aus
Hauptwerke
  • "Tablitsa russkikh sklonenij" (1809)
  • "Tablitsa russkikh spryazhenij" (1811)
  • "Korrekturnye listy russkoj grammatiki" (1823)
  • "Prakticheskoj russkoj grammatike"
  • "Prostrannoj russkoj grammatike" (1827)
Literatur
  • Berezin, Fedor Michailovich: Istorija ruskogo jazykoznannija. Vyssaja Skola. Moskva, 1979
  • Stammerjohann, Harro: Who`s Who in the History of World Linguistics. Tübingen, 1996 ( English - Language Editor: James Kerr)

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Copyright © 1997 - 2002 Universität Potsdam, Anja Wilde, Rolf-Rainer Lamprecht.
Letzte Aktualisierung: 14.04.2006 9:30 PM