Wissenschaft aktuell

Armutsbekämpfung weiter Herausforderung.
Der Forschungskreis Vereinte Nationen tagt
 

In der Diskussion um die Vorteile der Globalisierung wird immer wieder der wachsende globale Wohlstand und der Zugang zu Entwicklungschancen für unterentwickelte Länder und Regionen genannt. Globale Verflechtungen zwischen Staaten, Unternehmen und Menschen, die breitenwirksamere Verteilung von technischem Fortschritt und der Abbau von Transaktionshemmnissen helfen armen Staaten, ihre Entwicklungspotenziale besser auszuschöpfen und damit Armut zu überwinden. Doch trotz stark verbesserter Lebensbedingungen und erweiterter Zugangschancen bleibt die Zahl der Menschen, die in absoluter Armut leben, weiterhin alarmierend hoch.

Denn nicht alle Staaten partizipieren im gleichen Maße an den Gewinnen einer globalisierten Wirtschaft. Auf der einen Seite bleibt die Mehrzahl der Entwicklungsländer von internationalen Kapital- und Handelsströmen unberührt. Auf der anderen Seite gelingt es den Handelspartnern und Empfängerländern von ausländischen Direktinvestitionen nicht, ihren Wohlstandszuwachs nach unten auf alle Regionen oder alle gesellschaftlichen und ethnischen Gruppen zu verteilen.

Aus diesem Grund muss es weiter auch um Armutsreduzierung als zentralen Bestandteil einer globalen Strukturpolitik gehen. In Abwesenheit einer zentralen globalen Regierungsgewalt spielen internationale Organisationen bei der Entwicklung, Umsetzung und Überwachung von dazu geeigneten Strategien eine entscheidende Rolle. Da der Armutsbegriff heute allerdings nicht nur materiell bestimmt, sondern um politische Faktoren, wie den Mangel an Mitbestimmung, Macht und Interessenvertretung erweitert wird, nimmt die Komplexität der nötigen Strategien zu. Eine Reduzierung von Armut muss somit auf allen Ebenen der gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklung ansetzen; sie wird zur Querschnittsaufgabe.

Um die unterschiedlichen Dimensionen und die heterogenen Adressaten der Armutsreduzierung zu erreichen, versuchen internationale Entwicklungsorganisationen im Rahmen multilateraler Aktionsprogramme immer häufiger, neben Regierungen, auch Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen in partnerschaftliche Kooperationen einzubinden. Dabei ist klar, dass unterschiedliche Ebenen existieren. Die eine kann nicht mehr ohne die andere voll funktionieren.

Dem Gesamtproblem widmen sich auch Andreas Obser und Stefanie Schurer auf der durch den am Menschenrechtszentrum der Uni etablierten Forschungskreis Vereinte Nationen veranstalteten kommenden UNO-Konferenz. Beide Potsdamer Uni-Wissenschaftler setzen sich dann mit den „Herausforderungen an multilaterale Institutionen durch neue Formen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit" auseinander. Sie gehen der Frage nach, wie den veränderten Anforderungen an internationale Organisationen „von außen" sowie „nach innen" Rechnung getragen werden und versuchen die Beantwortung der Frage "Brauchen die Vereinten Nationen neue Strukturen zur Lösung der globalen Probleme?".

Stefanie Schurer, Dr. Andreas Obser,
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät

Die Potsdamer UNO-Konferenz findet am 29. und 30. Juni dieses Jahres ab 16.00 beziehungsweise 9.00 Uhr in der August-Bebel-Str. 89, Haus 1, Raum 2.32 statt. Auskünfte zum genauen Programm gibt es über Tel.: 0331/707672 oder per E-Mail: fkruno@rz.uni-potsdam.de.

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[Letzte Aktualisierung 05.06.2001 Steffi Knappe]