Astrophysiker feiern in Potsdam

Am 1. Juli 1999 feiern Astrophysiker des Astrophysikalischen Instituts in Potsdam (AIP) das 125jährige Bestehen des Astrophysikalischen Observatoriums (AOP) am Telegraphenberg. Außerdem wird der Einstein-Turm wieder eingeweiht und eine „Galerie des Universums" eröffnet.

24.jpg (42626 Byte)Die Restaurierung des Einstein-Turms wird am 1.7.99 zusammen mit dem 125jährigen Bestehen des Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam auf dem Telegraphenberg gefeiert. Foto: AIP

„Das Astrophysikalische Observatorium war das erste Observatorium der Welt, das sich mit der Physik der Sterne beschäftigte", sagt Dr. Klaus Fritze vom AIP. Seine Gründung im Jahr 1874 fand in einer Zeit statt, in der sich die Astrophysik erstmals von der Astronomie lösen konnte. Erst wenige Jahre zuvor hatte Gustav Kirchhoff erkannt, daß sich die chemischen Elemente auch anhand ihrer Spektrallinien deutlich voneinander unterscheiden. Damit ließ sich aus dem Sternenlicht die chemische Zusammensetzung und die Temperatur von Sternen entschlüsseln. Der große Berliner Astronom Wilhelm Foerster setzte sich mit all seiner wissenschaftlichen Autorität für den Bau des AOP ein.

 

Berühmte Wissenschaftler

Weltberühmt wurde das Astrophysikalische Observatorium vor allem durch die Menschen, die dort arbeiteten: Hier fand Karl Schwarzschild die berühmte Lösung der Einsteinschen Gleichungen, die die Wirkung der Gravitation in astrophysikalischen Objekten wie den Schwarzen Löchern beschrieb. In den Kellerräumen des AOP machte Albert Michelson das Experiment mit zwei Lichtstrahlen, mit dem die Äthertheorie widerlegt wurde. Es bildete den ersten experimentellen Beleg für die spezielle Relativitätstheorie von Albert Einstein.

Auf der Feier am 1. Juli wird auch der berühmte Einstein-Turm wieder eingeweiht, der von dem Architekten Erich Mendelsohn entworfen wurde und als Meisterwerk expressionistischer Architektur gilt. Nach einem Brand im Jahre 1998 konnte er jetzt mit Mitteln der Bausparkasse Wüstenrot vollständig restauriert werden.

Wissenschaftsmuseum eröffnet

Außerdem öffnet an diesem Tag ein neues wissenschaftliches Museum seine Pforten: In der „Galerie des Universums" können Besucher den langen Weg der Astrophysik vom mittelalterlichen geozentrischen Weltbild bis heute nacherleben. Einen besonderen Platz nimmt dabei die Geschichte der Sternenkunde in Potsdam und Berlin ein, die vor fast 300 Jahren mit der Gründung der Sternwarte in Berlin begann. „Ich möchte die Astronomie nicht nur als wertneutrale Wissenschaft darstellen", sagt Projektleiter und Astrophysiker Dr. Frank Baier. Im Brennpunkt der Ausstellung steht die Position des Menschen im Universum und seine Verantwortung für die Erde. Die „Galerie des Universums" ist zunächst ab 2. Juli ’99 dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr für drei Monate im Potsdamer Museum an der Hermann-Elflein-Straße zu sehen. ar