Mit 80 ist lange noch nicht Schluss.
Zum Promovieren ist es nie zu spät Im Januar dieses Jahres promovierte York F. von Bremen
erfolgreich an der Philosophischen Fakultät der Uni Potsdam. Für seine von dem
Historiker Prof. Dr. Manfred Görtemaker betreute Arbeit zum Thema Die letzte
Bastion. Der Kampf um Mecklenburgs Ständestaat im Bismarckreich" erhielt er das
Prädikat Magna cum laude". Das alles wäre nicht weiter bemerkenswert, würde
der Promovend im für diese Leistung üblichen Alter sein. Ist er aber nicht. Von Bremen
feierte kürzlich seinen 81. Geburtstag. Und: Eigentlich ist er gar kein Historiker,
sondern Jurist. Seine erste Promotion auf dem Gebiet des Straf- und Zivilprozessrechts
schloss er 1957 ab. PUTZ-Redakteurin Petra Görlich sprach mit ihm.

York-F. von Bremen wollte es noch einmal wissen. Mit 81
Jahren verteidigte er in Potsdam gerade seine zweite Dissertation.
Foto: Fritze |
Sie haben bereits ein langes, sehr erfolgreiches
Arbeitsleben als Jurist, unter anderem in der Konzernspitze des Quandt-Konzerns, hinter
sich. Warum promovierten Sie jetzt noch einmal?
von Bremen: Um mir einen lang gehegten
Wunsch zu erfüllen. Schon als kleiner Junge interessierte ich mich für Geschichte. Meine
Eltern schenkten mir statt dicker Karl May-Bücher Geschichtswerke. Als der Zweite
Weltkrieg zu Ende war, stand ich schließlich vor der Entscheidung, was ich denn nun
studieren würde. Und ich entschied mich gegen die Geschichte und für die
Rechtswissenschaft. Mein Vater hatte mir dazu geraten. Jura, so seine Meinung, sei
interessant und biete viele Möglichkeiten, eine Karriere aufzubauen. Er hatte nicht
Unrecht. Im Jahre 1989 jedoch fasste ich den Entschluss, meine Liebe zur Geschichte auch
in einer entsprechenden Doktorarbeit manifestieren zu wollen. Ich fühlte mich fit genug,
das schaffen zu können.
Nichts geht ohne Komplikationen. Welche Steine
lagen Ihnen im Weg?
von Bremen: Nun, es war in der Tat nicht
ganz einfach. Seit dem Beginn des Vorhabens sind ja inzwischen elf Jahre verstrichen. Ich
musste zum Beispiel die formalen Voraussetzungen für eine Arbeit auf dem von mir
gewählten Gebiet erbringen. Das heißt, es folgte ein mehrjähriges Studium der
Geschichte an der Universität Frankfurt/Main. Dazu kam noch, dass mein erster mich
betreuender Professor, Thomas Nipperdey aus München, leider verstarb und nach einem neuen
Betreuer gesucht werden musste. Aber da hatte ich mich schon für das richtige Thema
entschieden und selbstständig angefangen zu forschen.
Ihre Dissertation führt den Leser nach
Mecklenburg. Gibt es persönliche Bezüge zu dieser Region?
von Bremen: Ja. Die Familie stammt
dorther. Im Jahr 1784 hat sie die Amtsbestätigung durch Herzog Friedrich von
Mecklenburg-Schwerin bekommen. Später allerdings verließen meine Vorfahren Mecklenburg.
Aber die Beziehung ist da.
Liest man Ihre Arbeit, fällt die Verbindung von
rechtlichen und historischen Fragestellungen auf. Bestand für Sie darin auch der Reiz,
gerade dieses Thema genauer zu beleuchten?
von Bremen: Neben der persönlichen
Nähe zu Mecklenburg war dies natürlich der ausschlaggebende Grund. Mich interessierte,
wie das Zusammenspiel zwischen mecklenburgischem innerstaatlichem Recht und dem des
übergeordneten deutschen Reiches funktionierte. Ich wollte mehr wissen über die damals
vorherrschenden Verfassungskämpfe in Mecklenburg. Es war ja bis 1918 der letzte
Ständestaat, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Die dort geltende
Verfassung stammte in ihren Grundfesten noch aus dem Jahr 1523, ein Relikt aus dem
Mittelalter also. Zwar gab es zwischen 1870 und 1880 sowie 1907 und 1913 zwei große
Reformversuche, doch die scheiterten. Dafür gesorgt hatte die Ritterschaft, ohne deren
Zustimmung eine legale Verfassungsänderung nicht erfolgen konnte. Das Reich griff beide
Male nicht ein.
Diese spannungsreiche Geschichte wollte ich aufarbeiten,
gegenseitige Verhältnisse und Abhängigkeiten analysieren. Auf in der Forschung bereits
Vorhandenes konnte dabei allerdings kaum zurückgegriffen werden. Deshalb stöberte ich
jahrelang in Archiven. Vor allem das in Schwerin erwies sich dabei als wertvolle Hilfe.
Sie haben in Potsdam Ihre Promotion
abgeschlossen. Hatten Sie die Gelegenheit, die Universität näher kennen zu lernen?
von Bremen: Leider zu wenig. Aber ich
habe den Eindruck gewonnen, dass es eine junge, frische, sehr offene Universität ist.
Natürlich gefällt mir vor allem das historische Ambiente des Komplexes Am Neuen Palais.
Vielen Dank für das Gespräch.
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