An alten Bauwerken spiegelt
sich
die wechselvolle Zeitgeschichte. Mühlen sind Zeitzeugen ganz besonderer
Art. Schon früh wurde die Energie des Wassers und des Windes für
den Antrieb von Mahlwerken genutzt. Die erste Erwähnung der
Wassermühle in Rathenow stammt aus dem Jahr 1288. Windmühlen entstanden
später. Im Havelland wurde die älteste im 17. Jahr-hundert in Bamme
erbaut. Hierbei handelt es sich um eine Bockwindmühle, die auch als
"deutsche Mühle" bezeichnet wird und älter als die
Holländermühle ist. Die Bockwindmühle Prietzen (unser Bild)
wurde im Jahre 1773 eingeweiht. Durch die im Eichenholz eines mächtigen
Balkens verewigte Zueignung, mit dem Hinweis auf die Anlage "einer neuen
Doße" durch "Knollings Horst und Liebengraben", wird auf die
Entwässerung des unteren Rhin- und des Dosseluches Bezug genommen. In
diesem Zusammenhang "ward auch die Rhinow Wassermühle weggerissen" und
notwendigerweise "ließ diese Windmühl bauen die Frau von Quast
in Hohennauen".
1961 schließlich erwarb die frühere Pädagogi-sche Hochschule
Potsdam das gute Stück und bewahrte es dadurch vor dem Verfall. Bis
heute wird die Windmühle als Naturbeobachtungsstation genutzt. Als
Außenstelle der Ökologischen Station Gülpe ist das inzwischen
sanierte historische Bauwerk weiterhin ein wichtiger Anlaufpunkt für
die Studierenden der Universität Potsdam, aber auch anderer
Universitäten. Vor etwas über einem Jahr erhielt sie sogar
originalgetreu angefertigte Flügel, so daß fast der Eindruck entstehen
könnte, hier würde demnächst wieder Korn gemahlen...
Text und Foto: Ralf-Udo Mühle