Erfahrungen der Hamburger Lichtwarkschule nutzen

Erfahrungen der Hamburger Lichtwarkschule nutzen

Eine vorwiegend für heutige und künftige Pädagogen interessante Ausstellung präsentierten kürzlich die Professur für Historische Pädagogik der Uni und die Forschungsstelle für Berlin-Brandenburgische Bildungsgeschichte. Die Schau mit Leihgaben des Schulmuseums Hamburg informierte über „Die Hamburger Lichtwarkschule – eine Reformschule im höheren Schulwesen der Weimarer Republik".

In der Weimarer Republik galt die Lichtwarkschule als eine weit über die Stadtgrenze Hamburgs hinaus bekannte Reformschule und hat in jenen Jahren nicht nur viel zum Ruf Hamburgs als „Stadt der Schulreformen" beitragen, sondern auch ganz wesentliche Impulse und Wirkungen für Schulreformen in Berlin und Umgebung erzeugt. Während die anderen Reform- und Versuchsschulen nicht nur der Hansestadt alle Volksschulen waren, war die Lichtwarkschule eine Schule des höheren Schulwesens. Das war eine Ausnahmeerscheinung. Insgesamt zählt die schulgeschichtliche Forschung für das gesamte Deutsche Reich in der Weimarer Zeit nur fünf solcher Institutionen. Die Einrichtung wurde 1937 von den Nationalsozialisten aufgelöst und nach Ende des Krieges nicht wiederbelebt. Vor allem ehemalige Lichtwarkschüler wie Loki und Helmut Schmidt (Bundeskanzler von 1974 bis 1982) haben jedoch in jüngster Zeit Erhebliches zu deren Erinnerung beigetragen. Wiederholt beschrieben sie den großen positiven Einfluß ihrer Schulzeit auf ihre individuelle und spätere berufliche Entwicklung.

campu15.jpg (47669 Byte)Leihgaben aus dem Schulmuseum Hamburg in einer Ausstellung über die Lichtwarkschule.
Foto: Tribukeit

Das pädagogische Profil dieser Schule stand auch im Mittelpunkt der Ausstellung. Ziel der Präsentation in Potsdam war es, daß die pädagogischen Intentionen und Erfahrungen dieser Reformschule in den Diskussionsprozeß um die innere Schulreform insbesondere der heutigen gymnasialen Oberstufe an Gymnasien und Gesamtschulen im Land Brandenburg mit einbezogen werden. Zur Exposition gibt es eine Broschüre mit den wichtigsten Quellen der Lichtwarkschule. Erhältlich ist sie über die Forschungsstelle für Berlin-Brandenburgische Bildungsgeschichte am Institut für Pädagogik der Universität Potsdam, Tel. 0331/977-2565.
Im Rahmen der Ausstellung fand Mitte Mai 1998 auch ein Workshop „Historische Reformschulen: Modelle für heutige gute Schulen?" statt. Hier diskutierten die Teilnehmer über die Lichtwarkschule als Zentrum reformpädagogischer Bemühungen in ihren Vernetzungen zu Schulprojekten und Personen im Berliner Raum in der Weimarer Zeit und fragten nach dem Ertrag reformpädagogischer Theorie und Praxis unter veränderten historischen Rahmenbedingungen für die Schule von heute.
F. T.