Geschichte des Instituts für Slavistik
Das Institut für Slavistik gehört zu der am 15. Juli 1991 gegründeten Universität Potsdam. Die Universität Potsdam ist an drei Standorten lokalisiert. Im Komplex I am Neuen Palais befinden sich das Rektorat, die Dezernate der Verwaltung, vorwiegend naturwissenschaftliche Institute und Sportanlagen. In Golm im Komplex II sind überwiegend geisteswissenschaftliche Fächer angesiedelt. Die Rechtswissenschaften, die Sozialwissenschaften und die Wirtschaftswissenschaften haben ihren Standort im Komplex III in Babelsberg. Das Institut für Slavistik befindet sich im Komplex II. Der Name Golm ist - wie Potsdam und viele andere Ortsbezeichnungen in Brandenburg – slavischen Ursprungs und bedeutet cholm, dt. "der Hügel". Die Lehr- und Forschungsstätten dieses Universitätskomplexes haben mit der neueingerichteten Zentralbibliothek und zahlreichen Wohnheimplätzen einen überschaubaren Campuscharakter und sind in einer reizvollen Seen- und Waldlandschaft unweit von der Parkanlage Sanssouci gelegen. Die geographische Nähe zu den slavischen Nachbarn erfahren Studierende der Slavistik mit Blick auf die Potsdamer Stadtgeschichte auch direkt vor Ort. Potsdam entwickelte sich aus einer slavischen Fischersiedlung an der Havel, die in der Schenkungsurkunde von Kaiser Otto III. vom 3. Juli 993 erstmals urkundlich mit dem Namen "Potztupimi" (dt. "vor der Palisadenfestung", verwandt mit urslav. stapa, russ. stupa) erwähnt wird. 1751 siedelte Friedrich II. auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils Babelsberg böhmische Weber an. Das Wohnquartier der Böhmen mit seinen charakteristischen kleinen Weberhäusern gilt als das größte seiner Art in Deutschland und wird von den Potsdamern bis heute "Nowawes" genannt. Ebenfalls von slavistischem Interesse ist die Russische Kolonie Alexandrowka, die 1826 Friedrich Wilhelm III. zu Ehren des Zaren Alexander I. im Stil der russischen Volksarchitektur errichten ließ, und die nahegelegene Alexandr-Newskij-Kirche. Die Geschichte der Potsdamer Slavistik geht auf die Zeit nach dem II. Weltkrieg zurück. Am 20. Oktober 1948 wurde die Brandenburgische Landeshochschule gegründet. Im Zuge dieser Neugründung wurde unter der Leitung von Prof. Dr. Hans-Holm Bielfeldt auch das Slavische Institut aufgebaut. Anfänglich wurden im Slavischen Institut Diplomslavisten und Fachlehrer für Russisch ausgebildet. Das slavistische Profil konnte jedoch aufgrund des am 19. März 1948 vom Obersten Chef der Sowjetischen Militäradministration erlassenen Befehls "... in Potsdam eine Hochschule unter dem Namen 'Brandenburgische Pädagogische Hochschule', (...) - zu eröffnen" nicht weiter ausgebaut werden. Zunächst wurden Russischlehrer im Rahmen des zentral vorgegebenen Ein-Fach-Studiums ausgebildet. Ab 1956 wurde diese Ausbildung allmählich durch ein Zwei-Fach-Studium ersetzt, das in Potsdam schrittweise auf die "Standardfachkombination "Russisch - Englisch (beide Fächer gleichberechtigt, 5-Jahres-Studium) eingeengt wurde. Die Potsdamer Russischlehrerausbildung genoss innerhalb der Pädagogischen Hochschulen der DDR aufgrund qualitativ hoher Anforderungen an die Lehre ein hohes Ansehen. In Lehre und Forschung trugen dazu auch die auswärtigen Wissenschaftler bei. So lehrten am damaligen Institut für Slavistik lehrten z. B. die renommierten Sprachwissenschaftler Prof. A. V. Isacenko (Anfang bis Mitte der 60er Jahre) und Prof. M. A. Sheljakin (Mitte der 60er bis Anfang der 70er Jahre), die mit ihren Erfahrungen in der wissenschaftlichen Tätigkeit viele Nachwuchswissenschaftler unterstützten. Während seiner Lehrtätigkeit in Potsdam entstand das klassische Standardwerk von Prof. A.V. Isacenko "Die Russische Sprache der Gegenwart. Teil 1: Formenlehre". Seit der Gründung der Universität Potsdam im Jahr 1991 und der damit verbundenen Erneuerung und wissenschaftlichen Standortbestimmung umfasst das Studium am neu gegründeten Institut für Slavistik heute die Literaturen und Sprachen der ost- und westslavischen Völker (mit einer gebotenen Schwerpunktsetzung). Anfangs hatte das Institut vier Eckprofessuren sowie zwei weitere und gehörte damit zu einem der größeren in der Bundesrepublik. Es gliederte sich in folgende Fachgebiete:
Darüber hinaus gab es von Anfang an das Lektorat Ostslavistik. Die Russistik wurde durch die beiden Lehrstühle für Ostslavische Literaturen und Kulturen und Ostslavische Sprachwissenschaft in ihrem Profil um die beiden Ostslavinen Weißrussisch und Ukrainisch erweitert. Von 1993 bis 2000 hatte den Lehrstuhl für Ostslavische (insbesondere russische) Sprachwissenschaft Professor Dr. Dr. h.c. mult. Walter Witt inne. Nach seiner Emeritierung wurde die Stelle nicht mehr wiederbesetzt und 2001 im Zuge einer Umstrukturierung an der Philosophischen Fakultät gestrichen. Die ursprünglichen Schwerpunkte in der Lehre - das System der russischen Sprache, insbesondere Phonetik, Morphologie, Wortbildung, Syntax, Stilistik , Text- und Gesprächslinguistik werden seitdem in einer Abteilung Ostslavische Sprachwissenschaft weitergeführt, desgleichen Forschungsprojekte mit Partnern in St. Petersburg und Opole. Auf den Lehrstuhl für Ostslavische Literaturen und Kulturen (mit dem Schwerpunkt russische Literatur und Kultur) wurde im Herbst 1994 Prof. Dr. Norbert Franz (vormals Humboldt-Universität Berlin, davor Cusanus-Werk Bonn, davor Universität Mainz) berufen. Die Beschäftigung mit neuerer russischer Literatur, Mediävistik der slavia orthodoxa, Kultursemiotik und Medien sowie Theater gehört zu den Forschungsschwerpunkten von Norbert Franz. In der Lehre konzentrieren sich die Themen seiner Vorlesungen auf russische Literatur und Kultur von den Anfängen bis zur Gegenwart sowie auf belorussische und ukrainische Literatur und Kultur. Norbert Franz ist Verfasser einer Einführung in die Slavische Philologie. Der Lehrstuhl Ostslavische Literaturen und Kulturen wurde bis zur Ernennung von Norbert Franz von Prof. Dr. Frank Göpfert verwaltet, dessen Forschungen Studien zur russischen Frauenliteratur beinhalten, die in der Publikationsreihe "FrauenLiteraturGeschichte. Texte und Materialien zur russischen Frauenliteratur" herausgegeben werden. Die ursprünglich auf die Russistik eingeengte Slavistik wurde durch die Berufung von Prof. Dr. Herta Schmid (vormals Universität Amsterdam, davor Universitäten München und Bochum) im Dezember 1992 auf den Lehrstuhl für Westslavische Literaturen und Kulturen sowie durch die Rufannahme von Prof. Dr. Peter Kosta (Lehrstuhl für Westslavische Sprachwissenschaft, davor 1992-1993 TU Dresden, bis 1992 J. W. Goethe-Universität Frankfurt am Main) im März 1993 um die Westslavinen Polnisch (Magister/Lehramt), Tschechisch/Slovakisch (Magister) erweitert. Der Lehrstuhl Westslavische Literaturen und Kulturen befasst sich in Forschung und Lehre mit den Schwerpunkten Strukturalistische (Prager Kreis etc.) und poststrukturalistische Literaturtheorie, Barock, Avantgarde, zeitgenössische tschechische und polnische Literatur sowie Theater und Drama. Herta Schmid gibt in Potsdam (gemeinsam mit Prof. Walter Koschmal aus Regensburg) die Zeitschrift "Balagan. Slavisches Drama, Theater und Kino" heraus. Sie ist Mitherausgeberin vom "Forum Modernes Theater". Der Lehrstuhl für Westslavische Sprachwissenschaft beschäftigt sich in Forschung und Lehre mit der Syntax der slavischen Sprachen, diachronem und synchronem Sprachvergleich, Grammatiktheorie, Universalgrammatik und kognitiver (generativer) Linguistik, Semantik, Sprachwandeltheorien, Sprachkontakt und Soziolinguistik, Übersetzungstheorie, Diskursanalyse, Sprechakttheorie, Phraseologie und der russischen Sprache des 17./18. Jahrhunderts. Peter Kosta ist Mitherausgeber von nachstehenden slavistischen und linguistischen Reihen und Zeitschriften: "Specimina philologiae Slavicae", "Zeitschrift für Slawistik" und "Linguistik in Potsdam". Den Lehrstuhl Fachdidaktik des Russischen und Polnischen hatte Frau Prof. Dr. Margot Krien von 1993 bis 2001 inne. Nach ihrer Emeritierung setzte eine Umstrukturierungsphase ein, in der die Mitarbeiterinnen der Professur 2004 in eine institutsübergreifende Professur "Fremdsprachendidaktik" an der Philosophischen Fakultät überführt wurden. Das Lektorat wird durch zwei Lehrkräfte für besondere Aufgaben vertreten. Diese Mitarbeiterinnen zeigen sich verantwortlich für die Sprachausbildung im Rahmen des Hauptstudiums mit der Schwerpunktsetzung Russistik. Neben ihren Aufgaben in der Lehre, die sich durch ein breites und reichhaltiges Kursangebot auszeichnet (Übersetzungskurs, Wirtschaftssprache Russisch, Umweltpolitik, Sprache der Jura, Fachsprache des Lehrers, Audio-visueller Kurs) befassen sich die Mitarbeiterinnen auch mit Aufgaben in der Forschung, die größtenteils in Publikationen reflektiert werden. Neben Russisch werden am Institut in der Sprachausbildung die Slavinen Ukrainisch und Belorussisch angeboten. Geplant sind weitere Lektorate für Tschechisch und Polnisch (für die Ausbildung im Hauptstudium und in den Fachsprachen). Die anderen Slavinen werden sprachpraktisch im Grund- bzw. Hauptstudium am Sprachenzentrum der Universität Potsdam betreut. Derzeit gibt es eine Lektorin für Tschechisch und eine Lektorin für Polnisch. |
Studiengänge am Institut:
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Das Fach Slavistik bietet in Potsdam vielfältige und interessante Kombinationsmöglichkeiten mit naturwissenschaftlichen, gesellschaftswissenschaftlichen oder philologischen Disziplinen und garantiert aufgrund des Studienstandorts (Berlin-Nähe) günstige Voraussetzungen für ein anregendes und qualitativ gutes Studium. Partner- und Kooperationsbeziehungen des Instituts zu mehreren osteuropäischen Universitäten und Hochschulen dienen dem wissenschaftlichen Austausch und der Zusammenarbeit, ermöglichen aber auch den Studierenden die Teilnahme an Sprachpraktika, landeskundlichen Exkursionen und Studiensemestern im Ausland. Die Universität Potsdam nimmt mit den beiden Philosophischen Fakultäten eine herausragende Position innerhalb der philologischen Universitätslandschaft der Bundesrepublik ein und bietet darüber hinaus mit ihren Profilbereichen in den kulturwissenschaftlichen, kognitiven und pädagogischen Disziplinen (Potsdamer Lehrerbildungsmodell) günstige Anknüpfungspunkte an die Berufspraxis. Durch die Organisation Internationaler Kongresse, Tagungen und Veranstaltungsreihen, die Herausgabe bekannter slavistischer Zeitschriften und Reihen sowie durch die Initiierung interdisziplinärer und übergreifender Studiengänge und Kollegs ist das Institut für Slavistik der Universität Potsdam ein anziehender Studienstandort. |

