Mit Gedanken rechnen.
Informatik und Kognition im Zusammenspiel
Maschinelles Denken
lässt sich mit der Aufgabe vergleichen, ein Flugzeug zu bauen, meint Professor Torsten
Schaub vom Institut für Informatik der
Universität Potsdam. Natürlich könne man sich an einem Vogel mit seinen schlagenden
Flügeln orientieren, aber ein Flugzeug kommt auch ohne diese komplizierte Ausstattung
aus. Wenn sich Schaub also mit dem maschinellen Denken beschäftigt, meint er keineswegs
die menschenähnlichen Maschinen aus Science-Fiction-Filmen, die an Depressionen leiden
und Gedichte schreiben, sondern eher Systeme, welche in komplizierten Schaltkreisen Fehler
aufspüren.

John Napiers Rechenhilfe aus dem Jahr
1614 führt langwierige Multiplikationen auf
Additionen zurück, kann aber noch nicht
mit logischen Argumenten rechnen.
Foto: Repro |
Die erste Denkmaschine" entwarf der Philosoph
und Mathematiker Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 - 1716) - als Vision, die sich seiner
Voraussage nach in etwa 300 Jahren erfüllen würde. Diese Maschine sollte mit logischen
Aussagen rechnen wie mit Zahlen und zu gültigen Schlüssen kommen und so beispielsweise
einen Streit zwischen Philosophen entscheiden können. Die logischen Schlussregeln mußten
dafür auf ausführbare Rechenoperationen abgebildet werden. Leibniz hatte gut geschätzt:
Tatsächlich gelang der Durchbruch um 1965, und zwar mit so genannten Resolutionsregeln,
aus denen die Programmiersprache Prolog entwickelt wurde.
Mit solchen Regeln und einer als
Antwortmengenprogrammierung bezeichneten Methode beschäftigt sich auch die internationale
Arbeitsgruppe von Informatikern, die Torsten Schaub um sich versammelt hat. Damit werden
Probleme aus den verschiedensten Bereichen beherrschbar. Beispiele sind Stundenpläne und
hochkomplexe Modellierungen, aber auch neue Verschlüsselungsmethoden, die so auf logische
Fehler und auf ihre Schlüssigkeit durchgesehen werden. Auch zur Konfigurierung bei
Space-Shuttle-Flügen verwendet die NASA inzwischen diese Methoden in Simulationen.
Die Zusammenarbeit mit den Kognitionswissenschaftlern
erweist sich in der Regel für beide Seiten als anregend. Wir sind oft diejenigen,
die Gedanken auch ´mal auf den Punkt bringen, indem wir in einer formalen Sprache
aufschreiben, was bis dahin auf einer mehr intuitiven Ebene diskutiert wurde", sagt
Schaub. So arbeitet er beispielsweise in der Forschergruppe Konfligierende
Regeln" mit dem Linguisten Prof. Gisbert Fanselow zusammen. Man ist sich einig:
Widersprüche und Unvollständigkeiten kommen in jeder natürlichen Sprache vor. Aber auch
Maschinen müssen damit umgehen können, wenn sie auf wirkliche Probleme reagieren sollen.
ar
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