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Elemente der Filmanalyse
3.5 Das Narrative Modell

Dieser aus der strukturalen Erzähltheorie stammende Begriff beschreibt mehr einen Prozess als ein System. Die Erstellung des Narrativen Modells ist der (zumindest vorläufige) Abschluss der Strukturanalyse eines kulturellen Artefakt. Das Modell ist das Modell genau dieses einen konkreten Analyseprozesses, und deshalb kein allgemein gültiges oder auch nur einfach übertragbares Modell.

Das kulturelle Artefakt ist ebenso Produkt wie Repräsentant einer gegebenen Kultur, weshalb das Narrative Modell die Ergebnisse der Strukturanalyse in den Kategorien genau dieser Kultur diskutieren muss. Dabei werden die die Kultur prägenden Ordnungsverhältnisse, Wertvorstellungen und andere normative Gegebenheiten mit den Verhältnissen, wie sie der (literarische oder in einem anderen Medium verfasste) "Text" darstellt, ins Verhältnis gesetzt. Übereinstimmungen, Abweichungen, Umdeutungen o.ä. werden sichtbar.

Da Kulturen sich verändern, bildet der Zustand der Enstehenszeit des Artefakts den Bezugsrahmen. Die Erstellung des Narrativen Modells ist deshalb auch ein Akt der historischen Verortung, dem gegenüber die Relevanz zur Kultur(epoche) des/der Beschreibenden – so sie denn betrachtet wird – nachgeordnet ist. Die damit verbundene Historisierung bewahrt vor den Einseitigkeiten der früher modischen Ideologiekritik (die immer relativ zum Bewusstsein des modernen Rezipienten kritisierte), erlaubt aber trotzdem eine Zuordnung zu Strömungen der Enstehenszeit.

Copyright © 2002 Universitšt Potsdam, Norbert Franz, Gestaltung Rolf-Rainer Lamprecht.
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