Der Traum vom Weltrekord Potsdamer
Jura-Student bei Paralympics dabei
"Wenn ich ehrlich bin, ist es mein größter Wunsch,
einen neuen Weltrekord im Fünfkampf aufzustellen." Dass dies nicht nur ein Traum
sein muss, zeigen die bisherigen sportlichen Leistungen von Rayk Haucke. Seit 1993, dem
Beginn seiner Sportkarriere, geht es bei dem Leichtathleten und Jura-Studenten an der
Universität Potsdam stetig aufwärts.

Jura-Student Rayk Haucke (lks.).
Foto: privat |
So konnte er bereits bei seinem ersten internationalen
Start bei der Weltmeisterschaft 1994 in Berlin eine Bronzemedaille im Speerwurf mit nach
Hause nehmen. Weitere Erfolge erzielte er unter anderem mit dem Gewinn der Silbermedaille
im Speerwurf bei der Weltmeisterschaft 1998 und des Doppeleuropameistertitels im
Fünfkampf und im Speerwurf 1999.
Wenn der Name Rayk Haucke trotz seiner großen
sportlichen Erfolge nicht wie der anderer Sportler in aller Munde ist, liegt es daran,
dass dem Behindertensport noch immer nicht die ihm gebührende öffentliche Aufmerksamkeit
gewidmet wird. In den Medien gibt es nur selten Berichte. Selbst die Paralympics finden
kaum mediale Resonanz.
Seit 1992 ist der gebürtige Thüringer blind. Seine
Konzentration widmet er jetzt der Vorbereitung auf die im Oktober in Sydney/Australien
stattfindenden Paralympics. Die Qualifikation dafür hat er sich bereits erarbeitet.
Anfang Juni stellte er zwei deutsche Rekorde auf und verbesserte vier persönliche
Bestleistungen. Bis auf 48 Punkte hat er sich an den aktuellen Weltrekord im Fünfkampf,
der gegenwärtig bei 2596 Punkten steht, herangetastet.
Dem sportlichen Ziel ordnet er im Augenblick alles unter.
Dafür hat er sein Studium unterbrochen. Er lebt seit Februar dieses Jahres in einem
Sportinternat in Cottbus, hat dort das Stadion vor der Tür, die Physiotherapie in der
Nähe, einen freundschaftlich mit ihm verbundenen Trainer. "Natürlich ist es eine
Schinderei, an fünf Tagen in der Woche fünf bis sechs Stunden zu trainieren, aber es
macht auch Spaß, und das Ziel lockt." Wenn es beim Laufen manchmal doch nicht so
spannend ist, beim Training der innere Schweinehund überwunden werden muss, freut sich
der Sportler darüber, dass er mit Leib und Seele Fünfkämpfer ist. Denn das bedeutet
auch im Training Abwechslung: Weitsprung, Speerwerfen, 100-m-Lauf, Diskuswerfen,
1500-m-Lauf.
Der 24-jährige Rayk Haucke hofft, dass sich seine
Anstrengungen lohnen werden. Er möchte seine Platzierungen der letzten Paralympics 1996
in Atlanta, Silbermedaille im Fünfkampf und vierter Platz im Speerwurf, unbedingt in
Sydney verbessern. 2600 Punkte hat er sich im Fünfkampf als persönliche Marke gesetzt.
"Diesmal möchte ich gerne ganz oben auf dem Siegerpodest stehen."
Aber auch für die Zeit nach der Olympiade hat er nicht
nur sportlich ehrgeizige Pläne. Im November wird er mit ganzer Anstrengung sein Studium
fortsetzen. Außerdem möchte er unbedingt eine Zeit im Ausland verbringen.
B.E.
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