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Virtueller Pushkin. Repliken auf den Internetauftruf

Nicole Hahne

Waterloostraße 4
31135 Hildesheim
Tel.: 05121/510775

 
Dieser Beitrag entstand am 09.06. 1999 als Referatsvorlage zu einem Russisch II-Seminar im Rahmen meines Studiums des „Internationalen Informationsmanagements“ an der Universität Hildesheim


 
 

ALEKSANDR SERGEEVIC PUSKIN
( 1799-1837 )

Kindheit & Lyzeumszeit:

26. Mai (06.06.) 1799 Geburt in Moskau als zweites von vier Kindern ( Olga * 1789 und drei Söhne Aleksandr *1799, Ljov *1805 & Nikolaj, der als kleines Kind starb )

Eltern: Major a.D. Sergej L’vovich Puskin und Nadezda Osipovna ( geb. Hannibal ); Stammte väterlicherseits aus altem Adelsgeschlecht, das im Rat der ehrwürdigen Bojaren dem Zaren furchtlos ihre Meinung zu sagen pflegte und für seine Überzeugung und oppositionelle Haltung gegenüber dem allmächtigen Herrscher den Tod auf sich nahm.
Mütterlicherseits war er ein Urenkel  eines äthiopischen Fürstensohns, der unter der Regierung Peters I. den Rang eines kommandierenden Generals innegehabt hatte und dessen ungewöhnlicher Persönlichkeit der Dichter in dem Romanfragment „ Der Mohr Peters des Großen“ ein Denkmal gesetzt hat.

Der junge Puskin wuchs in einer für Kunst und Literatur empfänglichen Adelswelt ( Puskins Onkel Vasilij war selbst Dichter ) auf, in der die gefeiertesten Dichter Rußlands verkehrten. Hier verschlang der junge Alexander die Werke Homers, Vergils, Dantes, Shakespeares, Voltaires, Parnys, Byrons, Scotts, Wielands, Goethes sowie die bedeutensten  Schöpfungen der russischen klassizistischen Poesie.
Die Sprache, die zu Hause gesprochen wurde, war, wie damals fast durchweg in aristokratischen Kreisen üblich, das Französische. Puskin beherrschte es sein ganzes Leben lang vollkommen:
 
„Die Leidenschaft für die Poesie zeigte sich bei ihm mit den ersten Begriffen: im achten Lebensjahr  - er konnte schon lesen und schreiben – dichtete er in französischer Sprache kleine Komödien und Epigramme auf seine Lehrer. Überhaupt schloß seine Erziehung wenig Russisches in sich. . . . Puskin war mit einem unglaublichen Gedächtnis begabt und konnte schon als Elfjähriger die gesamte französische Literatur auswendig.“ ( Erinnerungen seines Bruders Ljov )
 

1811 - 1817 Besuch des Elite-Lyzeums in Carskoe Selo ( heute: Puskin ); dies dient dem ungeliebten Sohn als Elternhaus-Ersatz und geistige Heimat.
Seine bekanntesten Freunde im Lyzeum waren die Dichter Anton Del’vig und Vil’gel’m Kjuchel’beker. Der Besuch des greisen Derzavin im Lyzeum ( 1815 ), vor dem Puskin die selbstgedichtete Ode „Vospominanija v Carskom Sele“ ( Erinnerungen in Carskoe Selo ) deklamieren durfte, wurde zum ersten Triumph des jungen Dichters.
Seine Lyzeumsdichtung folgt noch der klassizistischen Tradition ( Derzavin, Batjuskov ), von der er sich um 1817 allmählich löst ( -> Arzamas )

Unter dem Einfluß aufklärerischer Ideen, der Forderung der Großen Französischen Revolution von 1789 nach „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ wurde der sechzehnjährige Gymnasiast – ähnlich wie der junge Schiller auf der Karlsschule – zum engagierten Wortführer progressiver Strömungen.
Aber der Sieg der „Heiligen Allianz“, der feudalen Siegermächte, über das bürgerliche Frankreich leitete nach 1815 auch in Rußland eine Epoche der finsteren Reaktion ein: alle freiheitlichen Ideen, jegliche Andeutung fortschrittlicher Gesellschaftsreformen, ja selbst der Versuch einer Kritik an den gesellschaftlichen Zuständen wurde durch eine „eiserne Zensur“, durch strenge Polizeimaßnahmen und durch eine dogmatische Staatskirche unterdrückt und verfolgt.

13. Juni 1817 Nach Abschluß des Lyzeums gab sich der achtzehnjährige Puskin, der eine Anstellung als Beamter im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten erhalten hatte, den Verlockungen des Großstadtlebens hin.

September 1817 Teilnahme an Zusammenkünften der literarischen Vereinigung Arzamas, die die Ideen Karamzins gegen den Klassizismus verfocht. Später Mitglied des Freundeskreises Zelenaja lampa.

Der reaktionäre Adel haßte und fürchtete den vorwitzigen Kritiker, dessen politische Gedichte und bissige Epigramme auf den Zaren und seine despotischen Minister heimlich von Hand zu Hand gingen.
Die bewegenden politischen Verse Puskins, die der Enttäuschung aller Volksschichten angesichts des Zusammenbruchs der bürgerlich-aufklärerischen Illusionen von einer längst fälligen Reform der Feudalgesellschaft poetisch Ausdruck verliehen, wurden eifrig abgeschrieben und unter den Mitgliedern antizaristischer Geheimgesellschaften und künftigen Teilnehmern des Dekabristenaufstandes, unter den unzufriedenen Offizieren, Beamten, Studenten und Literaten verbreitet und diskutiert ( -> An Caadaev, 1818, Offizier & Philosoph ) -> LEIBEIGENSCHAFT ? -> Verdacht auf Plagiate

Die Exile im Süden:
Als Antwort auf Puskins revolutionäre Verse verfügte die zaristische Regierung die Verbannung des Dichters nach Sibirien, die jedoch auf Fürsprache einiger einfluß-reicher Freunde in eine Strafversetzung nach Südrußland umgewandelt wurde.

06. Mai 1820 Abreise in Richtung Süden ( Verbannung ):
Der vierjährige Aufenthalt in Kisinev ( ab September 1820 ) und Odessa ( ab August 1823 )  brachte den Dichter mit der märchenhaften Exotik der Schwarzmeerküste, mit der jungfräulichen Natur der Krim, des Kaukasus und Bessarabiens in Berührung. Puskins „südliche Poeme“ – „Der Gefangene im Kaukasus“, „Die Zigeuner“ und „die Räuberbrüder“ – geben in romantischer Verklärung die eigenartige Schönheit des damals noch unbekannten russischen Südens und seiner unverbildeten Bewohner wieder, bei denen der Großstadtmensch Ruhe und Frieden zu finden hofft.

Die Lyrik seiner südlichen Verbannung zeigt den endgültigen Bruch mit der klassizistischen Poetik, freie Formen treten an die Stelle der traditionellen Gattungen. Puskin lernt Englisch, um Byron im Original lesen zu können, denn deutlich beginnt jetzt das Übergewicht des Engländers über die Franzosen, in seiner Dichtung fühlbar zu werden.
Zahlreiche Liebesabenteuer: „Ich pflegte mich mehr oder minder in alle hübschen Frauen zu verlieben, die ich in meinem Leben traf . . .“ ( Notizbuch 1820-22 )

Kisinev war in jener Zeit eine ganz unrussische Stadt: Rumänen, Griechen, Juden, Türken, bulgaren, Italiener sorgten für ein sehr buntes Bild für das Auge und das Ohr. Russisch sprachen eigentlich nur die Beamten und Militärs. Puskin schloß sich vor allem an die letzteren an, wodurch er wieder mit revolutionären Kreisen in Berührung kam. Doch wurde er nie in irgendeinen Bund aufgenommen, oder auch nur in die Existenz einer Organisation als solcher eingeweiht. Man hielt ihn nicht für zuverlässig, auch war er bereits politisch kompromittiert und es war klar, daß die Polizei ein Auge auf ihn hatte.
In diese Zeit fällt auch Puskins Interesse für den griechischen Aufstand gegen die Türken. Er kannte seinen Führer A. Ipsilanti persönlich ( „Du treue Griechin, weine nicht“, 1821 ). Eine Zeitlang hatte er vielleicht sogar die Absicht zu fliehen, um den Griechen à la Byron zu helfen. Doch der Mißerfolg des Aufstandes kühlte ihn sehr bald ab, auch konnte er der Haltung der Griechen durchaus nicht zustimmen: in den meisten von ihnen sah er zu wenig Nationalstolz.
 

1823     Beginn der Arbeit an Evgenij Onegin ( Eugen Onegin ):
„In diesem unsterblichen Roman ‚onegin‘ erscheint also Puschkin als ein großer Volksdichter, wie wir vor ihm keinen gehabt haben. Er hat darin mit einem einzigen Griff, in der treffendsten Weise, mit dem scharfsichtigsten Blick, den Kern unseres Wesens, unserer ganzen über dem Volk stehenden Gesellschaft erfaßt und dargestellt.“  ( Dostojewski, Rede über Puschkin am 08. Juni 1880 )
 

Nördliche Verbannung:
Im Frühjahr 1824 fiel der zaristischen Zensur ein Brief Puskins in die Hände, worin der Dichter die christliche Glaubenslehre ernsthaft in Zweifel zieht – zur damaligen Zeit ein Staatsverbrechen. Die Folge war die Entlassung aus dem Dienst und die Verbannung auf sein väterliches Gut in Michajlovskoe im Gouvernement Pskov, wo sein eigener Vater und der Abt des benachbarten Klosters Puskins Verhalten überwachen sollten.
„In der Einöde, im Dunkel der Verbannung / zogen sich still meine Tage hin, / ohne Gottheit, ohne Inspiration, / ohne Tränen, ohne Leben, ohne Liebe.“
( An **, 1825 )

Die zaristischen Repressalien verhinderten, daß er, dessen Verse die Dekabristen beflügelten, unmittelbar an der revolutionären Bewegung teilnehmen konnte
( -> Begegnung mit Hasen & Mönch ). Dieser Zwischenfall rettete womöglich sein Leben.
Der bewaffnete Aufstand ( Dekabristenaufstand ) im Dezember 1825 wurde sehr schnell von den regierungstreuen Truppen niedergeschlagen. Puskin selber war nie Dekabrist, er hatte allerdings Freunde in diesen revolutionären Kreisen, für deren Begnadigung er sich auch nach dem Aufstand vehement einsetzt. Puskins Freiheitsideal war weniger politisch als künstlerisch und persönlich motiviert, denn seine Gefühle gegenüber der russischen Heimat waren ebenso konservativ und nationalistisch

Der neue Zar, Nikolaus I., der mit unbarmherziger Strenge die am Umsturzversuch Beteiligten mit dem Tode oder der Verbannung nach Sibirien bestrafte, ließ Puskin, dessen freiheitliche Gedichte wiederholt in den Verhören aufgeführt worden waren, unter persönlicher Bewachung am 08. September 1826 sich persönlich vorführen. Puskin durfte aus der Verbannung zurückkehren und nach Moskau ziehen. Er versprach ihm auch, daß künftig nicht mehr die allgemeine Zensur, sondern der Zar allein seine Werke für den Druck begutachten werde.

Während seines ländlichen Zwangsaufenthaltes hatte Puskin in engem Kontakt mit dem einfachen Volke gelebt. Er besuchte die Jahrmärkte, verkleidete sich als Bauer und mischte sich unter die Dorfbevölkerung, um deren Sitten und Bräuche, Sprache und Lebensgewohnheiten kennenzulernen. Er ist es, der dörfliche Folklore zur Hochkultur macht:

„Puschkin liebte alles, was dieses Volk liebte, und achtete alles, was das Volk achtete. Er liebte die russische Natur, leidenschaftlich bis zur Ergriffenheit, er liebte das russische Dorf . . . er war ein Mensch, der in seinem Herzen selbst zu einem Mann aus dem einfachen Volk geworden war, der sein Wesen, fast seine Gestalt angenommen hatte.“  ( Dostojewski )
 

Die letzten Jahre – in Freiheit:
Nach den Jahren der Verbannung nahm Puskin wieder am Leben der Gesellschaft teil.
1830 Abschluß des Onegin in Boldino ( aktuelle Neuverfilmung der Engländerin Martha Fiennes, 1999 )
 

18. Februar 1831 Eheschließung mit der siebzehnjährigen Schönheit Natalja Goncarova, mit der er vier Kinder hatte.
 
Aber das letzte Jahrzent seines Lebens brachte dem Dichter auch viel Aufregung und Unannehmlichkeiten. Der unbequeme Schriftsteller wurde bespitzelt und seine privaten Briefwechsel überwacht. Als Puskin davon erfährt, vermerkt er in seinem Tagebuch: “Nun, ich mag wohl ein Untertan, ja sogar ein Sklave sein, doch ein Kriecher oder Hofnarr werde ich auch nicht vor dem Herrgott im Himmel. Welch ein Abgrund von Unanständigkeit offenbart sich in den Gewohnheiten unserer Regierung ! Die Polizei öffnet die Briefe des Gatten an seine Gattin und gibt sie dem Zaren ( einem wohlerzogenen und so hochverehrten Menschen ) zu lesen, und der Zar schämt sich nicht, das einzugestehen.“

Die außerordentliche Schönheit von Puskins Frau hatte die Aufmerksamkeit des Herrschers auf sich gezogen. Um die attraktive Natalja öfter auf Hofbällen und Vergnügungen zu sehen, verlieh Nikolaus I. dem Dichter 1833 den Rang eines  Kammerjunkers, der für diesen und seine Ehefrau die Teilnahme an allen Hoffestlichkeiten zur Pflicht werden ließ. Der Freigeist litt jedoch in der höfischen Gesellschaft mit ihren Dünkeln und Intrigen. Die Hofkamarilla erwählte sich den wegen seiner satirischen Spitzen gegen die höchsten Gesellschaftskreise unbeliebten Dichters  zur Zielscheibe bösartiger Verschmähungen. Puskin erhielt wiederholt anonyme Schreiben über die angebliche Untreue seiner Frau. Der in seiner Ehre verletzte Schriftsteller forderte einen der Beleidiger seiner Familie, den französischen Emigraten und Royalisten Baron d’Anthès, zum Duell.
Am Morgen des 08. Februar 1837 wurde Puskin von der Kugel seines Gegners schwer verwundet. In seiner Petersburger Wohnung an der Moika starb der Dichter zwei Tage darauf ( 29.01. (10.02.) 1837 ) einen qualvollen Tod.
Tausende und aber Tausende erwiesen ihm die letzte Ehre und zogen an seinem Totenbett vorüber.
Da die zaristische Regierung, die die höfischen Intrigen gegen den Dichter unterstützt und bewußt geschürt hatte, eine Protestdemonstration des auf-gebrachten Volkes befürchtete, wurde auf allerhöchsten Befehl jede öffentliche Trauerfeier in Petersburg untersagt und Puskins sterbliche Hülle heimlich in der Nacht unter strenger polizeilicher Bewachung auf sein Familiengut Michalovskoe überführt und auf dem Friedhof des benachbarten Klosters Swjatogorsk am 05. Februar 1837 ohne jede Feierlichkeit beigesetzt.

Todestheorien: Opfer höfischer Intrige oder „inszenierter „Selbstmord“ ?

 
Thematische Schwerpunkte der Lyrik Puskins:

Romantische Motive ( Liebe, Nacht, Traum, Wahnsinn, Berufung des Dichters )

„Das Tagesgestirn ist erloschen;
auf das blaue Meer hat sich der Abendnebel gesenkt.
Rausche, rausche, gehorsames Segel,
woge unter mir, finsterer Ozean.
Ich sehe ein fernes Ufer,
die bezaubernden Gefühle eines südlichen Landes;
in Unruhe und Schwermut strebe ich dorthin,
erinnerungstrunken . . .“                                   ( Das Tagesgestirn ist erloschen, 1820 )
 

Tod und Ziel des Lebens:

„Unnütze Gabe, zufällige Gabe,
Leben, weshalb  wurdest du mir gegeben ?
Oder weshalb wurdest du von einem geheimen Schicksal
zum Tode verurteilt ?

Wer hat mich mit feindseliger Gewalt
aus dem Nichtsein herbeigerufen,
mir die Seele mit Leidenschaft erfüllt,
den Verstand durch Zweifel erregt ? . . .

Vor mir liegt kein Ziel:
Das Herz ist leer, untätig der Verstand,
und es quält mich mit seiner Langeweile
das eintönige Geräusch des Lebens.“                  ( Unnütze Gabe, zufällige Gabe, 1828 )
 

Freiheitsthematik:

„Wir erwarten mit sehnender Hoffnung
den Augenblick der heiligen Freiheit,
wie ein junger Liebhaber
den Augenblick des sicheren Wiedersehens erwartet.
Solange wir für die Freiheit erglühen,
solange die Herzen für die Ehre empfänglich sind,
weihen wir, mein Freund, dem Vaterland
die schönen Regungen der Seele !“                                      ( An Caadaev, 1818 )
 

aus: BOROWSKY, Kay/MÜLLER, Ludolf ( Hrsg. ) ( 1998 ):
Russische Lyrik: Von den Anfängen bis zur Gegenwart.
5., erw. Aufl. Stuttgart : Reclam
 

Einfluß Puskins auf seine Landsleute und die russische Literatur:

Viele Herrscher versuchten sich Puskin dienstbar zu machen, sowohl Stalin als auch Honecker und Jelzin. In der Flut sovjetischer Veröffentlichungen wurde so maßlos übertrieben, daß aus Puskin, dem passionierten Literaten, im ursprünglichen und besten Sinne dieses Wortes, ein „Freiheitskämpfer“ wurde, eine durch Verzerrung des Materials entstandene Konstruktion, die mit dem Menschen, Dichter und Denker Puskin kaum etwas gemeinsam hat.

„Ja, in Puschkins Erscheinen liegt für uns alle, uns Russen, etwas zweifellos Prophetisches. Puschkin kam uns in einer Zeit, als sich zum ersten male so etwas wie Selbsterkenntnis in unserer Gesellschaft hervorzuwagen begann, . . ., und sein Erscheinen wirkte wie eine Überleuchtung unseres dunklen Weges mit neuem und bahnweisendem Licht.“  ( Dostojewski, Rede über Puschkin am 08.Juni 1880 )

Puskin war nicht nur der gegen Unrecht und Willkür aufbegehrende Volkstribun, sondern zugleich der Begründer der neuen russischen Literatur und der Wegbereiter einer realistischen Weltsicht, ohne dessen Meisterwerke die Romane und Erzählungen Gogols, Turgenejws, Dostojewskis, Tolstois und Tschechows undenkbar gewesen wären.

„In ihm spiegeln sich die russische Natur, die russische Seele, die russische Sprache, der russische Charakter in solcher Reinheit, in solcher geläuterten Schönheit, wie sich eine Landschaft auf der gewölbten Fläche eines optischen Glases spiegelt.“ ( Gogol )

Und auch heute noch gilt der Dichter als das unerreichbare Vorbild und der große Lehrmeister, wird er in seiner poetischen Sprachgewalt Goethe an die Seite gestellt, der – so berichtet die literarische Legende – seine eigene Schreibfeder dem großen russischen Dichterkollegen als Zeichen seiner Verehrung schenkte.
Die Russen haben auch heute noch ein emotionales Verhältnis zu Puskin. Als „Sonne Rußlands“ wird er, der Volksheld, gefeiert und verehrt; Gottesdienste finden zu seinem Gedenken statt. Jeder Russe kann „seinen“ Puskin aus dem Effeff zitieren, schon die Kleinsten können seine eingängigen Märchen und Verse auswendig aufsagen.
Man sagt, die Russen hätten zwei patriotische Lieben: die Liebe zur Heimat und die Liebe zu Puskin.
Puskin verkörpert den Traum eines Volkes von sich selber.
 

„Nein, ganz werde ich nicht sterben – die Seele in der geweihten Lyra / wird meine Asche überdauern und der Verwesung entfliehen - / und ich werde berühmt sein, solange auf Erden / auch nur Dichter leben.“ ( Exegi monumentum, 1836 )
 

 

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Copyright © 1999 Universität Potsdam, Institut für Slavistik, Forschungsgruppe "Virtueller Puschkin".
Erstellt: 17.11.1999. Letzte Aktualisierung: